Zu Beginn des 36. internationalen ADAC Zürich 24h- Rennens kämpfte das Team Derscheid mit versagender Technik und zahlreichen Nordschleifen-Neulingen. Nach gut einem Renndrittel und fast 1,5h Reparaturpause begann es für das Team Derscheid ordentlich rund zu laufen.
Insgesamt zehn Fahrzeuge der Klasse V2 gingen im Feld der weit über 230 Starter am Samstagmorgen ins erste Training zum 24h-Rennen. Mittendrin einer der Favoriten: Team Derscheid Motorsport. Teamchef Rolf Derscheid/Much griff auch bei dieser Ausgabe selbst ins Lenkrad des BMW 318is. Unterstützung erhielt er von Stammfahrer Michael Flehmer/Overath, Werner Schlehecker/Rösrath und Ilias DeLaVina. Alle Fahrer verfügen über reichlich Nordschleifen- und Langstreckenerfahrung und wissen, wie ein solches Rennen zu bestreiten ist.
„Das Rennen beginnt zwar schon bei der Qualifikation," erklärte Rolf Derscheid, „aber ein guter Startplatz ist beim 24h-Rennen nicht von solch großer Bedeutung wie im Sprintrennen. Das allerdings scheinen viele Fahrer zu vergessen und zerlegen schon vor dem Start ihr Auto. Ich bin froh, mir mit erfahrenen Rennfahrern das Cockpit teilen zu können. Wir alle wissen, dass ein 24h-Rennen weder im Training noch in den ersten Runden oder Stunden entschieden wird.
Konstanz ist der Schlüssel zum Erfolg."
Auch wenn keiner bis ans Limit ging – die vier Fahrer vom Team Derscheid sind nun mal Rennfahrer und waren nicht auf einer „Schau-ins-Land-Tour". Das war spätestens nach dem zweiten Zeittraining mehr als deutlich, denn in der Klasse V2 stand Deutschlands schnellster Pizza-Dienst auf dem zweiten Rang. Die Rundenzeit von 10:56 Minuten reichte für den 178. Platz in der Gesamtwertung.
„Wir haben insgesamt 12 Runden im Training gedreht. Vier mal zwei Pflichtrunden zur Qualifikation und den Rest, um Reifen anzufahren," erklärt der Teamchef. Ganz ohne Probleme lief es aber auch für die Routiniers vom Team Derscheid nicht: Der Tachosignalgeber, der beim BMW am Hinterachsdifferential sitzt, brach aus unerklärlichen Gründen ab und rutschte in die Getriebeeinheit. Dadurch war ein Wechsel des Differentials erforderlich, den die Mechaniker zügig und ohne Probleme über die Bühne brachten, so dass das Training wieder aufgenommen werden konnte.
Die Welt ist eine Scheibe
Der Start zum Rennen um 15:00 Uhr verlief ohne Probleme. Nach einer Stunde Renndistanz wurde der BMW schon auf Rang 147 geführt – Startfahrer Michael Flehmer hatte somit mehr als 30 Plätze gutgemacht. Dass Flehmer Platz eins noch nicht erobert hatte, obwohl er kontinuierlich schneller fuhr als der Wettbewerb, lag daran, dass „der Führende der Klasse ein deutlichen Puffer an unerfahrenen Fahrern zwischen sich und uns geschaffen hatte.
Immer wieder hing Michael hinter Autos fest, die auf der Geraden schneller waren, uns aber in Kurven bremsten. Es dauerte lange, bevor Michael Flehmer diese Autos gefahrlos überholen konnte," berichtete Derscheid. Nach zehn gefahrenen Runden übergab Derscheids Stammpilot Flehmer den Wagen an Ilias DeLaVina. Seine Runde dauerte nun deutlich länger – fast 1,5h! „Die Welt war für uns kurzfristig eine Scheibe," so Derscheid, „denn auf dem Weg in die Fuchsröhre brach der Belag der neuen Sachs Racingkupplung an mehreren Stellen.
Wir vermuteten einen Material- oder Fertigungsfehler, was in Verbindung mit Sachs aufzuklären sein wird. Dabei hatten wir schon extra eine spezielle Kupplung gekauft und eingebaut, um Schäden im Voraus auszuschließen." Von der Bergung bis zum Ende der Reparatur vergingen unendlich lange 90 Minuten, dann nahm der Pizza- Hut-Express seinen Dienst wieder auf.
„Unser Ziel war es, mit konstant schnellen Runden den Rückstand auf die V2-Spitze wieder aufzuholen." Stetig fuhren Derscheid / Flehmer / DeLa Vina / Schlehecker Runden mit niedrigen 11er Zeiten und kamen langsam aber sicher wieder an das Feld der Klasse heran. Die Platzierung in der Gesamtwertung sah um 20:00 Uhr nicht sonderlich gut aus, auch wenn das nach gut fünf Stunden augenscheinlich nicht so aussah, denn zu diesem Zeitpunkt wurde der Derscheid-BMW auf Rang 190 der Gesamtwertung geführt.
Weitere vier Stunden später sah die Zeitenliste schon wesentlich besser aus: Auf Rang 161 drehte der BMW seine Runden und schickte sich an, noch weiter vor zu fahren. Um 06:00 Uhr am Sonntagmorgen war eine Platzierung im Gesamtklassement unter den ersten hundert in Sichtweite. Außer Sichtweite hingegen eine Topplatzierung in der Klasse V2: „Wir haben zuviel Zeit bei der Reparatur verloren.
Jetzt können wir nur noch Schadenbegrenzung betreiben und zuschauen, dass wir so weit als möglich nach vorne kommen." In der Nacht war es, so Rolf Derscheid weiter, extrem schwierig zu fahren gewesen. Insbesondere die Mischverhältnisse zwischen nass und trocken haben keine echte schnelle Runde zugelassen. „Aber," ergänzte Derscheid, „man hat deutlich gemerkt, wer die Strecke kannte und wer nicht."
Recht ereignislos, aber nicht unspannend, verlief das Rennen für das gesamte Team Derscheid. Lediglich die Routinearbeiten wie Fahrer- und Räderwechsel, tanken und Kontrolle der Flüssigkeitsstände waren von Nöten. Dabei hatte die gesamte Mannschaft auch den Wettbewerb im Blick. „
Wir lagen auf Rang vier und hätten nur mit einem Fehler des Drittplatzierten weiter nach vorne kommen können. Aber bei den vor uns liegenden Teams haben auch alle Stopps hervorragend funktioniert und so sind wir weiter auf Rang vier dem Ziel entgegen gefahren." Einstimmiger Tenor der Fahrer: Ab Sonntagvormittag sei wahnsinnig fair gefahren worden. Alle hätten Rücksicht genommen – die Großen auf die Kleinen und umgekehrt.
„Ein wenig enttäuscht waren wir über die Platzierung schon, schließlich lagen wir nach dem Training in aussichtsreicher Position. Für uns ist das 24h-Rennen jedoch eher schmückendes Beiwerk, denn die Konzentration gilt voll und ganz der Langstreckenmeisterschaft. Dennoch hat das Rennen wieder großen Spaß bereitet. Mein Dank gilt den Fahrern, die schnell unterwegs waren und dennoch alles ganz ließen.
Das größte Lob muss ich jedoch meinem Team aussprechen. Die Boxencrew hat erstklassige Arbeit abgeliefert, die Mechaniker haben meisterhaft gearbeitet, Verpflegung und Betreuung sind ohnehin immer Klasse. Selbstverständlich muss ich mich auch bei allen Sponsoren bedanken, ohne deren Unterstützung weder das 24h-Rennen noch die Langstreckenmeisterschaft möglich ist."
- Redaktionsbüro Meuren -