
Mit drei Autos ging Dörr Motorsport zum 35. Internationalen ADAC Zurich 24h-Rennen an den Start. Zwei Fahrzeuge sahen das Ziel und am Ende sprang ein Klassensieg heraus. Trotz des frühen Diesel-Ausfalls blieb die Stimmung im Team gut und alle zitterten dem Klassensieg des „Phantoms" entgegen.
Seit fünf Läufen in der BF-Goodrich Langstreckenmeisterschaft kündigte Dörr Motorsport den Auftritt des „Über-Einser" an. Der Wagen sei mit feinsten Zutaten von BMW-Motorsport ausgestattet und habe einen bärigen Motor hieß es immer wieder vom hessischen Team.
Doch keiner bekam den Wage je zu Gesicht und so machte das Gerücht vom „Phantom" schnell seine Runde im Fahrerlager. Zum 24h-Rennen solle das Phantom an den Start gehen, so das offizielle Statement von Teamchef Rainer Dörr. Er hielt Wort, brachte den bis dahin imaginären Rennwagen auf den Nürburgring und sorgte erneut für Gerüchte. Denn: Schon optisch versprach der Wagen Siegchancen, ohne jemals einen Meter gefahren zu sein.
Aber auch für die anderen Renner von Dörr Motorsport, den BMW 130i und den BMW 120d, rechnete man sich gute Klassenergebnisse aus. Hatten sie bereits in der Langstreckenmeisterschaft ihr Potential eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Auch wenn die Fahrzeuge noch so gut vorbereitet sind – gerade beim 24h-Rennen auf dem Nürburgring und der Nordschleife spielt das Glück eine große Rolle. Nicht nur für Dörr Motorsport, sondern für alle Teilnehmer.
Das Training
Im ersten Zeittraining lief beim Phantom nichts rund. Zwar machten die Komponenten Motor, Fahrwerk, Getriebe und Reifen im Einzelnen einen guten Job, aber zusammen machten sie den Wagen selbst für die versierten Piloten von Dörr Motorsport unfahrbar. Rainer Dörr, Gregor Vogler, Rudi Adams und Arnd Maier hatten mächtig Probleme mit der gesamten Perfomance und so dauerte es lange bis eine gute Runde zustande kam.
Diese Tatsache überraschte nicht wirklich, waren es doch die ersten Schritte des Phantom auf der Rennstrecke. Erst nach und nach bekamen die Spezialisten des Teams die Unzulänglichkeiten in den Griff und beide Trainingssitzungen mussten zu Test- und Einstellzwecken verwendet werden. Dabei kam eine erste, recht passable Zeit heraus: Eine Umrundung der Strecke in 9:36 reichte für Startplatz 31. Doch auch nach dem Training war nicht Schluss für die Crew des Phantom. Mechaniker und Fahrer arbeiteten bis spät in die Nacht an der Verbesserung des Fahrzeuges.
Etwas ruhiger konnte es das Fahrer-Quartett des BMW 130i angehen lassen. Willi Friedrichs, Olaf Hoppelshäuser und Leo Löwenstein erhielten fachkundige Unterstützung von Simon Englerth. In beiden Trainingsläufen lieferte der Profi zahlreiche Informationen die zur Verbesserung des Renners beitrugen und so konnte nach und nach eine für alle angenehme und dennoch schnelle Einstellung gefunden werden. Nur knapp eine Minute langsamer als das Phantom war der „zivile" 130i und konnte mit der Trainingszeit von 10:33 von Startplatz 118 ins Rennen gehen.
Heiko Hahn, Tom Robson und Kristian Vetter bestritten heuer ihr zweites 24h-Rennen und waren entsprechend aufgeregt. Die „Jungen Wilden" erhielten Unterstützung von Doppelstarter Gregor Vogler. Der Seriennahe BMW benötigte die wenigste Aufmerksamkeit, was nicht mit Vernachlässigung gleichzusetzen war. Aber der seriennahe BMW 120d läuft halt seit langem wie ein Uhrwerk und so musste der Wagen nur in Details verändert werden, wie beispielsweise die Anfertigung und Anbringung eines Flaschenhalters. Mit einer Zeit von 10:56 lag man nur etwas mehr als 20 Sekunden hinter dem BMW 130i und trat den Kampf gegen die Nordschleife von Platz 162 an.

Das Rennen – Teil I
Es sollte ein geschichtsträchtiges Jubiläumsrennen werden, was aber zum Zeitpunkt der Startaufstellung noch niemand wusste. Als um 14:30 die Start-Ziel-Gerade geräumt werden musste und sich die Fahrer in ihren Autos auf den Start in die Einführungsrunde konzentrierten, schien über dem Nürburgring die Welt unterzugehen.
Sintflutartig ergoss sich der Regen über die Grand Prix-Strecke, während es an anderen Streckenabschnitten pulvertrocken blieb. Zunächst zumindest, denn das Gewitter erfasste alsbald die gesamte Rennstrecke und sorgte für Überschwemmungen und Erdrutsche auf der Rennstrecke. Die Rennleitung entschloss sich, den Start um zwei knapp zwei Stunden zu verschieben und die Einführung auf zwei Runden auszudehnen. Um 16:51 starteten 220 Rennautos zur 35. Auflage des 24h-Rennen inmitten des riesigen Starterfeldes auch die drei Autos von Dörr Motorsport.
Gregor Vogler wurde von der „Jugend-Gang" als Startfahrer auserkoren und musst die zwei Stunden alleine im BMW120d verbringen. Nach den beiden Einführungsrunden sorgte das bayrische Urgestein Vogler dafür, dass der Diesel weiter nach vorne kam. Zwei Stunden nach dem Start übernahm Heiko Hahn den Diesel und schon nach drei Stunden lag das weiße Auto von Dörr Motorsport auf Platz 96.
Für den dritten Stint durfte sich Kristian Vetter hinters Wildleder-Volant des Diesel setzten. Auch er machte seine Sache gut und der Teamchef war bis dato mit der gezeigten Perfomance zufrieden. Bis 21:49: Genau zu diesem Zeitpunkt brach beim Diesel während der Fahrt durch den Streckenabschnitt Hatzenbach das Heck schlagartig aus. Kristian Vetter versuchte gegen zu lenken um das Auto zu stabilisieren.
Die Versuche scheiterten und so schlug der BMW 120d erst vorne rechts in die Leitplanke ein, drehte sich, schoss quer über die Strecke, schlug vorne links ein, drehte sich erneut, eckte hinten links an und blieb mitten auf der Piste stehen. Nur mit Müh und Not konnte Vetter den havarierten BMW auf den Grünstreifen bewegen.
Als das Fahrzeug von der Streckensicherung im Fahrerlager abgeliefert wurde, war die Diagnose schnell gestellt: Ein Totalschaden an Lenkung und Fahrwerk. Tom Robson hatte mindestens genauso viel Pech wie Kristian Vetter, denn Robson kam überhaupt nicht zum Fahren! Ab sofort unterstützten die drei Fahrer die Mechaniker-Crew und packten an wo es nötig war.
Der BMW 130i wurde von Willi Friedrichs während der Startphase und den folgenden zwei Stunden pilotiert. Auch er konnte innerhalb seines Stint einige Plätze gut machen und den Wagen unbeschädigt an Olaf Hoppelshäuser übergeben. Friedrichs drückte nicht ganz so auf die Tube wie seine Kollegen in der Startphase, was der Teamchef aber wohlwollend abnickte. Schließlich waren nach Friedrichs Turn noch 22 Stunden zu fahren. Nach fünf Stunden hatten Friedrichs – Hoppelshäuser – Löwenstein – Englerth den Wagen auf Platz 90 vorgefahren.
Lediglich in der Nacht gab es eine Schrecksekunde für das Fahrerquartett und die Mechaniker: Simon Englerth hatte unfreiwillig einen Weg durch die Botanik gewählt und dabei die Frontschürze beschädigt. Der Schaden fiel in die Kategorie „Bagatelle" und wurde mit Tape schnell behoben. Englerth indes verstauchte sich die Hand am zurückschlagenden Lenkrad, ließ sich vom Rennarzt untersuchen und verbinden und bekam grünes Licht um das Rennen fortzusetzen. Zwischenzeitlich lag der BMW 130i auf Rang 67.
Das Phantom hatte zweifelsohne die stärkste Fahrerbesetzung. Reifentester Rudi Adams ist auf der Nordschleife zu Hause und kann fast jedes Auto schneller als andere bewegen. Arnd Maier war einige Jahre als Champcar-Fahrer in Amerika unterwegs – einen solchen Job bekommt man nicht wenn man langsam ist. Gregor Vogler fährt ebenfalls alles was einen Motor hat und ist dabei alles andere als langsam.
Rainer Dörr hat ausreichend Erfahrung um den BMW 130i schnell zu bewegen – allerdings war er gesundheitlich nicht ganz auf der Höhe, so dass sich sein Einsatz auf nur zwei Turns beschränkte. Also fuhren Adams – Maier – Vogler durch die stockfinstre Eifelnacht und schoben sich Platz um Platz nach vorne. Von Platz 31 gestartet brannten die Piloten am Lenkrad des gut 400 PS starken BMW ein wahres Feuerwerk ab. Nach drei Stunden Renndistanz wurde der Wagen schon auf Rang 14 geführt. Vier Stunden später fuhr man schon auf Rang 11, nach neun Stunden lag der schwarze BMW auf Platz 10. Und zum Rennabbruch lag das schwarze Kraftpaket schon auf Platz 9.
Rennabbruch? Nach dem großen Regen kam die Sonne zum Vorschein, trocknete die Piste schnell ab und dann begann der Dunst aus den Eifelwäldern aufzusteigen. Immer mehr Nebel zog auf, der die Sicht stetig verschlechterte. Gegen 03:30 entschied die Rennleitung das Rennen zu unterbrechen, denn stellenweise betrug die Sicht weniger als zehn Meter und die Gefährdung der Fahrer wuchst zusehends. Dörr Motorsport parkte seine beiden Autos in der Box und nachdem die Mechaniker die Wagen geprüft hatten, gönnten sich alle eine Portion Schlaf.

Das Rennen - Teil II
Um 09:31 startete das Feld zur dritten Einführungsrunde des 24h-Rennen 2007. Arnd Maier übernahm den Start auf dem Phantom und ließ sich auch durch die vielen Porsche nicht aus der Ruhe bringen. Nachdem das Safety-Car die Strecke verlassen hatte, fuhr der ehemalige Champcar-Fahrer seinen Stint in gewohnt schneller Manier und konnte den sagenhaften Platz halten. Nie darf man vergessen, dass der Wagen sein Debüt feierte und noch nie im Rennen bewegt wurde.
Die zivile Variante des BMW 130i wurde erneut von Willi Friedrichs durch das Startgerangel chauffiert und zwei Stunden über die Eifelachterbahn getrieben. Bis zur Übergabe an Leo Löwenstein konnte Friedrichs zwei Plätze gutmachen, was angesichts der starken Konkurrenz eine beachtliche Leistung darstellt. Löwenstein indes hatte anfänglich eine ruhige Fahrt und kämpfte sich ebenfalls immer weiter vor.
Gestoppt wurde der Unterfranke Löwenstein durch Regen und eine Fehlentscheidung: Aus ein paar Tropfen zur Mittagszeit wurde ein richtiger Wolkenbruch und statt die Box aufzusuchen um Regenreifen zu fassen, fuhr Löwenstein eine weitere Runde um Boden gut zu machen. Dass Slicks und Wasser nicht gut zueinander passen wusste er bereits zu diesem Zeitpunkt – in der Anfahrt zum Streckenabschnitt Hocheichen begann der BMW zu rutschen.
Unlenkbar und in Zeitlupentempo näherte sich das Auto der Leitplanke und schlug ein. Leo Löwenstein hangelte sich mit minimal Geschwindigkeit bis zur Box wo das Schadenausmaß begutachtet wurde. Viel Glück hatte das Team, denn lediglich Kunststoff und Blechteile wurden durch die Rutschpartie beschädigt. In knapp 45 Minuten wurde eine Notreparatur durchgeführt und es entstand ein 1er Modell mit ganz eigenwilliger Optik. Simon Englerth klemmte sich hinters Lenkrad und fuhr das Rennen zu Ende. Trotz der beiden Ausrutscher landete das Team auf Rang 105 was eine mehr als respektable Leistung darstellte.
Das Phantom indes schien mit dem Wettbewerb zu spielen. Mit Rundenzeiten weit unter 10 Minuten konnten sie sich immer weiter vom Wettbewerb absetzen und holten am Ende den Klassensieg mit zwei Runden Vorsprung auf den zweit Platzierten. Eine schier unglaubliche Leistung des gesamten Teams – das Phantom hatte seinen ersten Einsatz mit einem Klassensieg beendet.
Noch unglaublicher die Platzierung in der Gesamtwertung: Auf Rang 10 fuhr der schwarze BMW über die Ziellinie, pilotiert von Rainer Dörr, und ließ damit jede Menge Leistungsfähigere und insbesondere ausgereiftere Fahrzeuge hinter sich. Von außen betrachtet hatte der Wagen sämtlichen Anforderungen getrotzt – im innern allerdings lag einiges im argen. So musst Teamchef Rainer Dörr seinen letzten Stint mit zwei Gängen auskommen, dem dritten und vierten. Besonders bei Fahrten über die Nordschleife eine nicht ganz ungefährliche Angelegenheit, da es einige Passagen gibt die in kleineren Gängen gefahren werden müssen. Am Ende reichte es aber doch.
Trotz des Unfalls und einiger Probleme hatte das Team rund um Rainer Dörr allen Grund zu feiern, was man auch ausgiebig machte und erst einen Tag später die Heimreise antrat.

Stimmen nach dem Rennen
Rainer Dörr, Teamchef, Fahrer # 69
„Alles in allem können wir sehr zufrieden sein. Ich bin froh, dass Kristian Vetter den Unfall unbeschadet überstanden hat. Gleichzeitig hätte ich uns gewünscht mit dem Diesel ordentlich nach vorne zu fahren. Die Kollisionen des 130i können wir unter Rennunfall verbuchen und sind nicht schlimm.
Das Quartett hat die Zielflagge gesehen, was vielen in diesem Jahr nicht vergönnt war. Die Leistung des Phantom stellt natürlich alles andere ein wenig in den Schatten. Dass der Wagen derart gut geht hätte ich nicht gedacht. Noch weniger hätten wir gedacht, dass er so problemlos läuft – gehofft schon!
Wir sind froh und stolz über die von uns allen erbrachte Leistung und in erster Linie bedanke ich mich bei allen Mechanikern und Helfern des Teams. Natürlich auch bei unserem Hauptsponsor Pirelli, der mit Material, Rat und Tat zur Seite stand. Wir werden nun die Schäden am Diesel und 130i beheben, damit die Wagen zum nächsten VLN-Lauf wieder fit sind.
Mein letzter Turn war alles andere als lustig. Nur mit dem dritten und vierten Gang bewaffnet musste ich meine Runden drehen. Gerade an Stellen wie Wehrseifen wünscht man sich doch den zweiten Gang – wer hier zu schnell ist, fliegt auch schnell ab.
Was den Rennverlauf angeht, so muss ich sagen noch nie ein derartiges Chaos erlebt zu haben. Startverschiebung und Rennunterbrechung – das gab’s bisher wohl noch nie zusammen. Für einige Teams kam die Unterbrechung wohl zu spät, was mir leid tut. Wir hatten Glück und sind ohne Probleme durch den Nebel gefahren, wobei die Besonnenheit der Fahrer eine große Rolle spielt. Überhaupt haben alle Fahrer einen tadellosen Job abgeliefert."
Jörg Ullmann, Chefmechaniker
„Auch wenn wir einige Probleme mit dem Phantom hatten – die Nachtarbeit am Donnerstag und Freitag hat sich rentiert. Dass wir dabei gleich den Klassensieg einfahren und am Ende auf Rang zehn der Gesamtwertung lagen ist nicht hoch genug einzustufen. Die anderen Fahrer brauchen sich keinesfalls zu verstecken. Auch sie sind prima gefahren und der Ausrutscher von Kristian Vetter verlief sehr unglücklich. Wir werden jetzt analysieren, warum der 120d urplötzlich ausgebrochen ist."
Willi Friedrichs, Leo Löwenstein, Simon Englerth, Olaf Hoppelshäuser, Fahrer, #67
„Der Wagen war sehr gut vorbereitet: Motor, Getriebe, Fahrwerk, Räder und Reifen erledigten ihre Aufgabe ohne Beanstandung. Das Team Dörr Motorsport hat wieder mal viel in den Wagen investiert, was sich ausgezahlt hat. Die beiden Abflüge waren nicht unbedingt erforderlich, aber im Rennbetrieb eben möglich. Dass jetzt die Mechaniker wieder was zu tun haben tut uns leid, auch wir wären gerne ohne Reparaturpause durchgefahren. Abbruch und Startverschiebung – beides geht in Ordnung, schließlich fahren hier Menschen die zu Schaden kommen können. Ein Dank an alle Helfer und Mechaniker, ohne die wir kein so grandioses Rennen erlebt hätten."
Arnd Maier, Gregor Vogler, Rudi Adams, Rainer Dörr, Fahrer #69
„Klasse, gigantisch, Wahnsinn - erstes Rennen, Klassensieg und unter den Top 10. Ähnlich lief es im letzten Jahr. Auch dort sind wir mit einem jungfräulichen Auto an den Start gegangen und auf Anhieb siebter geworden. Jörg Uhlmann und seine Leute haben erstklassige Arbeit geleistet. Bis auf wenig Kleinigkeiten ist der Wagen eine Wucht. Getriebe und Fahrwerk müssen noch überarbeitet werden, dann dürfte es weiter vorwärts gehen. Wir bedanken uns bei allen Helfern und bei Pirelli."

Heiko Hahn, Kristian Vetter, Tom Robson, Gregor Vogler, Fahrer, #268
„Gerne hätten wir die Zielflagge gesehen, aber hat nicht sollen sein. Das ist Rennsport: Wer hier antritt weiß, dass ein Un- und Ausfall immer möglich ist. Dass bei beiden Einschlägen direkt das jeweilige Rad getroffen wurde ist doppelt ärgerlich. Die Reparaturdauer wäre zu groß gewesen, denn letztendlich war zuviel kaputt. Wir hoffen, mit unserer anschließenden Unterstützung der Mechaniker den beiden anderen Autos geholfen zu haben. Jungs, ihr habt beide eine großartige Show geliefert."
Redaktionsbüro Meuren
Fotos: Dirk Reiter / Redaktionsbüro Meuren