Tess-Racing, 36. internationals ADAC Zürich 24h-Rennen 2008
Fahrer, Mechaniker und Helfer von Tess Racing waren zu Beginn des 36. internationalen ADAC Zürich 24h-Rennen zufrieden. Doch Rammstöße im Training durch den späteren Gesamtsieger und nachlassende Technik bremsten die Euphorie immer wieder ein. Völlig verschont von Ärger und Strapazen blieb die Stimmung: Die war wie immer gut beim kleinen aber feinen Motorsportteam Tess-Racing.
„Wir fuhren in beiden Trainingsläufen pro Fahrer nur drei Runden, um das Fahrzeug zu schonen. Denn was passieren kann, erlebten wir bereits im Morgentraining," schilderten die drei Fahrer von Tess Racing Stefan Schmelter/Leichlingen, Andreas Telker/Marl und Peter Wichmann/Wuppertal.
Was das Team erlebte, erklärte Frank Schmelter-Sonneborn, Teamchef von Tess- Racing: „Wir waren gut unterwegs, sind wie immer umsichtig gefahren, um unser Auto ganz zu lassen. Beim 24h-Rennen fährt man eigentlich zwei Rennen: das in der Klasse und das im Gesamtfeld. Wir mit unserem verhältnismäßig kleinen Auto müssen immer nach hinten schauen und auf die großen „Jungs" achten.
Leider achten die manchmal nicht auf uns und der diesjährige Gesamtsieger, der uns schon im letzten Jahr abgeschossen hat, versetzte uns im Training einen ziemlich heftigen Rammstoß. Völlig unnötig, denn an dieser Stelle kann kein Mensch überholen und nur wenige Meter später hätten wir ohnehin Platz gemacht. Wir können von Glück reden, dass nicht mehr passiert ist."
Dass über Speed mit einem Serienfahrzeug beim Rennen nichts zu machen sei, erklärte Technikchef und Fahrer Andreas Telker schon im Vorfeld des Rennens. „Wir konnten," so die Ergänzung, „nur nach vorne kommen mit Konstanz und Präzision. Wir hatten schon ein paar Spezialteile eingekauft und verbaut, die in der Standfestigkeit dem Serienmaterial überlegen sind. Doch auch die Spezialteile stießen an ihre Grenzen, wie sich im Rennen herausstellte." Der Opel Astra Caravan beendete das Training als 169ter in der Gesamtwertung und 11ter der Klasse SP3 – das war auch der Startplatz für die Startaufstellung am Samstag.
Scheibe, Riemen, Halter
Der Start verlief für Außenstehende recht unspektakulär, für das Team Tess Racing war es einer der Höhepunkte. Startfahrer Andreas Telker hielt sich zwar aus allen Rangeleien raus, gab dafür um so mehr Gas und wurde im Ranking nach einer Stunde bereits auf Rang 148 geführt, und um 18:00 drehte der Opel auf Platz 131 munter seine Kreise um die Nürburg.
Das Geheimnis des Erfolges erklärte Teamchef Schmelter-Sonneborn später so: „Unsere Fahrer bremsten früher und hielten so das Material lange am Leben. Wir hofften, keinen Rammstoß zu bekommen und waren überzeugt, mit der Strategie weit nach vorne zu fahren. Die Strategie schien aufzugehen, denn nach fünf Stunden Renndistanz fuhr der Astra Caravan auf Rang 114 und man schielte schon auf die Platzierungen unter hundert. Vor Mitternacht begann die Technik müde zu werden: Andreas Telker meldete Probleme mit der Kupplung, die nicht mehr trennte.
Bei einem gut 30 minütigen Boxenaufenthalt tauschten die Mechaniker Geber- und Nehmerzylinder der Kupplung und schickten den Astra wieder auf die Reise. Diese endete alsbald erneut in der Box. „Trotz des Zylindertauschs verweigerte die Kupplung beharrlich ihren Dienst ," so Frank Schmelter-Sonneborn, „auf dem Weg der Fehlersuche stellten wir fest, dass der Kupplungskorb an vier von sechs Befestigungspunkten gebrochen war. Das teure Spezialteil war somit Schrott und wir mussten auf ein Bauteil aus der Serienproduktion zurückgreifen."
Insgesamt stand der Renn-Caravan über 2,5 Stunden in der Box, ehe er zurück auf die Piste konnte. Dadurch wurde er in der Gesamtwertung stetig nach hinten durchgereicht: Um 02:00 Uhr war man wieder auf Rang 171 angekommen und in der Klasse SP3 weit abgeschlagen. Erst dann fanden die Fahrer wieder in ihre Routine und kämpften sich wieder nach vorne. Zum Sonnenaufgang fuhr der Astra auf Platz 161 und jeder bei Tess Racing wusste: „Wir fuhren nur noch für die Galerie und die Fans."
Schritt für Schritt ging es dann doch noch weiter vor: Um 08:00 war man auf Rang 153 und um 10:00 Uhr auf Rang 148 angekommen. Doch vorm offiziellen Ende standen weitere ungewollte Reparaturpausen auf dem Programm. Zuerst drehte sich der Antriebsriemen der Lichtmaschine, so dass diese keine Energie mehr liefern konnte. Die Standzeit zur Reparatur betrug gut 25 Minuten.
Durch die Reparatur war der Halter des Generators beschädigt worden, was sich aber erst später bemerkbar machte. Andreas Telker: „Der Halter war eine Eigenkonstruktion, die nie Schwächen zeigte, aber just heute brach. Wir schweißten den Halter kurzfristig, wohlwissend, dass wir nur noch ein paar Stunden zu fahren hatten."
Kurz nach Mittag lag der familientaugliche Rennkombi auf Platz 141 der Gesamtwertung. Dass es am Ende für den 127. Platz im gesamten Feld reichte, lag an den Umständen des Rennens. Schmelter-Sonneborn erklärte: „Zum Rennende sind viele Autos ausgefallen, was für die Teams sehr bedauerlich ist. Überdies mussten zahlreiche Autos die Box ansteuern, um zu tanken – wir konnten nach dem letzten Fahrerwechsel durchfahren und somit Boden gutmachen."
Am Ende gewann das Rennen ein Porsche mit 45 Runden Vorsprung auf den Astra Caravan von Tess Racing. Dennoch spulte der Blitz-Renner 103 Runden ab und brachte mehr als 2.500 Kilometer im Renntempo hinter sich. Frank Schmelter-Sonneborn: „Zum Schluss bedanke ich mich noch einmal bei allen Helfern und Sponsoren, ohne deren Unterstützung die ganze Aktion nicht möglich gewesen wäre. Ab jetzt gilt unser Engagement wieder der Rundstrecken Challenge Nürburgring und dem 6h-Rennen im Herbst diesen Jahres."
- Redaktionsbüro Meuren-
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