24h-Rennen Nürburgring 2008

Im Allgemeinen gilt ein Caravan als Lastesel, der sich besonders für Ausflüge mit Familie eignet. Der Opel Astra Caravan von Stefan Schmelter & Co. jedoch ist für die eigentliche Aufgabe mittlerweile völlig ungeeignet: Er wurde zum Rennauto umfunktioniert und wird in diesem Jahr beim 24h-Rennen auf dem Nürburgring zum dritten Mal antreten.
Mit mehr als 20 freiwilligen Helferinnen und Helfern bricht Tess-Racing (Marl / Leverkusen) auch in diesem Jahr zum Nürburgring auf, um am größten und härtesten Langstreckenrennen der Welt am 24. und 25. Mai teilzunehmen. „Seit elf Jahren ist das 24h-Rennen fester Bestandteil in unserem Terminkalender," erklären Frank Schmelter-Sonneborn und Thomas Telker, Teamchefs von Tess- Racing, „doch bis zum langersehnten Startschuss ist es Jahr für Jahr ein hartes Stück Arbeit." Die beginnt für die Männer und Frauen von Tess-Racing schon nach dem Zieleinlauf mit der Suche nach Sponsoren.
Das Wichtigste im Rennsport ist bei Tess leider häufig Mangelware: Geld. Frank Schmelter-Sonneborn: „Als kleines privates Rennteam zahlen wir einen großen Teil der finanziellen Belastungen aus eigener Tasche. In diesem Jahr konnten wir einige Sponsoren gewinnen, die uns finanziell und materiell unterstützen. Die Firmen Breidbach, SUT, MOTOO mit Autoteile Hofacker standen uns in diesem Jahr zur Seite.
Mit der Suche nach Unterstützung ist eigentlich die Hauptarbeit bereits geleistet." Erst wenn der Finanzplan steht, beginnen die Mechaniker mit der Vorbereitung des Wagens, sortieren, bestellen und verräumen Ersatzteile und checken jeden einzelnen Schraubenschlüssel im Materialwagen. Währenddessen feilen die Fahrer unter der Leitung des Teamchefs an der Strategie, und die Frauen überlegen, wie und womit sie die vielen hungrigen Münder während der Veranstaltung stopfen wollen.
Alle Vorbereitungen für die Teilnahme am 24h-Rennen 2008 liefen jedoch etwas anders. Grund: Nach heftiger Kaltverformung der Karosserie durch einen Rennunfall in der Saison 2007 war der Astra reif für die Presse, und das Team musste unter Leitung des Technikchefs Thomas Telker ein neues Rennfahrzeug aufbauen. „Insgesamt investierten wir rund vier Monate Arbeitszeit, gedauert hat das Projekt jedoch wesentlich länger," erläutert der Techniker und ergänzt:
„Wir mussten 30.000 Euro in den Aufbau investieren – eine Menge Geld für ein privates Rennteam." Hinzu kämen für das 24h-Rennen, so rechnet Frank Schmelter-Sonneborn mit seinem Teamkollegen weiter vor, sieben Satz Reifen für Training und Rennen, Öl und Verbrauchsstoffe, Ersatzteile, Verpflegung, Unterkunft und Kraftstoff für Rennauto und Transporter. „In der Summe kostet uns das Rennen mehr als 20.000 Euro."
Ziel klar im Blick
Neben dem 24h-Rennen, welches zweifelsfrei der Saisonhöhepunkt ist, stellt sich Tess-Racing in der RCN-Meisterschaft dem direkten Wettbewerb. Insgesamt zehn Rennen sind in der Meisterschaft zu bestreiten, überdies geht das Team auch beim 6h-Rennen im Rahmen der BF-Goodrich Langstreckenmeisterschaft an den Start. „Ein voller Terminkalender, bei dem wenig Zeit für anderes bleibt und häufig der Stress überwiegt. Am Ende vergisst man jedoch alle Plackerei und erinnert sich nur an die schönen Momente."
So zum Beispiel, als 2002 in der letzten Runde des 24h-Rennen ein deutlich stärkeres Auto vor dem damals von Tess-Racing eingesetzten Opel Kadett GSI durch technischen Defekt zum Stillstand kam. Der Opel-Schlussfahrer setzte sich kurzerhand hinter den BMW und schob ihn eine halbe Runde – bis ins Ziel. Beide Autos kamen dadurch sowohl in die Wertung als auch in die Zeitung. Zu den größten Erfolgen von Tess-Racing zählen zweifellos die Jahre 1999 und 2000, als man mit einem NSU TT in der Klasse SP2 antrat. Der Wagen mit 1300 ccm und 115 PS überlebte die Tortur am Stück und konnte sich dadurch vor vielen weitaus stärker motorisierten Kontrahenten platzieren.

„In diesem Jahr gehen wir mit einem „quasi" neuen Auto an den Start. In der Klasse SP3 bis 2 Liter Hubraum wollen wir ein Wort um die Platzierungen mtreden. Die Konkurrenz ist stark und zahlreich, dennoch glauben wir, weit vorne landen zu können. Ein Platz unter den ersten 60 ist durchaus greifbar." Was die Truppe so zuversichtlich macht ist die Haltbarkeit des über 230 PS starken Astra Kombi.
Lediglich zwei Ausfälle musste Tess-Racing in zehn Jahren 24h-Rennen hinnehmen, ein Beweis für gewissenhafte Vorbereitung und Stabilität des Autos. „Unser Auto ist nicht nur mit gutem Material, sondern auch mit viel Herzblut aufgebaut worden. Alle Teammitglieder erledigen ihren Job unentgeltlich und freiwillig. Das schweißt zusammen und steigert das Engagement," erklärt Frank Schmelter-Sonneborn.
Übrigens: Stefan Schmelter, Andreas Telker und Peter Wichmann sind die Männer hinterm Volant. Das DSF überträgt wieder mehrere Stunden live von der Nordschleife, und mit ein bisschen Glück erhascht man einen Blick auf den Astra während der Arbeit. Die Tess-Truppe beweist, dass man mit dem Kombi nicht nur Material transportieren und in Urlaub fahren, sondern im Rennsport vorne mit dabei sein kann.
- Redaktionsbüro Meuren- auch Photos
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