
Nach ca. 1000 km Anreise erwartete uns eine interessante Rennstrecke, mit einigen Doppelkurven bzw. Kurvenkombinationen, die nach viel Training verlangte. Ein freies Training war für 17.50 Uhr angesetzt.
Gegen 15.00 Uhr setzten sich die Fahrer eines benachbarten englischen Teams allerdings schon die Helme auf, um ein erstes Mal zu trainieren. Wie ? jetzt ! warum, woher ? Oh nö – zu spät für uns, da keine Vorbereitungen getroffen waren. So mussten ein freies und das offizielle Training ausreichen, um den trickreichen Kurs kennen zu lernen. Die französischen CSR Piloten spielten Ihren Heimvorteil schon jetzt gnadenlos aus, und ließen uns in manchen Passagen richtig „alt" aussehen.
Getreu nach dem Motto, die schwierigste Kurve zuerst, versuchte ich eine schnelle Linie zu finden und fügte Passage für Passage dem erlernten hinzu. Besondere Aufmerksamkeit gebühren immer Kurven, denen eine längere Gerade folgt.
Nirgends kann man mehr Zeit gewinnen, aber bei Fehlern auch verlieren. Nach einigen Runden und deutlich gesteigertem Tempo, kam erneut die Rechtskurve vor Start und Ziel für die der 2. Gang zu kurz und der 3. Gang zu lang war.
Mit dem optimistischen Vorhaben – ultra spät zu bremsen- musste ich feststellen, dass das vorausfahrende Fahrzeug extrem langsam unterwegs war, mir nur noch der Notausgang ins Kiesbett blieb, um zwei Totalschäden zu vermeiden. Der Speed war so hoch, dass das Kiesbett nicht schaffte, das Auto wirklich zu bremsen. So fuhr ich in einem weichen, großen Bogen durch den Kies wieder auf die Start und Zielgerade, um mich hier den aufgenommen Steinen zu entledigen.
Mit der Erkenntnis, dass die 30 minütige Trainingssession auf keinen Fall reichte, um die aus 9 Rechts- und 5 Linkskurven bestehende Rennstrecke zu beherrschen, musste das folgende Qualifying weitere Erkenntnisse bringen.

Fahrwerksänderungen nach dem Lauf in Hockenheim, in Form von weicheren Federn, machten unseren CSR deutlich beherrschbarer und auch gutmütiger. Weitere Versuche mit anderen Stabilisatoren und Radlastwerten wurden nicht unternommen, da zunächst die immer noch mangelnde Streckenkenntnis im Vordergrund stand.
Die ersten offiziellen Zeiten mit 1.50 min zeigten wieder den 2 Sek. Abstand zur Spitze. Aber immerhin mit einer Trainingssitzung weniger. Die Hoffnung stirbt immer zuletzt.
Das Qualifying für uns eigentlich mehr ein zweites Training, zeigte mit einem Zeiten-Sprung von 2 Sek. auf 1.48 min wie wichtig die Streckenkenntnis ist.
Der Startvorgang zum ersten Rennen wurde extrem verzögert. Bis die rote Ampel ausgeschaltet wurde hatte ich beschleunigt, gebremst erneut beschleunigt und noch einmal abgebremst, um einen Frühstart zu vermeiden.
Die Caterham C 400 hangelten sich rechts und links in die Lücken, um in spektakulären Parallel- Drift´s in die erste Rechtskurve einzufliegen. Kaum zu glauben, wie die in einem Pulk von vier Fahrzeugen, mit ständigen Berührungen kämpfenden Fahrern, Kurve für Kurve meistern. Jeder Betrachter denkt ganz sicher, die nächste Kurve ist die Letzte.

Eigentlich schade diese Fights am Limit zu stören. Die C 400 sind Leistungsmäßig zwar unterlegen, dafür aber auch leichter. Die wilde Bande am Stück zu überholen ist annähernd unmöglich. So bleibt nur, einen nach dem anderen von der Meute zu trennen und zu überholen.
Bei vier Fahrzeugen gestaltete sich diese Prozedur über ca. 5 – 6 Runden , um dann festzustellen, dass die Teilnehmer aus der eigenen Klasse längst entschwunden sind. Der Startvorgang und die erste Rechtskurve entpuppen sich noch mehr - als auf anderen Rennstrecken- als Schlüsselstelle. Die sich zuziehende 180 ° Kurve verlangt eine Ideallinie, die nur genutzt werden darf, wenn diese ohne Bedrängnis gefahren werden kann.
Im Zweikampf nutzt der Gegner die offene Innenlinie und lässt einen selbst eiskalt aussteigen. Das Gleiche gilt für zwei ähnliche ausgelegte Kurven im Mittelteil der Strecke. Fazit für das Rennen in Val de Vienne: Um einen weiteren Schritt nach vorn zu machen, bedarf es einer noch früheren Anreise, zumindest wenn es auf eine unbekannte Rennstrecke geht. Über eine weitere Feinabstimmung des Fahrwerks und mehr Fahrpraxis werden wir der Spitze zehntel für zehntel abknöpfen.
Ein auf der Rennstrecke eingebautes Teil zur Pedalwegbegrenzung führte zu einer nicht sauber trennenden Kupplung im Qualifying. Ein heftiger Anstoß auf die empfindlichen Radträger hinten, führte schon in einem der freien Trainings zu einem frühen Abbruch. Wichtige Trainingsrunden ohne Druck gingen verloren.

Eine plötzlich undichte Ölwanne bescherte uns eine überraschende Nachtschicht. Nach Umbau der Fahrwerksfedern musste der CSR dringend auf eine Radlastwaage. Das damit beauftragte Team reiste leider zu spät an, so dass zu dieser wichtigen Abstimmung keine Zeit blieb. Auf ein Neues in Donington Park.
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- Thomas Klein - auch Photos