
In der kommenden Woche startet die internationale Rallye-Elite beim WM-Lauf in Deutschland. Mittendrin: Der Saarland Youngster Patrick Anglade mit seinem Opel Astra GTC tdci. Für ihn ist es das zweite Mal, dass er in Wertung bei der Veranstaltung rund um Trier startet. Im Interview gibt er einen Einblick in sein Leben als Rallyefahrer, seine Gefühlslage vor dem Saisonhighlight und erklärt, warum für ihn der Spaß am Rallyefahren eine wichtige Rolle spielt.
Patrick, die HJS Diesel Rallye Masters, in der du normalerweise startest, ist in der Sommerpause. Was machst du, damit du trotzdem top auf den WM-Lauf in Deutschland vorbereitet bist?
P.A.: Ich habe die Sommerpause genutzt, um testen zu gehen. Ich habe viel mit Horst Rotter zusammengearbeitet und wir haben versucht, den Astra optimal vorzubereiten. Für mich ist das eine tolle Gelegenheit, mich auch als Fahrer weiterzuentwickeln. Horst hat bereits jede Menge Erfahrung gesammelt - das ist für mich immer positiv.
Außerdem bin ich die Rallye Lebacher Land gefahren, einfach um ein paar weitere WP-Kilometer gefahren zu sein und nebenbei läuft mein mittlerweile ganz normales Fitnessprogramm: Ich gehe jeden zweiten Tag ins Fitnessstudio und jogge.
Insgesamt gehen in der Diesel-Klasse 4 Teams an den Start - u.a. sehr erfahrene Piloten wir Armin Holz. Letztes Jahr warst du schnellster Diesel-Fahrer. Wie schätzt du deine Chancen ein?
P.A: Jeder weiß, dass so ein Tag bei einem WM-Lauf unheimlich lang werden kann. Ich habe mir vorgenommen, das Auto heil ins Ziel zu bringen und dann werden wir sehen, was dabei herauskommt.
Es kann so viel passieren und wenn man versucht, fehlerfrei zu fahren, dann ist man am Ende vielleicht sogar schon vorne dabei. Das ist natürlich nichts Neues und gerade die erfahrenen Piloten wie Armin Holz wissen das ganz genau, aber ich denke, dass wir auch ohne volles Risiko nicht allzu langsam sind und es hoffentlich für eine gute Platzierung reichen wird.
Was ist es für ein Gefühl bei einem WM-Lauf zu starten, der auch noch mit einigen WPs fast an der eigenen Haustür vorbeiführt?
P.A.: Das ist eine ganz große Sache für mich. Schließlich stand ich vor drei Jahren noch selbst an den Strecken und habe die Leute bewundert, die jetzt mit mir zusammen bei der gleichen Veranstaltung starten. Aber daran darf ich gar nicht so oft denken, denn dann kommt sofort die Nervosität auf...
Wie viel bekommt denn ein Pilot von den Zuschauermengen an der Strecke überhaupt mit?
P.A.: Ich kenne die Atmosphäre eines WM-Laufes bislang nur von der Deutschland Rallye und da kommt es auf die WP an. In den Weinbergen sieht man generell gar nichts außer den Weinreben und der Straße im besten Fall. Aber auf der Panzerplatte habe ich im letzten Jahr unheimlich viele Zuschauer gesehen.
Beeinflusst das dein Fahren?
P.A.: Erwischt. Ich muss zugeben, dass ich mich im letzten Jahr dazu habe hinreißen lassen, auf der Panzerplatte mal zu hupen und zu winken und ein bisschen Show zu machen.
Die Quittung dafür bekam ich aber sofort im Ziel: Die Zeit war nicht wirklich gut. Aber es geht ja auch anders. Schnell und spektakulär, das habe ich mir vorgenommen, denn das macht auch dem Fahrer am meisten Spaß.
Du giltst als eines der großen Nachwuchs-Talente in Deutschland. Wie groß ist der Druck, der bei deinem ersten internationalen Auftritt 2008 auf dir lastet und wie gehst du damit um?
P.A.: Noch spüre ich keinen Druck. Meine Erfahrung aus diesem Jahr ist, dass ich mir selbst großen Druck mache. Die Leute um mich herum haben mir den einen oder anderen Fehler verziehen, aber ich bin sehr selbstkritisch und ärgere mich wahrscheinlich selbst am meisten darüber.
Außerdem habe ich mit dem Rallyefahren begonnen, weil es mir großen Spaß macht. Und es macht mir auch jetzt noch unglaublich viel Spaß.
Das Beste daran ist, dass ich immer dann am schnellsten bin, wenn ich mit Feuereifer und gut gelaunt bei der Sache bin. Dann sind die Zeiten gut, das hebt die Laune, dann bin ich wieder schnell – das ist ein richtig guter Kreislauf. Aber aufgeregt bin ich natürlich schon.
Am meisten aber komischerweise auf der Startrampe, wenn an der Porta Nigra der Vorhang fällt und wir vorgestellt werden. Am Start der WPs bin ich immer ganz ruhig und konzentriert. Da habe ich gar keine Zeit, um aufgeregt zu sein.
Es ist dein 3. Auftritt beim WM-Lauf. Ist das zukunftsweisend? Wo siehst du dich in 5 Jahren?
P.A.: Eine schwierige Frage. Ich würde natürlich sofort „ja" sagen, wenn mir jemand ein Cockpit in der WM anbieten würde, aber so weit ist es noch nicht. Und im Rallyesport ist es leider auch wie in vielen anderen Sportarten: Nicht allein das Talent entscheidet, sondern auch das Finanzielle spielt eine große Rolle.
Aber mein Ziel kann es nur sein, irgendwann mal in einem WRC (World Rally Car) zu fahren. Im kommenden Jahr möchte ich mich auch weiterentwickeln. Es ist jetzt mein zweites Jahr mit dem Diesel und ich würde gern ein stärkeres Auto fahren. Die Super2000 sind im Kommen und es fahren jetzt schon viele in der IRC (International Rallye Challenge) – vielleicht ist das der richtige Weg für die Zukunft.

So ein Einsatz beim WM-Lauf ist teuer. Wie finanzierst du dein außergewöhnliches Hobby? Kann man es noch als Hobby bezeichnen?
Rallye ist nicht nur ein Hobby, Rallye ist momentan mein Leben. Es ist das erste, an das ich denke, wenn ich aufwache und das letzte, woran ich vor dem Einschlafen denke. Ich habe im Moment gar keine Zeit für etwas Anderes.
Außer für meinen Zivildienst, für den ich mir Zeit nehmen muss, denn der ist momentan meine einzige Einnahmequelle. Dass ich dieses Jahr Rallye fahren kann, verdanke ich einzig und allein meinen Sponsoren und Partnern. Ich bin auf deren finanzielle Unterstützung angewiesen und versuche, ihnen durch gute Leistung etwas zurückzugeben.
Wie schwierig ist es für einen jungen Mann Anfang 20 an ausreichend Sponsorengelder zu kommen?
P.A.: Das ist ein sehr schwieriges Unterfangen. Ich hatte großes Glück, dass Rainer Bastuck mich unterstützt. Durch ihn sind viele Kontakte zur Industrie entstanden. So langsam haben wir ein richtig gut funktionierendes Netzwerk aufgebaut und ich hoffe, dass das eine gute Grundlage ist, um gemeinsam noch die eine oder andere Rallye-Saison zu bestreiten.
Am Freitag, den 15. August 2008, startet für Patrick Anglade der zweite WM-Lauf in seiner jungen Karriere. Ganz besonders freut er sich auf die Moselprüfungen und die Strecken im Saarland, die er auch für das Zuschauen empfiehlt.
„Wenn man dort seinen Rhythmus findet, sind das tolle, aber sehr schwierige Strecken. Allerdings darf man sich keinen „Ausrutscher" erlauben, denn dann ist die Rallye schnell vorbei. Allerhöchste Konzentration ist angesagt. Für die Zuschauer ideale WPs zum Zuschauen. Spannung ist dort garantiert!"
- Katharina Brüggmann- auch Photos -