6. und 7. Lauf beim ADAC/RSG-Hansa-Pokal Assen, 18.-20.07.2008
Die Rückkehr des ehemaligen DPM-Meisters und Procar-Vizemeister Mathias Schläppi hätte kaum spektakulärer ausfallen können. Dabei kamen ihm allerdings die widrigen Witterungsverhältnisse mit wolkenbruchartigen Regenfällen, die bei der vierten Veranstaltung der ADAC Procar auf dem TT-Circuit in Assen das ganze Wochenende über herrschten, entgegen.
Besonders im zweiten Rennen sorgte er für die Überraschung des Tages, in dem er im Renault Clio RS III als Gesamtsieger der Division 1 die Ziellinie überquerte. Damit wurden ihm gleich drei Pokale überreicht - jeweils einen für Gesamtsieg, Klassensieg und Teamerfolg.
Doch auch der Kampf um Platz zwei war der reinste Krimi. Philip Geipel im Toyota Corolla T-Sport rettete auf der abtrocknenden Fahrbahn auf Regenreifen seine zweite Position mit nur knappen 0,041 Sekunden Vorsprung ins Ziel vor Franz Engstler im BMW 320i, der direkt nach der Einführungsrunde auf Slicks wechselte und den Zuschauern eine sehenswerte Aufholjagd bot. Engstler hatte zuvor unter Regenbe-dingungen das erste Rennen als Sieger vor Geipel und seinem Team- und Marken-kollengen César Campanico beenden können.
Bei den 1600-Kubik-Flitzern waren die drei Ford-Fiesta-ST-Piloten Christopher Mies, Andrii Kruglik und Benedikt Boeckels das Maß aller Dinge. Nachdem sich Mies den Sieg im ersten Lauf vor Kruglik holte, musste er sich wegen eines Querstehers in der Schikane im zweiten Lauf Kruglik geschlagen geben.
Boeckels wurde in beiden Läufen Dritter. In der Diesel-Divison endete das Rennwochenende mit einer Punkteteilung. Uwe Reich dominierte im Alfa Romeo 147 JTD im ersten Rennen und Erwin Lukas konnte den zweiten Lauf mit seinem Opel Astra GTC CDTI zu seinen Gunsten entscheiden.
Division 1: Überraschungssieg dank richtiger Strategie
Dass die Renault Clio bei Regen in der Lage sind in Podestnähe zu fahren, haben die Rennen in Hockenheim bereits bewiesen. Allerdings hätte wohl niemand damit gerechnet, dass es einmal ein Clio-Pilot bis aufs oberste Treppchen schaffen könnte.
Mathias Schläppi gelang dieses Kunststück gleich bei seinem ersten Saisonstart. Er verließ sich im zweiten Lauf auf die digitalen Wetterdaten und nicht auf den Blick in den Himmel und lag damit goldrichtig. "Mit solch einem Erfolg bei meiner Rückkehr in die Procar habe ich natürlich nicht gerechnet", berichtete der überglückliche Schweizer. "Unsere Strategie, nach dem ersten Rennen auf Slicks zu wechseln, ging voll auf."
Im ersten Rennen hatten jedoch noch die Super-2000-Fahrzeuge klar die Nase vorn. Wie erwartet setzten sich beim Start die heckgetriebenen BMW 320i E46 von Franz Engstler und Cesar Campaniço gegen die Fronttriebler von Philip Geipel (Toyota Corolla T-Sport) und Peter Rikli (Honda Accord 2.0) durch. Während sich der Pole-Mann Geipel in der zweiten Runde auf Platz zwei vorarbeitete musste Rikli, der letzte Woche seinen 39. Geburtstag feierte, in der ersten Runde aufgeben.
"Als ich drei nebeneinander fahrenden Clios ausweichen wollte, traf ich mit dem Vorderrad eine tiefe Kuhle auf der Wiese, wodurch die Aufhängung beschädigt wurde. Die Reparaturpause reichte leider nicht aus, um den Schaden zu beheben", erklärte der enttäuschte Schweizer, der bereits auf dem Hockenheimring vom Pech verfolgt wurde. Am Ende siegte Engstler vor Geipel und Campaniço.
Alle drei blieben für das zweite Rennen auf Regenreifen, während Clio-Pilot Schläppi auf Slicks zur zweiten Startaufstellung erschien. In der Einführungsrunde sprachen die Streckenverhältnisse für sich und die beiden BMW von Engstler und Campanico bogen sofort in die Boxengasse zum Reifenwechsel ein. Geipel blieb auf Regenreifen draußen. "Ich hatte in dieser Situation keine andere Chance.
Ich musste einen größtmöglichen Vorsprung herausfahren, da die Zeit gegen mich arbeitete. Franz war der Fuchs und ich der Hase. Glücklicherweise war heute der Hase schneller," berichtete der Leubnitzer schmunzelnd, der damit seinen Tabellenvorsprung auf 34 Zähler ausbauen konnte.
Engstler sorgte mit seiner Aufholjagd für Spannung im zweiten Lauf, welcher mit einem Fotofinish seinen Höhepunkt fand. "Der Reifenwechsel hat leider länger gedauert als erwartet. Ich habe zwar gepusht so gut es ging, doch leider hat es am Ende nicht ganz gereicht", erklärte der Wiggensbacher. César Campaniço, der im ersten Rennen noch Dritter wurde, konnte das Tempo von Engstler nicht mitgehen:
"Alles war hier neu für mich und der E46 ist dem E92, den ich in der portugiesischen Meisterschaft fahre, zwar ähnlich aber eben nicht gleich. Es war trotzdem eine interessante Erfahrung hier zu starten." Wer sich auf den Mercedes C200 vom Tabellenzweiten Jens-Guido Weimann gefreut hatte, wurde leider enttäuscht. Dieser befand sich nach einem Getriebeschaden im freien Training bereits auf der Heimreise, als in Assen das Rennen gestartet wurde.
Dass Mathias Schläppi als Gesamtsieger auch Gewinner der Klasse 2 wurde, erklärt sich von selbst. Mit seinem Doppelsieg bei den Clios sorgte er gleich beim Wiedereinstieg in die ADAC Procar für ein Achtungszeichen.
An der Spitze der Tabelle gab es keine nennenswerten Veränderungen, da die beiden Führenden Andreas Kast und Marc-Uwe von Niesewand jeweils einmal Zweiter und einmal Dritter in den beiden Rennen wurden.
"Mit dem Ausbau meiner Führung hat es hier leider noch nicht geklappt", bedauerte der Wertungsleader Kast.
Division 2: Mies holt sich die Tabellenführung
In der Division 2 herrschte ebenfalls das Prinzip der Punkteteilung. Zumindest bei den drei Ford-Fiesta-ST-Fahrern, die auf dem Podest landeten. Christopher Mies siegte im ersten Rennen vor Andrii Kruglik.
Im zweiten Lauf positionierte sich der Ukrainer dann vor dem Deutschen und durfte den Siegerpokal in Empfang nehmen: "Es tut gut, endlich wieder ganz oben auf dem Podest zu stehen", äußerte sich Kruglik.
Mies bedauerte es ein wenig, dass es wieder nichts mit dem Doppelsieg geworden ist: "In der Schikane bin ich leider von der Strecke gerutscht und durch den nassen Kunstrasen stand ich sofort quer. Trotzdem bin ich sehr zufrieden mit dem Gesamtergebnis", resümierte der neue Tabellenführer. Sein Teamkollege Benedikt Boeckels, der zweimal auf Platz drei landete, berichtete erleichtert:
"Zum Glück haben wir vor dem zweiten Rennen noch in letzter Minute auf Slicks gewechselt." Eine Bauchentscheidung des 21-jährigen, die sich als richtig erwies. Guido Thierfelder schaffte es nicht, sich mit seinem Peugeot 207 Sport aus dem Hinterfeld bis in die Spitze vorzuarbeiten. Platz acht und fünf reichten am Ende nicht aus, um die Tabellenführung zu verteidigen.
Für die beiden Citroën-C2-Piloten Jens Löhnig und Johannes Leidinger erfüllten sich die Erwartungen, die nach dem Abschnei-den im Qualifying durchaus berechtigt waren, bereits im ersten Rennen nicht.
Für Löhnig war nach einem Zusammenstoß mit einem Clio die Weiterfahrt zu Ende und nach einer ähnlichen Begegnung war beim C2 des Teamkollegen Leidinger die Lenkgeometrie total dahin. Beide Defekte konnten in der Reparaturpause nicht behoben werden.
Division 3: Punkteteilung bei den Dieseln
Bei den Dieselfahrzeugen teilten sich Uwe Reich (Alfa Romeo 147 JTD ) und Erwin Lukas (Opel Astra GTC CDTI) die Punkte und Siege in den Rennen. "Im zweiten Rennen haben wir zum Glück auf Slicks umgestellt. Dadurch war ich erst in der Lage, Uwe zu überholen.
Die Punkteteilung geht für mich voll in Ordnung", kommentierte Lukas. Reich wechselte dagegen zum zweiten Rennen nicht auf Slicks und verpasste damit einen möglichen Doppelerfolg.
Für den nächsten Lauf der ADAC Procar im Rahmen der FIA Tourenwagen-Weltmeister-schaft (WTCC) in der Motorsport Arena Oschersleben vom 29. bis 31. August 2008 hoffen alle Beteiligten sicherlich auf strahlendes Sommerwetter, um sich auf der internationalen Bühne des Tourenwagensports präsentieren zu können.
Alle Ergebnisse finden Sie hier http://www.adac-procar.de/default.aspx?ID=45&EventID=12&show=rennen2&strecke=13
Alle News, Ergebnisse, Bilder, Gewinnspiele und weitere Informationen über die ADAC Procar finden Sie auf unserer Homepage www.adac-procar.de
- Brigitta Niemann-
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