Der Hockenheimring ist am 14. und 15. Juni das nächste Ziel der ADAC Procar. Auf dem 4,574 Kilometer langen Kurs der badischen Rennstrecke erwartet die 30 Starter ein altbekannter Kurs, der für die meisten Piloten der ADAC Procar jedoch wiederum Neuland bedeutet.
Zum letzten Mal waren die spektakulären Tourenwagen in der Saison 2005 auf dem kleinen Kurs in Baden-Württemberg unterwegs und nun feiern sie im Rahmen des "ADAC/MCS-Rundstreckenrennen Hockenheim um das Stuttgarter Rössle" ihr Comeback und dies auf der traditionellen Grand-Prix-Strecke.
Mit dem ATS Formel 3 Cup, der Porsche Kumho Trophy, der DMV Tourenwagen Challenge oder den Superracekarts hat der Veranstalter des Motorsport Clubs Stuttgart eine spannende Mischung für das Wochenende vorbereitet. Und Hochspannung versprechen auch die Rennen 4 und 5 der ADAC Procar, schließlich möchte Tabellenführer Philip Geipel (Toyota Corolla T-Sport) seinen Vorsprung in der Wertung der Super-2000-Tourenwagen weiter ausbauen.
Dies wollen allerdings seine Konkurrenten nicht zulassen. So tritt zum Beispiel das Team Rikli Motorsport wieder mit zwei Fahrzeugen in der Division 1 an, gilt doch Hockenheim aufgrund der Nähe zur Schweiz für die Eidgenossen traditionell als ihre Heimstrecke. Peter Rikli zeigte ja mit seinem dritten Platz auf der Nordschleife in der Eifel und Rang zwei beim Auftakt in Oschersleben, dass er in dieser Saison mit seinem Honda Accord 2.0 locker um die Podestplätze kämpft.
Division 1: Ein Newcomer ersetzt den Routinier
Bei den 2-Liter-Boliden der Division 1 startet erstmals in der ADAC Procar der Österreicher Martin Brückl auf Einladung von Liqui Moly und dem Team Engstler Motorsport. Er ersetzt damit den Teamchef und Routinier Franz Engstler, der am gleichen Wochenende bei der Tourenwagen Weltmeisterschaft FIA WTCC im tschechischen Brünn teilnimmt. Brückl fährt Engstlers BMW-Siegerfahrzeug vom Nürburgring.
"Eine ganz neue Situation für mich, die mir aber sicher viel Erfahrung bringt.", meint der erst 20-jährige. Da auch Andrei Romanov in der Tschechei um Punkte in der WTCC-Privatfahrerwertung kämpft, wird dessen BMW von Marko Hartung pilotiert. Für den 39-jährigen aus Wallroda sind Tourenwagen kein Neuland.
Gerade vor zwei Wochen erzielte er gemeinsam mit Franz Engstler und Stefan Neuberger auf einem BMW Z4 M den vierten Gesamtrang beim legendären 24h-Rennen auf dem Nürburgring. Somit hält das Engstler Team eine schlagkräftige Truppe als Ersatz bereit. Doch da will auch der Schweizer Peter Rikli mit seiner Mannschaft ein Wörtchen mitreden. Der Eidgenosse setzt bei seinem "Heimrennen" voll auf Angriff.
Doch die 30 kg Platzierungsgewicht dämpfen die gute Stimmung ein wenig: "Die Gewichte sollen die Chancengleichheit im Feld regeln und die Meisterschaft für die Zuschauer spannend halten. Für uns Fahrer sind sie aber natürlich ein echtes Handicap. Dennoch ist die ganze Mannschaft wieder hoch motiviert, vor allem, weil so viele Fans aus der Schweiz mit nach Hockenheim reisen."
Der zweite Rikli-Fahrer, Stephan Zbinden, war zwar zum Saisonbeginn bereits am Start, legte am Nürburgring-Rennen jedoch eine Pause ein. "Ich kenne die Nordschleife zu wenig und konzentriere mich daher lieber auf die Strecken, die mir liegen", erklärt der Zollikofer.
In der Klasse 2 für die Renault Clio-Fahrzeuge führt Marc-Uwe von Niesewand die Wertung an und kämpft natürlich auch in Hockenheim um weitere Punkte. Schließlich warten in der separaten Wertung im Renault Clio-Sportpokal gut 10.000 Euro Preisgeld auf den Jahresbesten.
Division 2: Dicht gedrängt
Mit 13 Fahrzeugen bei den "Kleinen" erfreut sich die Klasse der 1600er-Flitzer wachsender Beliebtheit. Allein neun Ford Fiesta ST mit Markenpokal-Assen wie Jürgen Brettschneider oder Benedikt Boeckels jagen Tabellenführer Guido Thierfelder mit seinem Peugeot 207 Sport, der jedoch den Hockenheimring als einer der Wenigen aus früheren Tourenwagenserien kennt.
"Ich denke, wir haben hier gute Chancen auf den Sieg. Zwar habe ich, wie auch Oliver Kerlé, 30kg Zusatzgewicht, doch halten sich die engen Kurven hier in Hockenheim in Grenzen. Mit den langen Geraden und schnellen Ecken sollten wir gut zurecht kommen. Nur Christopher Mies dürfte mir mit dem leichteren Fiesta etwas Kopfzerbrechen bereiten, doch damit wird es umso spannender."
Für eine große Überraschung sorgte der Ukrainer Andriy Kruglik beim letzten Rennen auf dem Nürburgring. Der TLM-Pilot gewann das Rennen auf der Nordschleife mit über 30 Sekunden Vorsprung und verwies Boeckels und Thierfelder auf die Plätze. Ob dem 24-jährigen aus Kiew auf dem Hockenheimring ein ähnlicher Clou gelingt, wird sich dort zeigen.
Division 3: Diesel Power mit Rikli
Große Freude stellte sich beim Procar-Debütanten Dario Pergolini ein, der über den Winter mit seinem Alfa Romeo 147 JTD zum Rikli-Team gestoßen war und nun endlich selbst ins Renngeschehen eingreifen kann. Nach einem kapitalen Turboladerschaden beim Saisonauftakt in Oschersleben war dem Italiener ein Start noch verwehrt geblieben:
"Jetzt ist alles repariert und in bester Ordnung. Es wird Zeit, dass es losgeht", lacht der Alfa-Pilot, der in der Diesel-Division die Führung von Erwin Lukas ankratzen will. Der Rösrather liegt mit seinem Opel Astra GTC CDTI mit 24 Punkten knapp an der Spitze. Mit nur einen Zähler Rückstand auf seinem Punktekonto liegt Tourenwagen-Urgestein Uwe Reich mit seinem Alfa Romeo 147 JTD auf Tabellenplatz zwei.
- Brigitta Niemann-