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8. und 9. Lauf bei der FIA WTCC in Oschersleben, 29.-31.08.2008
Vor rund 41.000 begeisterten Zuschauern und bei bestem Sommerwetter trugen die 35 Piloten der ADAC Procar am vergangenen Wochenende ihre Saisonläufe acht und neun im Rahmen der FIA Tourenwagen-Weltmeister-schaft (WTCC) in der Motorsport Arena Oschersleben aus. Beide Laufsiege beim Saisonhighlight des nationalen Gegenstücks zur Weltmeisterschaft holte sich der Thailänder Jack Lemvard überragend in seinem BMW 320i E46.
Der Engstler-Pilot vertrat somit seinen Teamchef Franz Engstler, der wegen des Starts in der FIA Tourenwagen WM nicht auch in der Procar fahren durfte, mehr als würdig. "Dass ich gleich bei meinem ersten Auftritt in Europa so gut abschneiden werde, habe ich natürlich nicht gedacht", freute sich das 23-jährige Nachwuchstalent.
Sein Teamkollege Stefan Neuberger belegte mit seinem BMW in beiden Rennen Rang zwei, vor Charlie Geipel (Toyota Corolla T-Sport), der jeweils Dritter wurde. Auf dem 3696 Meter langen Kurs in der Magdeburger Börde zeigten sich die Procar-Racer sportlich fair aber kämpferisch und boten den Besuchern zwei sehenswerte Rennen.
Division 1: Die neuen machten das Rennen
Nach dem Start sah alles noch so aus, als ob Peter Rikli endlich seinem lang ersehnten ersten Saisonsieg entgegen fahren könnte. Doch dann fiel der Pole-Setter nach einer Berührung mit Lemvard plötzlich zurück und machte den Weg für das BMW-Duo Lemvard / Neuberger frei. "Ich bin dummerweise Lemvard ins Heck gefahren. Dabei habe ich die Front meines Honda Accord verbogen und viel Boden verloren, so dass am Ende nur noch der fünfte Platz für mich blieb", bedauert der Schweizer.
Die beiden Engstler-Piloten zogen danach auf und davon. Nur Charlie Geipel konnte mit dem Toyota Corolla T-Sport folgen. Er stieg nach langer Genesung wegen eines Skiunfalls Anfang des Jahres erst jetzt in die Procar ein und übernahm das Auto seines Bruders Philip für den Rest der Saison. "Mein Bruder setzt ab sofort den neu aufgebauten Toyota Auris S2000 ein, somit kann ich nun mit seinem ausgereiften Renner starten", erklärte der YACO-Pilot. Im ersten Rennen gab es jedoch noch Probleme mit dem Auris, so dass der "kampferprobte" Corolla die Kohlen aus dem Feuer holen musste.
Eine kurze Schrecksekunde gab es hingegen auch für den Sieger des ersten Laufs: "In der Auslaufrunde des ersten Rennens brach am BMW von Lemvard die Spurstange. Zum Glück war er schon über die Ziellinie gefahren, so dass ihm der erste Sieg in der Procar nicht mehr zu nehmen war. Dennoch bekamen wir noch mächtige Probleme, denn unser Wagen kam nicht rechtzeitig zur Reparaturpause in die Box.
Wir verloren wertvolle Zeit, schafften die Reparatur aber dennoch und siegten ja dann auch im zweiten Rennen - das war Glück im Unglück", resümierte Teammanager Kurt Treml. Überglücklich freute sich der frisch gebackene thailändische Tourenwagenmeister somit auch bei der Siegerehrung: "Ein perfektes Wochenende, davon könnte es ruhig noch mehr geben." Auch sein Teamkollege Stefan Neuberger freute sich über das unverhoffte Podest.
Der dritte Mann auf dem Podest war Charlie Geipel. Ganz zufrieden war er dennoch nicht: "Das sollte heute einfach nicht sein. Anfangs hatte ich Probleme mit den Reifen und kaum Grip. Dann bekam ich auch noch Elektronikprobleme und konnte nicht mehr richtig schalten. Somit war natürlich ein Angreifen der Spitze undenkbar. Platz zwei wäre sonst sicherlich drin gewesen."
Das diesjährige Procar-Debüt für das Kissling-Team mit Fahrer Wolfgang Treml endete mit einem vierten und fünften Platz, worüber beide für den ersten Einsatz sichtlich zufrieden waren. Viele Probleme mit der Technik seines Mercedes C200 hatte dagegen Jens-Guido Weimann, der in beiden Rennen nach nur wenigen Metern aufgeben musste.
In der Klasse 2 für die Renault Clio RS III stand der Schweizer Mathias Schläppi trotz einiger Schwierigkeiten auf dem Podest. "Mein Start war nicht perfekt und dann bekam ich in der ersten Kurve noch einige Schläge der Super-2000-Fahrzeuge ab. Ich fiel weit zurück, konnte mich aber wieder an die Spitze meiner Klasse kämpfen und letztlich Rang zwei im ersten Rennen retten.
Im zweiten Lauf gab ich dann alles und holte mir den Sieg", meinte Schläppi, der erneut wichtige Punkte in der Klassen-wertung sammelte. Andreas Kast gewann den ersten Lauf, vor Schläppi und Matthias Kaul. Im zweiten Durchgang verwies der Schweizer dann Kaul und Kast auf die Plätze. Der Klassenführende Kast konnte sein Konto auf 72 Punkte ausbauen.
Schläppi liegt nach seinen erst vier gefahrenen Rennen nun schon auf Tabellenplatz vier hinter Kaul. Der Tabellenzweite Marc-Uwe von Niesewand fiel nach einem Unfall im Startgerangel im ersten Rennen bereits aus und konnte danach wegen starken Frontschäden an seinem Clio das Wochenende für sich abhaken.
Division 2: Ford machte das Rennen
In der Division 2 überzeugte Christopher Mies mit seinem Ford Fiesta ST in beiden Läufen. Der Leipert-Pilot aus Heiligenhaus verwies seine beiden Markenkollegen Ralf Glatzel (Königsbronn) und den Ukrainer Andrii Kruglik in Lauf zwei auf die Plätze zwei und drei. "Ein perfekter Tag für mich", meinte der Youngster. "Ich kontrollierte beide Rennen souverän und sicherte mir letztlich auch den Doppelsieg.
Mein Auto war einfach nur perfekt. Ich konnte das Tempo an der Spitze vorgeben und jederzeit etwas erhöhen. So kann es am nächsten Wochenende in der Lausitz ruhig weiter gehen", strahlte der 19-jährige. Pech hatte dagegen sein Teamkollege Benedikt Boeckels, der noch als Tabellenzweiter nach Oschersleben angereist war und sich viel vorgenommen hatte. Wegen Unfällen fiel er in beiden Rennen aus und ist dadurch auf den fünften Tabellenplatz abgerutscht.
Ähnlich erging des den beiden Citroën C2-Piloten Jens Löhnig und Johannes Leidinger, die wegen Unfallschäden bzw. gerissenem Schaltzug kaum Punkte einfahren konnten. Lediglich einen sechsten Platz hat Leidinger im zweiten Rennen realisieren können.
Mit 70 Zählern in der Gesamtwertung liegt Mies nun ganze 20 Punkte vor Guido Thierfelder. Der Peugeot 207 Sport-Pilot kam an diesem Wochenende in beiden Rennen nicht voran und musste sich mit den Rängen fünf und acht zufrieden geben. Sein Teamkollege Oliver Kerlé im Citroën Saxo VTS glänzte im ersten Rennen noch als Zweitplazierter, musste dann allerdings im zweiten Heat nach einem Unfall seinen Saxo stark beschädigt an der Strecke abstellen.
Division 3: Kai Jordan war eine Klasse für sich
Bei den Diesel-Rennern der Division 3 fuhr Kai Jordan seinen Konkurrenten auf und davon und holte sich den zweiten und dritten Saisonsieg bei erst drei gestarteten Rennen. Mit einer Quote von 100% Siegausnutzung bestätigt er mit seinem VW Golf 2.0 TDI seine überragende Stärke:
"Das ging heute wirklich sehr leicht. Ich erwischte beide Male einen perfekten Start und setzte mich schnell in der Spitze der Division 2-Fahrzeuge fest. Dort kämpfte ich dann mit Christopher Mies und weiteren 1600ern um die Platzierungen. Das hat wirklich Spaß gemacht."
Uwe Reich (Alfa Romeo 147 JTD) holte sich einen dritten und zweiten Platz, während Erwin Lukas im Opel Astra GTC CDTI nur im ersten Rennen den zweiten Platz belegen konnte und in Lauf zwei nach einem Unfall mit abgerissenem Querlenker vorzeitig aufgeben musste.
Der nächste Einsatz für die Piloten der ADAC Procar steht schon am kommenden Wochenende auf dem Programm. Dann geht es für den Tross an den Lausitzer EuroSpeedway, wo die Saisonläufe zehn und elf zu absolvieren sind.
- Brigitta Niemann-
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