Nach der Sommerpause gibt es für die Piloten der ADAC Procar einen weiteren Saisonhöhepunkt. Der Auftritt im Rahmen der FIA Tourenwagen-Weltmeisterschaft (WTCC) in der Motorsport Arena Oschersleben stellt für Fahrer und Teams ein besonderes Highlight dar, denn hier können sie sich auf der internationalen PS-Bühne ihres "großen Bruders" der Tourenwagen in Szene setzen.
Entsprechend hoch war das Interesse an Startplätzen für die Austragung der Procar-Läufe acht und neun, so dass sich in der Magdeburger Börde ein prall gefülltes Starterfeld von 35 Tourenwagen elf verschiedener Marken und Piloten aus sechs Nationen präsentieren. Dabei wird wie gewohnt in drei Divisionen um Siege und Punkte gekämpft. Das Aushängeschild bilden die reinrassigen Zweiliter-Tourenwagen der Division 1, die nach dem Vorbild der Tourenwagen-Weltmeisterschaft vorbereitet sind.
Kompakte 1600-Kubik-Flitzer sind die drehzahlfreudigen Renngeräte der Division 2, während drehmomentstarke Turbodiesel-Renner in der Division 3 als Kontrahenten antreten. Das Fahrerfeld präsentiert sich international: Deutschland, Österreich, Russland, Schweiz, Thailand und Ukraine lauten die Nationalitäten der Piloten. In Punkto Markenvielfalt wird viel geboten.
Neben BMW 320i E46, das amtierende Meisterauto der Division 1, sind die Fabrikate Alfa Romeo, Citroën, Ford, Honda, Mercedes, Opel, Peugeot, Toyota und Volkswagen vertreten. Zudem fighten in der Klasse 2 der Division 1 neun Renault Clio RS III um die besten Plätze. Spannende und aktionsreiche Rennen mit bester Unterhaltung für die Fans an der Rennstrecke sind also vorprogrammiert.
Division 1: Reif für den Auris
Endlich ist es soweit. Das YACO-Racing Team setzt ab Oschersleben nun den schon für Anfang der Saison angekündigten Toyota Auris S2000 ein. Pilotiert wird das neue Schmuckstück des Plauener Teams von Tabellenführer Philip Geipel, der bislang mit dem Vorgängerfahrzeug Toyota Corolla T-Sport perfekt unterwegs war. Diesen Renner erbt nun sein Bruder Charlie Geipel, der mit dem kampferprobten Corolla den Rest der Saison bestreiten wird.
Gut gerüstet geht auch die Mannschaft um Peter Rikli an den Start. Die Eidgenossen haben dem roten Honda Accord in den vergangenen Wochen einige Optimierungen an Motor und Kraftübertragung verpasst und sind nun zuversicht-lich, noch besser um die Meisterkrone kämpfen zu können. Zusätzliche Motivation gab es beim Gastspiel des Teams auf der diesjährigen Honda NSX-Veranstaltung in Le Mans, Anfang des Monats.
"Wir haben vor einem begeisterten Publikum Showfahrten mit dem Rennauto durchgeführt und als Renntaxi Honda-Vorstand und Importeure über den französischen Traditionskurs chauffiert. Das Erlebnis war für beide Seiten sicherlich beeindruckend. Jetzt werden wir schauen, dass wir diesen positiven Kick mit nach Oschersleben nehmen können", meinte der Teamchef.
Für das Liqui Moly Team Engstler wird Stefan Neuberger erneut den BMW 320i E46 von Franz Engstler pilotieren. Da Engstler selbst in den beiden Rennen zur Tourenwagen-Weltmeisterschaft am Start sein wird, darf der Teamchef reglementsbedingt nicht noch in der Procar ins Renngeschehen eingreifen. Somit erhält der Peuschener erneut die Chance, sein Können - wie schon mit dem zweiten Platz in Hockenheim - unter Beweis zu stellen.
Der zweite Engstler-BMW wird vom Thailänder Jack Lemvard, dem amtierenden Champion der asiatischen Tourenwagen-Meisterschaft, pilotiert. Ein weiterer Altbekannter bereichert ab Oschersleben die Klasse der Super-2000-Rennboliden. Der Österreicher Wolfgang Treml wird mit dem Opel Astra GTC des Kissling-Teams für den Rest der Saison für eine noch größere Markenvielfalt und noch heißere Positionskämpfe sorgen.
In der Klasse 2 für die Renault Clio RS III-Fahrzeuge geht es ebenso heiß her, denn ab Oschersleben sind nun insgesamt neun Autos am Start. Das Schweizer Team um Mathias Schläppi, der selbst erst ab Assen in die Procar eingestiegen ist und dort mit einem grandiosen Gesamtsieg in der Division 1 glänzte, setzt ab Oschersleben einen weiteren Clio mit dem Füssener Nachwuchsfahrer Markus Kern bei den restlichen Saisonrennen ein.
Die Klassenwertung hat zur Zeit der Berliner Andreas Kast mit 56 Punkten knapp vor Marc-Uwe von Niesewand mit 54 Punkten inne. Und wenn es erneut so eng wie schon beim Saisonauftakt in Oschersleben zugeht, dann wird es ein Kopf-an- Kopf-Rennen der Clio-Meute geben. Beim Saisonstart konnte von Niesewand mit einem Doppelsieg überzeugen. Wenn es dem Lohmarer nun noch einmal gelingen sollte, dann kann er sich wieder ganz nach vorne in der Wertung kämpfen.
Division 2: Frauenpower im Fiesta
Mit 14 Fahrzeugen präsentiert sich die Division 2 der kleinen 1600er-Flitzer in äußerst stark besetzter Form und erhält mit der 17-jährigen Sandra Sutter eine sympathische Bereicherung. Die Schweizerin aus Gümligen wird für Vizethum Racing erstmals einen Ford Fiesta ST im Feld ihrer männlichen Kollegen pilotieren. An der Tabellenspitze ist noch lange nichts entschieden.
Zwar liegt Christopher Mies mit 50 Punkten noch sicher vor Guido Thierfelder (45 Zähler) auf Rang eins, doch holte Andrii Kruglik mächtig auf. Der Ukrainer beendete die beiden letzten Rennen in Assen auf Rang zwei und eins und bewies nach seinem Sieg auf dem Nürburgring, dass diese Leistung somit keine Eintagsfliege war. Doch nicht allzu leicht wird es beim Saisonhöhepunkt auf der 3,696 Meter langen Strecke der Motorsport Arena weder für den Tabellenführer noch für die Verfolger.
Weiterer Gegenwind dürfte von Markenpokal-Spezialist Ralf Martin kommen, der ab Oschersleben im TLM Team Lauderbach Motorsport den Rest der Saison auf einem Ford Fiesta ST bestreiten wird. Der Sendener gewann 2007 den Meistertitel im Ford Fiesta ST Cup und kennt sich somit mit seinem Einsatzgerät bestens aus. Somit dürfte für spannende Türklinkenduelle bei den "kleinen" Wilden reichlich gesorgt sein.
Division 3: Erwin Lukas mit Zwischenstopp im Rathaus
Auf dem Weg zur Motorsport Arena Oschersleben machte Erwin Lukas einen Zwischen-stopp vor dem Hennefer Rathaus und zeigte Bürgermeister Klaus Pipke sein 195-PS-starkes Fahrzeug. Der Maschinenschlosser und studierte Konstruktionstechniker aus Hennef-Geistingen, fährt erfolgreich mit dem Opel-Astra GTC CDTI in der Dieselklasse und liegt nach vier Saisonrennen auf Platz zwei der Division 3.
"Nahezu komplett ausgeräumt ist das Innere meines Renners, um das Leergewicht von 1130 Kilogramm zu erreichen", erklärte der 50-jährige Renn-Routinier dem Stadtoberhaupt: "Nicht mal ein Tacho ist im Cockpit installiert."
Doch weil es bislang so gut lief, hat das Fahrzeug 60 kg Zusatzgewicht hinzu bekommen. Und das freut vor allem RSG-Wolfsburg Pilot Kai Jordan, der sich bei seinem zweiten Saisonstart nach dem Einsatz in der Eifel einen weiteren Sieg mit seinem VW Golf 2.0 TDI sichern möchte.
Doch auch Tourenwagen-Urgestein Uwe Reich aus Solingen will mit seinem Alfa Romeo 147 JTD ganz nach vorn. Schließlich führt der 67-jährige die Tabelle der Diesel-Renner mit 61 Punkten an.
Internet: www.adac-procar.de
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