Peter Rikli erlebte ein Procar-Wochenende, das sich wohl für immer als eines der schönsten Rennerlebnisse seiner Karriere in sein Gedächtnis eingebrannt haben dürfte. Nach vielen Jahren Engagement bei den 2-Liter-Tourenwagen der Division 1 gelang dem Schweizer mit seinem Honda Accord 2.0 auf dem EuroSpeedway Lausitz am vergangenen Sonntag endlich der lang ersehnte Triumph. Und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Er vollbrachte das, was in dieser Saison noch kein Fahrer geschafft hat. Zweimal aus der Pole-Position gestartet, gewann er beide Läufe und das auch noch mit zwei lupenreinen Start-Ziel-Siegen.
"Es ist einfach traumhaft", strahlte er auf dem Podium. "Alles lief perfekt. Ich habe mir die Rennen eingeteilt, um die Reifen zu schonen. Mein Team hat einen Superjob gemacht und unsere Strategie ging voll auf." Mit seinem Doppelsieg ist Honda nun nach 163 Rennen, die einschließlich der Vorgängerserien seit 1995 ausgetragen worden sind, nun die neunte Marke, die bei den 2-Liter-Tourenwagen siegen konnte. Für den überglücklichen Peter Rikli und seinen Bruder und Teamchef Erwin, der das Fahrzeug selbst entwickelt hat, ist damit ein lang gehegter Traum Wirklichkeit geworden.
In der Renault Clio-Wertung stand mit Mathias Schläppi als Sieger ein weiterer Schweizer auf dem Podest. Bei den 1600er-Flitzern der Division 2 erlebte Guido Tierfelder dagegen eher einen Alptraum. Im ersten Rennen riss sein Dämpfer ab. Sein Peugeot 207 Sport wurde daraufhin unsanft in die Leitplanken befördert und bedeutete das Aus für den Troisdorfer.
Dies wohl auch in Sachen Meisterschaftstitel, da Christopher Mies nach seinem Sieg und einem zweiten Platz nun 38 Punkte Vorsprung bei noch 40 zu vergebenden Zählern hat. Uwe Reich bedauerte, dass keiner seiner Division 3-Kollegen vor Ort war und er seine beiden Siege quasi geschenkt bekam.
Division 1: Gut Ding braucht Weile
Dies trifft zweifelsohne auf Peter Rikli und seinen verdienten Doppelerfolg zu. Aber auch auf Philip Geipel. "Letzte Woche in Oschersleben lief es für uns noch nicht so gut. Hier in der Lausitz war der neue Toyota Auris S2000 dagegen bereits mit unserem Corolla konkurrenzfähig. Ich bin mit Platz vier und Podestplatz drei durchaus zufrieden", erklärt der Leubnitzer.
"Der Zweikampf mit Jack Lemvard hat sehr viel Spass gemacht. Er ist ein klasse Sportsmann und Fahrer und hat mir immer genug Platz zum Überleben gelassen." Für den Doppelsieger Lemvard aus Oschersleben waren die Rennen in der Lausitz eher enttäuschend. Durch sein Pech im Qualifying, wo er wegen eines Antriebswellenschadens an seinem BMW 320i nicht die erforderlichen drei Qualifikationsrunden fahren konnte, musste der Thailänder das Feld von hinten aufrollen und verlor so kostbare Zeit.
Zudem räuberte er auch nicht mehr über die Kurbs, um nicht noch einen Schaden an der Antriebswelle zu provozieren. Sein Team- und Markenkollege Andrei Romanov holte sich Platz drei und zwei und war damit äußerst zufrieden. "Wir hatten uns zwar etwas mehr erhofft, aber unter den Umständen geht das Ergebnis in Ordnung", hieß es von Seiten des Engstler-Teams. Mit einem erhofften Podestplatz wurde es auch für Kissling-Pilot Wolfgang Treml nichts.
Im ersten Rennen verteidigte er mit dem Opel Astra GTC zwar seinen zweiten Platz bis ins Ziel, den zweiten Lauf beendete er jedoch nur auf der 14. Position. Zuerst kam er sich mit Charlie Geipel (Toyota Corolla T-Sport) ins Gehege, der daraufhin eine Drive-Trough-Strafe absitzen musste. "Eine klare Fehlentscheidung", meinte der jüngere Bruder des Tabellenführers hierzu. Treml sah es natürlich anders
. Nachdem er auch noch mit dem Russen Oleg Petrishin im BMW 320i aneinandergeriet, war das Rennen für den Österreicher gelaufen. Jens-Guido Weimann wollte erst gar nicht in die Lausitz kommen. "Wir kriegten die Elektronikprobleme an unserem Mercedes C200 einfach nicht in den Griff. Am Sonntag haben wir dann den Kabelbaum noch einmal kontrolliert und dort in einem Bruch die Ursache für das Problem gefunden."
Somit hat sich die Anreise für ihn doch noch ausgezahlt, denn fünf Punkte für einen siebten und einen sechsten Platz durfte er mitnehmen. Dem Tabellenführer Philip Geipel fehlen noch acht Zähler, um auf dem Sachsenring den Titel vorzeitig holen zu können. "Bei meinem Heimrennen, mit Unterstützung unserer Fans und Freunde, wäre das natürlich der perfekte Rahmen. Mal schauen ob es klappt."
In der Klasse 2 der Clio-Fraktion holte sich der Schweizer Mathias Schläppi souverän beide Siege jeweils vor Marc-Uwe von Niesewand und Matthias Kaul. Damit machte er weiter Boden auf die drei Tabellenführenden Andreas Kast, von Niesewand und Kaul gut.
"Gegen Schläppi zu gewinnen ist nicht einfach. Schließlich war er bereits Produktionswagen-Meister und hat den Clio-Cup gewonnen", erklärte der Lohmarer von Niesewand. Obwohl er in beiden Rennen nur Vierter wurde, konnte Andreas Kast seine Führung in der Klassenwertung behaupten.
Division 2: Mies baute seinen Vorsprung aus
Für Christopher Mies im Ford Fiesta ST war es mit 18 von 20 zu holenden Punkten ein perfektes Wochenende. "Ich konnte mich gut nach vorn kämpfen und mir im ersten Rennen den dritten Sieg in Folge holen. Diesen möchte ich einem ganz besonderen Menschen widmen. Wem, das möchte ich jetzt noch nicht verraten", erklärt der Youngster geheimnisvoll.
Den Sieg im zweiten Lauf musste er nach einem Fehler an Markenkollege Ralf Martin abgeben. "Im ersten Rennen bekam ich eine von hinten drauf, landete auf der Wiese und konnte dann nur noch den dritten Platz einfahren. Ansonsten wäre ein Doppelsieg für mich drin gewesen", bedauert der dreifache ehemalige Ford-Fiesta-Cup-Sieger Martin. Der Troisdorfer Guido Tierfelder verlor durch seinen Doppelnuller den zweiten Tabellenplatz nun an Ralf Glatzel (Ford Fiesta ST).
Der war heilfroh, nachdem er in Lauf eins als Zweiter ins Ziel einlief, seinen dritten Podestplatz im zweiten Rennen überhaupt bis ins Ziel gerettet zu haben. "Zum Schluss bekam ich Probleme mit dem Getriebe. Nur noch der vierte und fünfte Gang gingen rein. Auf einer Strecke, die zwei- und dreiganglastig ist, nicht gerade ideal."
Bester Citroën-Pilot in Lauf zwei wurde Johannes Leidinger in seinem C2 VTS mit Platz vier, allerdings konnte er den ersten Lauf wegen Unfall nicht in Wertung beenden. Auch Christopher Mies könnte sich den Titel bereits auf dem Sachsenring sichern, und wie bei Philip Geipel reichen ihm dazu acht Punkte. Selbst bei Punktgleichheit wäre er durch seine bereits erzielten fünf Siege immer noch auf der sicheren Seite.
Division 3: Uwe Reich(t es)
Zum einen, um sich als dritter Fahrer den Titel in seiner Division ebenfalls bereits auf dem Sachsenring holen zu können. Zum anderen, dass er von seinen Dieselkollegen in der Lausitz "hängen gelassen" wurde.
"Wenn ich schon ein Rennen fahre, dann möchte ich auch die Herausforderung", erklärte der trotz seines Doppelerfolgs etwas enttäuschte Routinier.
- SAN Service Agentur Niemann -