Mitglied des MSC Wahlscheid fuhr in der ADAC Procar zweimal aufs Podium
Am Montag nach dem Rennen feierte der Tourenwagen-Pilot Uwe Reich seinen 68. Geburtstag - doch das schönste Geschenk machte sich der Lohmarer bereits einen Tag zuvor selbst. Auf dem Sachsenring in Hohenstein-Ernstthal bei Chemnitz genügte dem Alfa-Piloten ein zweiter und ein dritter Platz, um sich schon vor dem Finale der Meisterschaft Mitte Oktober in Salzburg uneinholbar von seinen Verfolgern in der Division drei der ADAC Procar abzusetzen.
"Ich bin überglücklich, dass ich es nach so einem turbulenten Rennwochenende am Ende doch noch geschafft habe, den Titel schon jetzt nach Hause zu holen! Vielen Dank an mein Team Schlaug Motorsport, ohne deren Einsatz das nicht möglich gewesen wäre."
Tatsächlich war ein Start von Uwe Reich am Renn-Sonntag zunächst mehr als fraglich, denn kurz vor Ende des Zeittrainings war am Alfa 147 JTD des Steuerberaters eine Antriebswelle gebrochen und ein Ersatzteil zunächst nirgendwo aufzutreiben. Noch am Abend glühten die Telefondrähte und schließlich wurde man bei Lingmann Motorsport, einem ehemaligen Alfa Cup-Team im ca. 250 km entfernten Schweinfurt fündig.
Also machte sich Uwe Reichs Teamchef Manfred Schlaug noch in der Nacht auf den Weg in die Rhön und kehrte am Morgen mit einer passenden neuen Welle in die Karl-May-Geburtsstadt zurück. Die Mannschaft aus Wölmersen bei Altenkirchen legte daraufhin eine Nachtschicht ein, so dass der italienische Dieselflitzer pünktlich am Sonntag Mittag zum ersten der beiden Sprintrennen wieder einsatzbereit war.
Gerne hätte sich Uwe Reich für diese tolle Leistung mit einem Sieg bei seiner Mannschaft bedankt, doch bei dem internen "Rhein-Sieg-Duell" in der Dieselklasse hatte diesmal der Hennefer Erwin Lukas im Opel Astra CDTI die Nase vorn. "Bereits kurz nach dem Start des ersten Rennens gab es unmittelbar vor mir eine Kollision zweier Ford Fiesta-Piloten.
Dadurch wurde ich etwas aufgehalten und musste mit Platz zwei hinter Lukas vorlieb nehmen", berichtete das Mitglied des MSC Wahlscheid hinterher. "Der zweite Lauf war dann das reinste Chaos. Da es zunächst trocken war, sind wir alle auf Slicks gestartet, doch nach wenigen Rennrunden überschwemmte sintflutartiger Regen die Strecke. Ich machte das einzig Vernünftige und kam zum Reifenwechsel an die Box. Doch dann schickte die Rennleitung das Safety-Car heraus, womit das Rennen neutralisiert war und ich den Vorteil meiner Regenreifen nicht nutzen konnte."
Viele Teams wechselten die Reifen gar nicht, denn sie spekulierten darauf, dass das Rennen hinter dem Safety-Car zu Ende gehen würde. Doch zur allgemeinen Überraschung bog der Führungswagen nur Sekunden vor dem Ende in die Boxengasse ab und gab den zweiten Lauf noch einmal für eine Runde frei. Zahlreiche Ausrutscher und Kollisionen waren die Folge und die Rennleitung verlor vollends den Überblick, so dass erst mehr als eine Stunde nach der Zieldurchfahrt die Sieger feststanden. Zum Gewinner der Division drei wurde der in Liechtenstein lebende Italiener Dario Pergolini erklärt, Reich wurde hinter Lukas als Dritter gewertet.
Der Ärger über die offensichtliche Benachteiligung war jedoch schnell verschwunden, denn das Addieren der Punkte ergab eine Summe von 109 Zählern für Uwe Reich gegenüber 82 für seinen direkten Konkurrenten Erwin Lukas. Da in den verbleibenden beiden Rennen aber nur noch 20 Punkte vergeben werden, ist "Deutschlands schnellstem Steuerberater" der begehrte Titel nicht mehr zu nehmen und der Routinier konnte bereits auf dem Sachsenring mit seinem Team, der mitgereisten Familie und zahlreichen Freunden aus dem Fahrerlager feiern.

Möglicherweise wird Uwe Reich sogar als der letzte Meister der ADAC Procar Division drei in die Motorsport-Geschichte eingehen, denn nach den zuletzt eher mageren Teilnehmerzahlen ist eine Fortführung der Dieselklasse in Deutschlands "zweiter Bundesliga des Tourenwagensports" mehr als unwahrscheinlich. Aber bevor der Lohmarer sich nach einem neuen Betätigungsfeld umsieht, wartet auf ihn und sein Team noch das Finale auf dem Salzburgring.
Die Fahrt in die österreichischen Alpen wird noch einmal ein besonderes Highlight, denn dort startet die deutsche Serie zusammen mit der FIA Tourenwagen-Europameisterschaft (ETCC).
F. Wagner / Pitwall Media Office - auch Photos
More reports from this category all copyright automobilsport.com.