Sohn Marc-Uwe von Niesewand-Reich fiel einem Startcrash zum Opfer und schied aus

Nur der Lohmarer Motorsportler Uwe Reich konnte sich am Sonntag Abend über seine Leistung freuen, die meisten anderen Piloten dagegen gingen nach dem Rennen mit hängenden Köpfen durchs Fahrerlager. Bei der fünften Veranstaltung der ADAC Procar Meisterschaft in der Motorsportarena Oschersleben bei Magdeburg wurde attackiert, als sei es das letzte Rennen der Serie - dabei ist genau das Gegenteil der Fall, denn bereits am kommenden Wochenende geht es auf dem Eurospeedway Lausitz mit den nächsten beiden Sprintrennen weiter und so ist die Pause, welche den Teams für Reparaturen zur Verfügung steht, kürzer denn je.
Aber auf die unzähligen Überstunden und Nachtschichten ihrer Mechaniker nahmen die insgesamt 35 Tourenwagen-Piloten diesmal keine Rücksicht. Vor den Augen der Teamchefs aus der Tourenwagen-Weltmeisterschaft wollten die Teilnehmer des deutschen Championats sich wohl von ihrer besten Seite zeigen und gingen dabei vielleicht etwas übermotiviert ans Werk. Am Ende konnte nur Reich im Alfa Romeo zweimal aufs Podium fahren und seine Tabellenführung ausbauen.

Als das erste der beiden 20-Minuten-Rennen gestartet wurde, fächerte das Feld auf der Start-Ziel-Geraden sofort weit auseinander und es war schon früh abzusehen, dass nicht alle problemlos den Weg durch das enge Nadelöhr der ersten Kurve finden würden. Einer der ersten Leidtragenden dieser Aktion war der Lohmarer Marc-Uwe von Niesewand-Reich. Der 25-jährige Renault-Pilot musste hilflos mit ansehen, wie sich unmittelbar vor ihm ein Honda querstellte und ihm den Weg versperrte. Eine Kollision der beiden Rennfahrzeuge war damit unvermeidbar.
"Ich hatte einen absolut genialen Start und lag in der Clio-Klasse bereits in Führung. Aber die sind gefahren wie die Verrückten und haben die Schikane komplett blockiert, so dass ich keinen Weg hindurch fand", ärgerte sich der Student. "Nach dem Dreher des Honda Civic versuchte ich noch, ganz links vorbei zu kommen, doch da war nicht genügend Platz und so hatte ich keine Chance, den Crash zu vermeiden!"

Bei dem Aufprall riss nicht nur die komplette Frontpartie des französischen Flitzers ab, sondern auch die vorderen Radaufhängungen wurde so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass von Niesewand-Reich vorzeitig aufgeben musste und zum zweiten Rennen des Tages nicht mehr starten konnte.
Auch Uwe Reich's Vorwärtsdrang wurde durch die ungestümen Aktionen der Konkurrenten in der ersten Kurve zunächst einmal gestoppt, doch im Gegensatz zu seinem Sohn Marc-Uwe konnte das Mitglied des MSC Wahlscheid sich aus dem Gedränge heraushalten. Der 67-jährige Routinier spielte wieder einmal seine langjährige Erfahrung aus fast 40 Jahren aktivem Motorsport aus und schaffte es als einer von wenigen Startern, sein Auto in beiden Rennen unbeschadet ins Ziel zu bringen.
Nach Platz drei im ersten Lauf profitierte der Steuerberater im zweiten Rennen vom Ausfall seines Konkurrenten Erwin Lukas. Damit konnte Reich diesmal sogar als Zweiter die Ziellinie überqueren und in der Meisterschaft seine Tabellenführung deutlich vergrößern.
"Im ersten Rennen wurde ich durch die zahlreichen Unfälle aufgehalten und hatte danach keine Chance mehr, noch einmal an ‚Luky' heranzukommen. Aber dafür habe ich in Lauf zwei alles richtig gemacht. Wieder einmal hat sich die alte Motorsport-Weisheit bewährt, dass ein Rennen nicht in der ersten Kurve gewonnen wird", grinste der Routinier nach der Siegerehrung. Nach 9 von 15 Rennen führt Uwe Reich die Division drei der ADAC Procar jetzt mit 75 Zählern deutlich an, während Lukas, der nur in Lauf eins punkten konnte, 64 Zähler auf seinem Konto hat und nun an den verbleibenden drei Rennwochenenden elf Punkte Rückstand wettmachen muss.
Das Team Schlaug Motorsport aus Altenkirchen, welches die Fahrzeuge von Vater und Sohn Reich in der ADAC Procar Meisterschaft einsetzt, ist von Oschersleben aus direkt weiter in die Lausitz gefahren und wird bis zu den Rennen am kommenden Wochenende vor Ort beide Fahrzeuge wieder optimal vorbereiten.

Teamchef Manfred Schlaug: "An Uwe's Auto brauchen wir nur die üblichen Wartungsarbeiten auszuführen, aber auch der Renault Clio von Marc ist nicht so stark beschädigt, wie es von außen den Anschein hat. Bis zum ersten Training am Samstag sind beide Fahrzeuge wieder in einem Top-Zustand."
- F. Wagner / Pitwall Media - auch Photos
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