
Die Rallye Alpi Orientali hat sich Aaron Burkart als Testveranstaltung für die entscheidenden zwei Läufe der Junioren WM ausgesucht. Mit seiner Leistung ist der Student zwar ganz zufrieden, mit den kalkulierten Zeiten, die ihm angerechnet worden sind auf Grund von Unfällen auf den WPs ist er aber nicht einverstanden und protestiert nun gegen das Ergebnis.
Aaron Burkart erlebte bei der Alpi Orientali eine andere, für ihn bisher unbekannte Rallye-Welt mit einer eigentümlichen, man möchte fast behaupten willkürlichen Zeitenvergabe. Doch muss diese Geschichte der Reihe nach erzählt werden, um deren Tragweite für den modernen Rallyesport aufzuzeigen.
Am Freitag starteten die Piloten am späten Vormittag in die 44. Rallye Alpi Orientali. Für den Wahl-Berliner Burkart verliefen die ersten Wertungsprüfungen ohne größere Zwischenfälle, wenn auch ncht problemlos: „Der Asphalt ist nicht mehr so abbresiv wie ich ihn in Erinnerung hatte. Ich bin hier bereits 2003 im Rahmen der Fiat Stilo Trofeo am Start gewesen. Unsere Reifen waren nicht perfekt für den Belag, aber es war alles noch im grünen Bereich", erzählt Burkart. Was dann geschah sieht im Nachhinein aus wie ein erster Vorfall einer Kette von Ereignissen, die in ihrer Gesamtheit ein erschreckendes Bild abliefern.
Auf WP 3 musste Burkart mitten in der WP anhalten, weil das vor im gestartete Fahrzeug zunächst wegen eines Unfalls die Straße blockierte. Obwohl er für diese Verzögerung selbst nicht verantwortlich war, bekam er am Ende der WP trotz des Hinweises auf den Unfall vor ihm, keine Zeiten-Gutschrift.
Die sechste und damit letzte WP an Tag 1 wurde abgebrochen, weil ein Mitsubishi (Startnummer 16) einen Unfall hatte und die Straße blockiert war. „Jeder bekam eine Zeit gutgeschrieben. Diese wurden auf Grundlage der gefahrenen Zeiten aus WP 5 berechnet. Das ist ein Procedere, das nachvollziehen kann, auch wenn es für die Fahrer, die eine vergleichsweise schlechte Zeit in dieser einen WP gefahren sind - und zu den zählte ich leider auch- auch, von Nachteil ist", so der C2-Pilot, der am Ende des ersten Tages auf Platz 3 in Klasse A6 lag.
Am zweiten Tag kämpfte er sich am Konkurrenten Fornasiero vorbei - nur noch der Italiener Chentre lag vor ihm. „Auf der letzten WP wollten wir unseren minimalen Vorsprung von 0,3 Sekunden sichern. Doch WP 12 wurde ebenfalls abgebrochen." Auslöser wie auch am Freitag: Der Mitsubishi mit Startnummer 16. „Dieser war drei Autos vor uns gestartet. Fornasiero, unser Konkurrent kam am verunglückten Auto noch vorbei.
Als wir an de Unglücksstelle kamen, hatten die Piloten das inzwischen brennende Auto auf die Straße gerollt, so dass niemand mehr passieren konnte. Wir gaben ihnen unseren Feuerlöscher - so wie es auch Gassner tat, der nach uns an die Unglücksstelle kam", beschreibt Burkart die Situation.
Auch für diese WP wurde eine Zeit kalkuliert für alle Fahrzeuge, die nicht mehr vorbeikamen - allerdings diesmal auf Grundlage der Zeit, die der Führende (Rossetti) in WP 11 fuhr. Problem: Rossetti hatte zu diesem Zeitpunkt keinen dirketen Konkurrenten mehr und fuhr mit beruhigendem Vorsprung und ohne Druck.
Ein Vergleich: Im ersten Durchgang fuhren wir auf dieser WP folgende Zeit: 15.28,4 min. Unser Konkurrent Fornasiero 15:28.9 min.. Bei den jeweiligen zweiten Durchgängen waren wir beide immer schneller als beim ersten Mal. So Fornasiero auch in WP 12. Seine Zeit: 15.16,2 min..
Und unsere kalkulierte Zeit: 15.50,1 min. - ein Unterschied von über 30 Sekunden bei zwei Fahrern, die über die gesamte Rallye ähnliche Zeiten gefahren sind. „Ich frage mich, welche Schlüsse ich als Rallyefahrer daraus ziehen soll. Fahre ich das nächste Mal doch einfach weiter, um nicht wieder so einer kalkulierten Zeit ausgesetzt zu sein", fragt sich Burkart nun.
Das Team entschied gemeinsam, gegen diese berechnete Zeit, Protest einzulegen. Der Grund, warum bis heute noch kein offizielles Ergebnis der Rallye publiziert werden konnte.
Für Burkart geht es nun um den Sieg, denn der Führende Chentre musste in WP 12 die Rallye beenden. „Ich habe kein Problem damit, die Klasse nicht gewonnen zu haben. Aber ich habe etwas gegen eine ungerechtfertigte Zeitenvergabe. Entweder hätten alle Fahrer für WP 12 eine berechnete Zeit bekommen sollen oder die gleiche Zeit bekommen müssen. Dass ich aber meinen Vorsprung verlliere wegen einer kalkulierten Zeit - das ist für mich ein Grund, das Procedere der Zeitenberechnung in Frage zu stellen, weshalb wir nun protestieren", erklärt Burkart seine Situation.
Unterstützung hat er nun auch von Fahrer- und Beifahrerseite erfahren: „Heute habe ich eine E-Mail aus Italien bekommen, in der mir ein Fahrer und eine Beifahrerin aus zwei verschiedenen Teams schrieben, dass es die richtige Entscheidung gewesen ist, einen Protest einzulegen und dass sie das unterstützen", erzählt Burkart.
Wann über den Protest entschieden wird, ist unklar. „Schade, dass ich jetzt mit gemischten Gefühlen an die Veranstaltung zurückdenke, denn eigentlich ist eine eine sehr schöne Rallye gewesen, die für uns im Großen und Ganzen auch gut gelaufen ist," so Burkart abschließend.
-Aaron Burkart P - auch Photo