Kenneth Du bist diese Saison in die FIA-GT aufgestiegen und mauserst Dich immer mehr zum Profipiloten. Wie ist der schnelle Aufstieg zu erklären?
Kenneth Heyer: „Das ist etwas komplizierter. Ich habe schließlich erst ein paar Jahre auf dem Buckel und am Anfang hat jeder gesagt ich wäre nicht gut genug, zu wenig Talent. Wenn man das mal genau sieht war der Seat Cup als Einstieg viel zu schwierig. Du fährst kaum und trittst gegen knallharte Cup Spezialisten oder langjährige Kartfahrer an.
Erst nach dem Umstieg auf größere, schnellere Autos und der größeren Nettofahrzeit an den Wochenenden ging es richtig vorwärts. Letzte Saison konnte ich dann beim Georg Severich mit Ruhe und Rückhalt zeigen was für ein Talent vorhanden ist.
Das Talent vorhanden ist, habe ich ja wohl auch eindrucksvoll bewiesen. Jetzt habe ich in weniger als der Hälfte der Zeit im Vergleich zu den anderen Piloten den Sprung zu den Profis geschafft. Das Jahrhunderttalent was aus dem Einkaufswagen der Mutter in den Formel 1 springt gibt es nun mal gar nicht oder nur alle 100 Jahre. Ich brauchte etwas Zeit und nun bin ich fast da wo ich hinwollte. Die Rennerei ist ja auch etwas komplizierter als nur fahren."
Fast da? Wo soll es denn noch hingehen?
Kenneth: „Ich fahre jetzt zwar mit der FIA-GT eine Serie, wovon ich als undenkbares Fernziel geträumt habe, muss mich jetzt aber auch beweisen und mittelfristig in einem GT1 Auto landen. Ich denke FIA-GT oder DTM sind für mich Ziele die es zu verfolgen gilt. Ich werde weiterhin hart arbeiten und den Leuten auch weiterhin beweisen, dass Sie am Anfang zu 100% falsch lagen.
Ich bin mir meines Talents mittlerweile sehr sicher und weiß weites gehend was ich da mache. Ich brauche allerdings noch 1-2 Jahre. Viele von damals kommen natürlich auch heute und sagen, dass Sie immer schon wussten, ich sei so gut und mache meinen Weg. Ja, ja so ist das nun mal die so genannten "Freunde"."
FIA-GT in der G2 Klasse warum?
Kenneth: „Weil es für das neue Team GoToOne rund um Wolfgang Koepp die finanziell logischste und sportlich sinnvollste Nummer ist. Wir können direkt zwei Autos einsetzen und uns ein Jahr lang auf das Niveau dieser Serie einschießen sportlich wie auch hinsichtlich dem Umfeld, soll heißen vom Auftritt bis hin zu den inneren Abläufen. Klar will man dauerhaft GT1 machen."
Was sind Deine Ziele? Wo siehst Du Euch? Jetzt und in naher Zukunft?
Kenneth: „Status Quo ist, dass wir in Silverstone mit beiden Autos ankommen wollen. Für Monza sind wir dann sportlich sehr viel besser aufgestellt. Es sind noch viele Dinge in der Pipeline und werden technisch bis Monza dem Paket zugefügt.
Mittelfristig GT2 Mittelfeld und evtl. sogar ein wenig mehr sollte das diesjährige Ziel sein. Ich möchte mich in der FIA-GT etablieren und weiter dazulernen. In der ADAC GT Masters wollen wir als Zweitprogramm starten und da ganz vorne mitmischen."
ADAC GT Masters wird ja wie die meisten nationalen Serien mit GT3 Fahrzeugen gestartet. Womit und bei wem fährst Du denn?
Kenneth: „Nach Silverstone geben wir ein Paket bekannt, dass meiner Meinung nach wirklich konkurrenzfähig ist. Hier wollen wir klar angreifen und in Deutschland Podiums einfahren. Ich habe bereits letzte Saison viele gute Rennen bestritten obwohl wir bei GS mit der Dodge keine wirklich schlagkräftige Waffe hatten. So gesehen sollten wir diese Saison mit dem richtigen Gefährt gut aussehen."
Was macht Kenneth Heyer, wenn er keine Rennen fährt?
Kenneth: „Ich bin im eigenen Familienbetrieb mit meinem Cousin in leitender Funktion 24Std eingespannt und muss mir jede freie Minute für die Rennerei erarbeiten. Wir verstehen uns geschäftlich und privat blendend und sind die dritte Generation. Bei uns wird Familienbetrieb noch gelebt.
Anstrengend aber auch mit den nötigen Spaßanteil gehe ich in der Rolle voll auf und gehe gerne arbeiten. Wenn Freizeit, dann mit Freunden essen gehen oder einfach so Familie im Ganzen genießen. Urlaube sind schon etwas her, denn alles geht nun mal nicht. Konzentration gilt der Firma und der Rennerei, dafür lebe ich nun mal."
Willst Du in Zukunft auch mal alles etwas ruhiger angehen lassen oder nimmst Du Leute wie einen Striezel Stuck als Vorbild?
Kenneth Heyer: „Wie ist das gemeint? Der Striezel ist einer der besten deutschen Piloten aller Zeiten, wenn ich jemals annähernd so gut und jahrelang erfolgreich werden sollte, dann ist er schon ein Vorbild.
Wenn es auf die Tatsache anspielt, dass er trotz seines Alters im Gegensatz zu meinem Vater zum Beispiel immer noch fährt, kann ich das jetzt noch nicht beurteilen. Momentan würde ich sagen, hoffentlich kann ich fahren bis ich umfalle, aber wer weiß wie man in Jahren denkt.
Man muss ja auch erst einmal gut genug sein um lange fahren zu dürfen, oder?"
Es gibt ja momentan einen Rennfahrersöhne Boom, wie siehst Du eine solche Entwicklung?
Kenneth: „Ich sehe zumindest nichts Negatives darin. Oberhammer wäre doch, wenn Johannes Stuck, Sebastian Asch, Matthias Lauda, die Bleekemolen, Ich und weitere mal irgendwo in einer Serie entweder zusammen oder Gegeneinander antreten würden.
Es entstehen bestimmt einige Aufeinandertreffen oder Paarungen daraus in den kommenden Jahren. Ich selber verfolge auch die Namen der anderen und obwohl ich Sie teilweise gar nicht kenne freue ich mich für den ein oder anderen dann. So zum Beispiel beim Stuck Junior und seine Chance diese Saison in einem Top 997 RSR auf der Langstrecke zu starten. Ist doch klasse."
Wir wünschen Dir für diese Saison alles Gute und bedanken uns für die offenen Worte.
Kenneth Heyer: „Vielen Dank und bis demnächst."
- Commedia, Koepp -
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