Ein Saisonrückblick
Oktober 2007: Mit nur einem Punkt Rückstand auf den neuen Champion Kimi Räikkönen wird der F1-Rookie Lewis Hamilton Vizemeister. Einhellig herrscht die Meinung: Der Senkrechtstarter im Team McLaren-Mercedes wird das Versäumte 2008 nachholen und sich die WM-Krone mit einem Jahr Verspätung aufsetzen.
März 2008: Lewis Hamilton gewinnt im Melbourner Albert Park das Auftaktrennen der neuen Formel 1-Saison und wird damit den optimistischen Prophezeiungen gerecht.
April 2008: Der brasilianische Ferrari-Pilot Felipe Massa hat nach zwei WM-Läufen noch kein einziges Pünktchen auf seinem Konto. Speziell in Italien und Deutschland bläst dem Südamerikaner seitens der Medien heftiger Wind ins Gesicht: Die Ablösung des ehemaligen Lieblings-Teamkollegen Michael Schumachers wird gefordert.
Juni 2008: Der voreilig abgeschriebene Felipe Massa führt das Zwischenklassement mit 48 Zählern an. Rang zwei belegt weder Lewis Hamilton, noch Kimi Räikkönen, sondern… der BMWPilot Robert Kubica, dessen Stallgefährte Nick Heidfeld hinter Räikkönen und Hamilton auf dem fünften Platz rangiert.
An Spannung lässt die Formel 1-Saison 2008 also nichts zu wünschen übrig. Dreimal gewann Massa, je zweimal Räikkönen und Lewis, und einmal triumphierte Kubica. Um dem aktuell vorherrschenden Sprachgebrauch gerecht zu werden: Zur Zeit spricht alles für eine Entscheidung im Elfmeterschießen - sprich: Die Entscheidung im Titelkampf wird zum letztmöglichen Zeitpunkt fallen.
Nichts scheint vorhersehbar, aber eines zeichnet sich überdeutlich ab: Das Duell Rot contra Silber des Vorjahres hat sich inzwischen zu einem Dreikampf entwickelt, denn neben den zwei bewährten Größen mischt nun auch BMW mit. Weder Fachleute noch Fans hätten es vor Saisonbeginn gewagt, auch nur einen Cent darauf zu wetten, dass der polnische BMW-Pilot Robert Kubica das Zwischenklassement nach sieben der 18 WM-Läufe anführen würde.
Tatsächlich gelang dem Punktejäger aus Krakau dieses Kunststück, auch wenn er aktuell zwei Pünktchen hinter Spitzenreiter Massa zurückliegt.
Die Besucher des Großen Preis Santander von Deutschland, der vom 18. bis 20. Juli auf dem traditionsreichen Hockenheimring ausgetragen wird, dürfen sich entsprechend freuen.
„An Sieganwärtern wird es beim Deutschen Grand Prix nicht mangeln", freut sich Georg Seiler, Geschäftsführer der Hockenheim-Ring GmbH, „Die Piloten der Scuderia Ferrari haben den Vorteil, für ein extrem erfolgreiches Team anzutreten. Jedes Mitglied des italienischen Rennstalls kennt das Erfolgsrezept der Branche.
McLaren-Mercedes setzt nicht nur auf den ‚Wunderknaben’ Hamilton, sondern hat mit dem Finnen Heikki Kovalainen ein zweites Eisen im Feuer, dessen erster F1-Sieg inzwischen statistisch überfällig ist," so der erfahrene Motorsport-Spezialist weiter, „Erst in Magny-Cours bewies er, zu welchen Leistungen er fähig ist."
Was der deutsche Grand Prix aus Sicht der Silberpfeile - die diesen Klassiker bereits in den 20er und 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts siebenmal für sich entscheiden konnten - wert ist, steht ohnehin außer Frage. Und gerade "zu Hause" will natürlich auch der neue Dritte im Bunde der Favoriten, BMW, glänzen. Die Weißblauen hatten sich selbst zum Ziel gesetzt, 2008 den ersten F1-Sieg heimzufahren, was durch den Doppelerfolg in Montreal eindrucksvoll realisiert werden konnte.
Weil die im schweizerischen Hinwil präparierten und von Motoren aus dem Münchner Stammwerk angetriebenen Boliden regelmäßig in die Punkte fahren, mischen sie die zuvor von Rot-Weiß beherrschte Szene gewaltig auf. Gleich beide Fahrer der Theissen-Truppe rangieren aktuell in der Top-Five der Fahrer-Wertung. Prompt werden Erinnerungen an Präzedenzfälle wach: 1982 war Keke Rosberg, der Vater des aktuellen Williams-Piloten Nico Rosberg, ganz sicherlich nicht das heißeste Eisen im Titelkampf.
Letztlich aber triumphierte er - nach nur einem Sieg und neun weiteren Platzierungen in den Punkterängen. Nachdem diese "Minimallösung" zuvor nur einem einzigen F1-Pioten - Mike Hawthorn 1958 - gelungen war, wäre es eigentlich wieder einmal an der Zeit, dass dem Champion ein Volltreffer zum Titelgewinn ausreicht…
Aber noch ist dieses Rennjahr der Überraschungen lang, und nach acht WM-Läufen kann rechnerisch noch jeder Einzelne der insgesamt 20 Akteure Weltmeister werden. Und daran wird sich vorläufig auch nichts ändern. Auch auf dem Hockenheimring wird es für keinen Piloten das rechnerische Aus geben. Den Fight an der Spitze wird das nicht beeinflussen.
Wahrscheinlich wird eines der drei Top-Teams Ferrari, McLaren-Mercedes und BMW den Sieger des Großen Preis Santander von Deutschland stellen, aber im "verrückten" F1-Jahr 2008 sollte sich dessen niemand zu sicher sein…
Wer dabei sein will, muss sich beeilen! Der Ticketvorverkauf schließt am 11. Juli. Tickethotline 06205-950222 und www.hockenheimring.de/formel1
www.hockenheimring.de.
- Yvonne Blaull-
More reports from this category all copyright automobilsport.com.