In knapp einem Monat, am 5./6. April, fällt in Bagnols-Sabran, etwa 40 km nordwestlich von Avignon, der Startschuss zur diesjährigen französischen Bergmeisterschaft. Schon jetzt zeichnen sich einige Neuerungen ab, welche mit Sicherheit für Spannung sorgen werden.
Neu ist beispielsweise, dass erstmals in Frankreich neben den bisherigen Serien-GT auch verbesserte GranTurismo (zB Porsche GT2, Dodge Viper…), aber auch ex-DTM- oder WTCC-Fahrzeuge zugelassen sein werden, dies allerdings zumindest dieses Jahr noch ohne Meisterschaftspunkte sammeln zu können.
Leider fiel diese seit langem geforderte Entscheidung erst sehr spät, sodass vorerst bestenfalls sporadisch mit solchen « Exoten » zu rechnen sein wird.
Ebenfalls als Versuchsballon wird bei einigen der Meisterschaftsläufe ein « Masters-Finale » ausgetragen, an dem die 20 Ersten der Gesamtwertung, die drei Erstplazierten jeder Gruppe sowie alle ( !) Klassensieger startberechtigt sind. Auch hier geht es jedoch vorerst nur um die goldene Ananas, Punkte werden keine ausgeschüttet.
Neu ist auch, dass neben der den französischen Lizenznehmern vorbehaltenen Landesmeisterschaft auch eine « Open »-Wertung für ausländische Fahrer ausgeschrieben wird. Hier werden vor allem eine Handvoll Briten, darunter Colin LeMaitre und Duncan Barnes auf ihren aus der Formel 3 stammenden Dallara F300 bzw. F301 um Punkte kämpfen, aber auch der Luxemburger Frank Maas, der inzwischen bekanntlich den ex-Hauser-Reynard-Ford 93D F3000 gekauft hat, überlegt, eventuell vermehrt in Frankreich Erfahrung zu sammeln.
Die wichtigste technische Reglementsänderung gibt es in der Gruppe CN : erstmals dürfen die Sportwagen mit Sechsganggetriebe ausgestattet werden, was jedoch die bisherigen Osella-Fahrer vor ein unlösbares technisches Problem stellt. So hat Vorjahres-Vize-Meister und CN-Champion Cyrille Frantz inzwischen kurzerhand vom bisherigen Osella PA20S auf einen Norma M20 umgesattelt, während sein Vorjahres-Erzrivale Eric Pernot derzeit seinen Osella zum Kauf anbietet, wobei von dessen Verkauf die Zukunft des schnellen BMW-Händlers aus dem Jura abhängen wird.
Vom ebenfalls Umstieg auf Norma, dem erstmaligen Bergeinsatz eines Ligier CN, dem Umstieg auf einen F3000, einen Tourenwagen oder gar dem Karriereende (oder –pause) ist derzeit alles denkbar. Zumindest die Alternative Ligier scheint jedoch durchaus nicht abwegig, wollen ex-F1-Teamchef Guy Ligier und sein Partner Tico Martini doch künftig die bisherigen Rundstreckenerfolge auch am Berg in Siege umsetzen, was wohl nur mit einem Top-Sportwagenspezialisten denkbar erscheint.
Neben Cyrille Frantz, Alain Castellana und Daniel Bassora wird dieses Jahr aber auch Christophe Malateste einen 3 Liter-Norma einsetzen, nachdem er im Vorjahr bereits im Norma-Honda 2L für Furore sorgte und sogar beim Auftaktrennen in Bagnols-Sabran zum Gesamtsieg kam. Während Franck Cannata erneut auf seinen Osella-BMW 3L vertraut, steigt Youngster Terence Reynaud vom Norma mit 1300er-Suzuki-Motorradmotor nun auf einen 2 Liter-Norma (angetrieben entweder von einem Honda- oder aber Renault-Motor) um.
Wird das Sportwagenfeld demnach mächtig neu gemischt, so gilt dies erst recht für die F3000-Riege. Hier stapelt der inzwischen dreifache Meister Lionel Regal zugleich tief als auch hoch : Einerseits wolle er eigentlich in erster Linie so viel wie möglich Rennen bestreiten, ohne dabei notwendig einen Titel einzuheimsen, andererseits befinden sich unter den 28 vorgesehenen Einsätzen sowohl der gesamte EM-Terminkalender als auch die kompletten Läufe zur französischen Bergmeisterschaft.
Einzig bei vier Terminkollisionen muss sich der Streckenleiter der Eisrennstrecke von Val Thorens zwischen EM und nationalem Championnat entscheiden : « In den meisten Fällen hab ich zumindest für mich bereits eine recht klare Vorstellung, jedoch kann der Saisonverlauf durchaus noch kurzfristig meine Pläne ändern. » Wenn das nicht dann doch so klingt, als sei alles andere als einer der beiden Titel, am liebsten jedoch gleich beide, das wirkliche Saisonobjektiv ?
Welche Meisterschaft er denn schwieriger einstufe, beantwortet Regal eher salomonisch : « In Frankreich ist die Konkurrenz wesentlich stärker, in der EM werden die neuen Strecken die grösste Herausforderung, die Fahrer, in Abwesenheit von Ander Vilarino, hatte ich bislang eigentlich stets im Griff. »
Interessant ist übrigens, dass Regal, der seinem eigenen Einsatzfahrzeug (Reynard-Mugen Nippon) eine Motorrevision kredenzte, nachdem er « leichte Leistungseinbussen gegenüber der Konkurrenz » festgestellt hatte, einen zweiten Reynard-Nippon bereit stehen hat, den er – zwecks Aufbesserung des nach diverser Sponsorabsprünge etwas schmaleren Budgets – als Mietfahrzeug anbietet.
Interessenten finden die je nach Rennen vorgesehenen Mietpreise übrigens auf Lionels Internetseite www.equiperegal.com unter der Rubrik « L’Equipe, les prestations disponibles », dann « Plus de renseignements ». Auch ein Tatuus Formel Renault 2.0 ist im Mietwagenfuhrpark vorgesehen.
Dass es Regal in seiner Heimat nicht langweilig wird, dafür sorgt das weiter erstarkte F3000-Feld. Nach seiner hervorragenden Saison 2007 und dem gelungenen Umstieg auf den ex-Chamberod-Reynard-Ford 92D will Fabien Frantz dieses Jahr endlich seine(n) erste(n) Sieg(e) feiern. Auch Sebastien Petit im Reynard-Ford 95D hofft endlich an frühere Sportwagenerfolge anzuknüpfen, derweil Alban Thomas im Lola-Judd B99/50 ebenfalls nach seinem Bagnols-Sabran-Gesamtsieg 2006 endlich wieder nach Siegerlorbeer lechzt.
Doch besonders den Newcomern im Feld wird reichlich Aufmerksamkeit gelten. Wobei zumindest Stephane Baudin eigentlich alles andere denn ein F3000-Neuling ist, die beiden vergangenen Saisons jedoch abschreiben musste, nachdem er zuerst ein Jahr lang auf den in Japan bestellten Reynard-Nippon warten musste, der dann auch noch massiv technische Macken an der Elektronik aufwarf, bevor Baudin Ende vergangener Saison endlich wieder ins Geschehen eingreifen konnte. Auch Daniel Allais hatte im Vorjahr reichlich technische Probleme, dürfte aber nun auch die japanischen Geister ausgetrieben haben.
Mit 22 Jahren konnte Nicolas Schatz im Vorjahr gegen Saisonmitte den Aufstieg vom Dallara mit Hayabusa-Motorradmotor auf den Lola T94 F3000 überaus erfolgreich bestehen und sicherte sich gar beim Saisonfinale in Limonest erstmals einen Podiumsplatz, nun gesellt sich ihm ein noch jüngerer Grünschnabel zur Seite : der 20-jährige Elsässer Billy Ritchen, der im Vorjahr im Tatuus Formel Renault so manchen F3-Fahrer mächtig demütigte, hat sich dank Liqui Moly-Unterstützung einen Lola-Cosworth 99/B50 beim Südtiroler Franz Tschager gesichert.
Last but not least wagt aber auch der 28-jährige Benoit Bouche, bislang zweifelsohne erfolgreichster und angriffslustigster F3-Fahrer, den Sprung in die Königsklasse, dies auf einem mit Regals Fahrzeug identischen Reynard-Nippon, angetrieben vom ex-Vilarino-Mugen-Honda-Motor.
Sicher muss man den drei Youngsters eine gewisse Eingewöhnungszeit zugestehen (die hoffentlich unfallfrei bleiben wird), bevor man sie ganz vorne erwarten sollte, doch zumindet scheint so Frankreichs Bergzukunft langfristig gesichert.
In wiefern man auch wieder mit Vater Jean-Louis und Sohn Antony Neveu im F3000-Feld rechnen darf, bleibt vorerst abzuwarten, derzeit herrscht aus der winterlichen Savoie noch Schweigen über die Saisonplanung, nachdem sich Antony vorerst einmal der Familienplanung widmete und Jean-Louis ein zweites Enkelkind schenkte.
- Patrick WEBER -