
„Taktisch fahren" hieß Patrick Anglades Motto für die Ostsee Rallye und zunächst schien das die richtige Strategie zu sein. Nach den ersten drei Wertungsprüfungen führte der 20-Jährige das HJS Diesel Rallye Masters an. Beim zweiten Durchgang hatte der Youngster deutlich mehr Probleme, schließlich absolvierte er Teile von WP 6 im Notprogramm und mit verbrannter Hand.
Es hatte am vergangenen Wochenende tatsächlich den Anschein als ob sich Patrick Anglade doch noch mit den Rallyestrecken in Norddeutschland angefreundet hatte. Der Saarländer absolvierte die erste Schleife überlegt: „Die ersten zwei Wertungsprüfungen waren beide mit ca. 3 Kilometern relativ kurz. Für uns war klar, dass wir dort nicht viel gewinnen können.
Interessant hingegen war die dritte WP auf dem Militärgelände. Rund 20 Kilometer waren auf dem unebenen Gelände zu absolvieren, dort wollten wir Zeit herausholen." Das gelang ihm problemlos. Dem bis dahin Führenden nahm er über 10 Sekunden ab und setzte sich somit an die Spitze des Diesel-Feldes.
Auch der zweite Durchgang begann mit einer Bestzeit: „Bis jetzt läuft alles einwandfrei und genauso wie wir es uns vorgestellt haben. Doch einfach wird es nicht sein. Vor allem die WP „Putlos" hat es in sich", erklärte Anglade. Doch bevor er überhaupt das zweite Mal auf den Truppenübungsplatz fahren konnte, erschreckte er die Zeitnehmer der WP 5 kurzfristig mit einer unbeabsichtigten Vorführung.
„Das Ziel lag ganz kurz vor einer sehr engen Linkskurve. Ich habe angebremst, runtergeschaltet, aber für die Kehre hat es nicht mehr gereicht. Wir sind geradeaus in einen Maschendrahtzaun gefahren", so Anglade. „Auf den ersten Blick sah man kaum etwas. Der Kühler hatte ein kleines Loch, aber es schien nicht viel Wasser auszutreten, so dass wir weiterfahren konnten." Doch die rauen Wege auf der nun anstehenden WP „Putlos" kamen dem angeschlagenen Astra nicht entgegen.
„Wahrscheinlich ist durch die zunehmenden Vibrationen deutlich mehr Wasser ausgetreten als wir anfänglich gedacht hatten", vermutet der Pilot. „Das Notprogramm ist angesprungen, die Wasserlampe ist angegangen – da mussten wir handeln. Wir sind in der WP an die Seite gefahren und wollten Wasser nachgießen. Der Ausgleichsbehälter stand aber unter enormen Druck, so dass mir beim Öffnen das heiße Wasser mit rund 150 Grad entgegenkam und über die Hand lief.
Ich habe darüber aber gar nicht weiter nachgedacht, sondern den Handschuh ausgezogen und das Wasser nachgefüllt, damit wir weiterfahren konnten", schildert Anglade den Ablauf. Doch das nachgefüllte Wasser lief schneller wieder aus als Anglade im Notprogramm mit nur 80 km/h die Prüfung beenden konnte: „Wir mussten uns dann noch in den Service-Park retten, was bedeutete, dass wir ca. 7 Kilometer ohne Wasser fahren mussten."
Dort wurde schnell gehandelt, das Problem analysiert, der Kühler getauscht und natürlich die Hand des Piloten medizinisch versorgt. Für Anglade bedeutete das zunächst, dass er – trotz schwerer Verbrennungen an der Hand- erneut auf die Strecken gehen konnte, obwohl nicht auszuschließen war, dass der Motor Probleme machen könnte. „Ich war erstmal froh, dass wir weiterfahren konnten und auf der kommenden WP sah auch alles gut aus.

Wir sind die viertschnellste Zeit gefahren und ich wagte es, auf die Zielankunft zu hoffen", so der Youngster. Doch schon auf der folgenden Verbindungsetappe musste er alle Hoffnungen begraben. „An einer Kreuzung ging auf einmal gar nichts mehr. Das Auto ging aus und bewegte sich kein Stück mehr."
Und als Anglade Bilanz zieht, kann er seine Enttäuschung nicht verbergen: „Das hatte ich mir natürlich anders vorgestellt, aber wir haben immer noch zwei Rennen in dieser Saison vor uns. Da werde ich auf jeden Fall alles geben und versuchen, meine Platzierung in der Meisterschaft zu verbessern."
Ein kleiner Lichtblick für den schnellen Saarländer: Am kommenden Wochenende steht seine Heimveranstaltung rund um Merzig und Dillingen an: „Bekannte WPs, bekannte Gesichter an den Strecken – darauf freue ich mich jetzt schon!"
- Katharina Brüggmann - photos Anglade