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23.07.2008

"Persönliche" Krebsvakzine aus Tabakblättern

Die Tabakpflanze, deren getrocknete und fermentierte Blätter für eine Vielzahl von Krebserkrankungen verantwortlich ist, könnte ironischerweise zur Behandlung eines bestimmten Malignoms beitragen: als Produktionsort für einen Impfstoff gegen B-Zell-Lymphome, wie US-Forscher in den Proceedings of the National Academy of Sciences (2008, doi: 10.1073/pnas.0803636105) berichten.

Follikuläre B-Zell-Lymphome bestehen aus Plasmazellen. Wie diese bilden sie Antikörper, und da Malignome typischerweise aus Zellklonen bestehen, bilden alle Zellen eines B-Zell-Lymphoms den gleichen Antikörper (oder Teile davon). Diese Antikörper werden auch auf der Oberfläche der Zellen als Antigen exprimiert und können deshalb als Erkennungssignal für die körpereigene Krebsabwehr dienen. Die therapeutische Zufuhr dieser Antigene wird auch als Krebsimpfung bezeichnet.

Wegen der Vielfalt der möglichen Antikörper bilden die B-Zell-Lymphome von zwei Patienten praktisch nie die gleichen Antikörper. Es muss deshalb für jeden Patienten ein anderer Impfstoff geschaffen werden. Dies scheiterte bisher daran, dass die Antikörper normalerweise in tierischen Zellkulturen hergestellt werden. Dies ist relativ umständlich und von der Identifizierung der Antikörper bis zur Produktion vergehen in der Regel mehrere Monate und damit kostbare Zeit für den Krebspatienten.

Schneller, einfacher und damit wahrscheinlich auch kostengünstiger können Antikörper mit Pflanzen hergestellt werden. Eine seit langem etablierte Methode verwendet das Tabakmosaikvirus, um Gene in die Zellen der Blätter von Tabakpflanzen zu schleusen. Die Genprodukte, in diesem Fall Antikörper, können später aus den Blättern geerntet werden.

Die Trennung von dem Pflanzenmaterial ist zwar selten perfekt. Häufig liegen die Antikörper in „bezuckerter" glykolysierter Form vor. Aber auch hier könnte die Verwendung von Planzen von Vorteil sei. Da diese einen anderen Zucker enthalten als tierische Zellen, könnte dies die Immunabwehr eher verstärken, schreibt die Gruppe um Ronald Levy von der Stanford Universität in Kalifornien.

Die Forscher haben mithilfe einer Firma in Arizona in Tabakpflanzen individualisierte Impfstoffe für 16 Patienten hergestellt. Die Patienten konnten mit den gleichen Antikörpern geimpft werden, welche auch die Zellen ihrer follikulären B-Zell-Lymphome bildeten.

Die Patienten wurden in einer Frühphase des Malignoms, das zu den Non-Hodgkin-Lymphomen gehört, behandelt. Ob die Therapie wirksam war, kann in einer Phase-I-Studie (ohne Kontrollgruppe) nicht bewertet werden. Alle Patienten vertrugen die Therapie gut, versichert Levy. Bei mehr als 70 Prozent kam es zu einer humoralen Immunantwort.

Das heißt: Das Abwehrsystem bildete Antikörper gegen die Antikörper der Lymphomzellen. Damit ist die Voraussetzung für eine antitumorale Wirkung geschaffen. Ob die Impfung allerdings auch zur effektiven Vernichtung des Tumors führt, bleibt abzuwarten.

Im Prinzip müsste nur eine einzige Tumorzelle der Immunattacke entkommen und sich per Mutation gegen die Bildung der Antikörper "entscheiden", die sie für das Immunsystem verdächtig macht. Eine derartige Resistenzentwicklung ist bei Krebszellen keineswegs ungewöhnlich, weswegen es völlig verfrüht wäre, von einem Durchbruch zu sprechen. Der nächste Schritt besteht in einer Phase-II-Studie, welche die Forscher angekündigt haben.

© rme/aerzteblatt.de   weitere Informationen unter www.aerzteblatt.de





Author: maggy (admin2)
Last modified: Wednesday, 23.07.2008 - 12:46
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