
Der Technische Direktor des ING Renault F1 Teams über den bisherigen Saisonverlauf und die Erwartungen fürs kommende Wochenende.
In den vergangenen Wochen gelang ING Renault F1 ein großer Sprung nach vorn, wie nicht zuletzt die Punkte beim Türkei-Grand Prix beweisen. Wie fühlt es sich an, endlich die Früchte seiner harten Arbeit ernten zu könnne?
Bob Bell Ich bin sehr stolz auf das Team und den großen Einsatz, den jeder Einzelne gezeigt hat. Dass es sich gelohnt hat, zeigen die jüngsten Ergebnisse. Hinter den Kulissen herrschte in den vergangenen Wochen geschäftiges Treiben, unsere Mitarbeiter haben unzählige Überstunden angesammelt. Jetzt ist es für alle ein befriedigendes Gefühl zu sehen, dass es sich auszahlt.
Fernando Alonso zeigte in Istanbul eine ganz starke Leistung und wurde Sechster. Das muss ein enormer Motivationsschub für alle im Team gewesen sein ...
BB In der Tat stieg die Moral merklich an. Wir geben uns aber keinerlei Illusionen hin und wissen, dass wir noch weitere Fortschritte machen müssen. Wir wussten vor Barcelona und Istanbul, dass wir den Abstand zu den führenden Teams verkürzen würden, waren uns aber im Klaren darüber, dass wir nicht auf einmal an der Spitze stehen würden.
Es ging uns vor allem darum, uns deutlicher vom Mittelfeld abzusetzen. Diesen Vorsatz konnten wir umsetzen und so die Motivation im Team steigern.
Stimmen Sie der Behauptung zu, dass sich ING Renault F1 als viertschnellstes Team im Feld etabliert hat?
BB Ich denke, dass kann man so sagen. Diese Position wollen wir am kommenden Wochenende in Monaco ausbauen. In den kommenden Grands Prix wollen wir zudem die Lücke zu den führenden Teams kontinuierlich reduzieren. Die jüngste Steigerung unserer Performance ist nur der erste von vielen Schritten, die wir in dieser Saison noch gehen müssen.
Nelson Piquet hat bislang fünf Formel 1-Grand Prix absolviert. Wie hat er sich im Rennteam eingefügt?
BB Bestens. Seine Beziehung zum Team ist einwandfrei, er kommt mit allen sehr gut aus. Wir dürfen nie vergessen, dass er als Rookie sich noch mitten im Lernprozess befindet und die Formel 1 für jeden jungen Rennfahrer eine enorme Umstellung bedeutet.
Auf Kursen, die er gut kennt – Barcelona zum Beispiel –, erledigt er einen außergewöhnlichen guten Job. Auf ihm weniger bekannten Strecken fällt es ihm schwerer.
Sein Rennen in Istanbul wurde maßgeblich von seiner schwachen Vorstellung im Qualifying beeinflusst. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass er in Monaco zurückschlagen wird. Er ist jung, er ist talentiert, und er lernt aus seinen Fehlern. Ich gehe davon aus, dass er in Zukunft immer stärker wird.
Was können Sie uns zum aktuellen Entwicklungsstand des Renault R28 sagen? Irgendwelche neuen Komponenten für Monaco?
BB Für den Straßenkurs in Monte Carlo haben wir wie in jedem Jahr ein ganz spezielles Gesamtpaket geschnürt, weil die Anforderungen schlichtweg einmalig sind. Es ist eine Strecke, die nach einem hohen Abtriebsniveau und größerem Lenkeinschlag verlangt.
Wir fahren mit einem recht ungewöhnlichen Set-up, das die Besonderheiten des Kurses berücksichtigt. Darüber hinaus setzen wir auch einige neue Komponenten ein, von denen wir uns in den bevorstehenden Rennen weitere Schritte nach vorn versprechen.
Der Grand Prix von Monaco zählt zu den besonders anspruchsvollen Saisonläufen. Warum genau?
BB Es handelt sich um eine schwierige Strecke, die kaum Überholmöglichkeiten bietet und auf der die Erfahrung besonders zählt. Traditionell kommt es in Monte Carlo immer zu besonders vielen Zwischenfällen, der Raum für Fehler ist einfach extrem knapp bemessen.
Durch den Wegfall der Fahrer-Assistenzsysteme kann die Zahl der Ausrutscher sogar noch steigen. Vor diesem Hintergrund zähle Fernando am kommenden Wochenende zu den großen Favoriten, denn er präsentiert sich derzeit in absoluter Topform und kann das Maximum aus dem R28 herausholen.
Sie blicken dem kommenden Wochenende also optimistisch entgegen?
BB Ja, ich glaube, dass wir in Monaco einiges erreichen können. Die Strecke sollte dem Renault R28 liegen, sodass Fernando und Nelson das Maximum aus ihren Wagen herausholen können. Zusammen mit den neuen Entwicklungen, von denen wir uns weitere Fortschritte versprechen, haben wir allen Grund zu vorsichtigem Optimismus.
- Mischa Hammann, Renault Deutschland AG- photo Bridgestone