Andree/Lienhard jr. gewinnen Reinoldus Rennen, Nicht-Start von Lips/Lips/Herter

Ulli Andree und Fredy Lienhard jr. gewannen das samstägliche Reinoldus Rennen, den fünften Durchgang der DLM. Das Volvo Duo experimentierte mit einer gewagten Ein-Stopp-Strategie – ein Poker, der voll aufging. Der zweite PSR Volvo S60 von André Lips/Remo Lips/Stephan Herter konnten wegen eines Wasserlecks in der Qualifikation nicht am Rennen teilnehmen.
Seit Saisonbeginn fährt der ehemalige Sport-Prototypen-Pilot Fredy Lienhard jr. aus der Schweiz im PSR-Team. Sein ganz spezieller Fahrstil brachte das Team auf ein Strategie-Wagnis, das am Sonnabend zum ersten Mal ausprobiert wurde. „Schon bei seinen ersten Runden fiel uns auf", notierte Teamchef Danny Berk, „dass er weniger Benzin verbraucht als die meisten anderen Piloten."
Lienhard erklärt das mit seiner Sportwagen-Vergangenheit: „Bei den Langstreckenrennen im Sport-Prototypen, etwa den 24 Stunden von Daytona, gewöhnte ich mir von Beginn an einen sanften Umgang mit dem Gaspedal und ein möglichst frühes Schalten an. Denn verbrauchseffektives Fahren ist bei den Prototypen-Rennen ein Mittel zum Erfolg. Dieser Fahrstil ist mir dann in Fleisch und Blut übergegangen – sodass ich ihn im Volvo an den Tag gelegt habe, ohne groß darüber nachzudenken."
Berk fiel nach der Analyse der ersten Rennen auf: Bislang hat der Volvo mit einer Tankfüllung noch nie mehr als 11 Runden im normalen Rennbetrieb zurückgelegt. Fredy hat uns aber gezeigt, dass sogar 13 Runden möglich sind." Deswegen entschied sich der Adenauer zu einer zweispurigen Taktik: André Lips/Remo Lips/Stephan Herter sollten eine normale Zwei-Stopp-Strategie mit gleichmäßig untereinander aufgeteilten Törns fahren, Andree/Lienhard dagegen mit nur einem Boxenhalt über die Distanz kommen.
Doch der direkte Vergleich musste ausfallen. Remo Lips befand sich gerade auf seiner ersten Runde in der Qualifikation, als ein Wasserschlauch vom Kühlkreislauf Leck schlug. „Wir versuchten noch, den Schaden zu reparieren", bedauert Berk. „Aber als wir den Motor wieder anließen, hörten wir komische Geräusche. Der Folgeschaden im Inneren war so groß, dass ein Motorwechsel nötig ist. Das brachte André Lips/Remo Lips/Stephan Herter um die Chance auf ein Top-Resultat. Es wird Zeit, dass wir beide Autos konstant einsetzen."
Andree, holte sich derweil die Pole Position. Lienhard fuhr den Start und setzte sich sofort in Führung. Der Eidgenosse fuhr sich ein Polster heraus, hielt sich aber streng an den Sprit-Spar-Fahrplan. „Das fiel mir nicht schwer: Ich fuhr einfach so, wie ich immer fahre."
Sein Vater, der erfolgreiche und weltbekannte Sport-Prototypen-Pilot Fredy Lienhard, guckte sich das neue Umfeld seines Sohnes zum ersten Mal selbst vor Ort an. „Ich arbeitete mich rund um die Nordschleife und schaute auch sehr genau, wie sich mein Sohn und das Team anstellen", berichtete Lienhard. „Ich muss vor den Jungs wirklich den Hut ziehen. Die Mannschaft steht in Sachen Professionalität und Leidenschaft den Teams, für die ich den USA und Europa gefahren bin, in nichts nach. Die machen wirklich gute Arbeit."

Das tat auch sein Sohn, der die geforderten 13 Runden inklusive Einführungsrund fuhr und den Volvo S60 danach in Führung liegend an Ulli Andree übergab. Der Kölner fuhr das Rennen im selben Stil zuende und landete einen sicheren Sieg, der ihn in der Gesamtwertung sogar vor das beste Auto der höheren Dreiliter-Klasse brachte.
„Wir kamen durch die neue Strategie weiter nach vorn als je zuvor", strahlte Andree. „Das war der richtige Weg – auch wenn ich deutlich früher schalten und mich aus allem raushalten musste. Es war eine ganz andere Art, Autorennen zu fahren. Aber eine sehr erfolgreiche – und darum auch eine, die sehr viel Freude gemacht hat."
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