Ulli Andree/Fredy Lienhard jr. beenden Pechsträhne mit klarem Sieg.

Beim dritten DLM-Rennen fand die Pechsträhne des PSR Volvo Teams ein Ende. Die Mannschaft aus Adenau konnte beim 49. ADAC ACAS H & R-Cup auf dem Nürburgring den ersten Saisonsieg feiern, den Ulli Andree/Fredy Lienhard jr. landeten – auch wenn die Veranstaltung erneut von Turbulenzen geprägt war.
Es war ein typischer Fall von „per aspera ad astra". Nachdem beim Saisonunfall beide Volvo S60 schwere Unfallfolgen davon getragen hatten, brachte PSR am Sonnabend erstmals wieder beide Göteborger Fünfzylinder an den Start. Ulli Andree/Fredy Lienhard jr. fuhren zum ersten Mal wieder jenen Wagen, mit dem der Eidgenosse sich im Training vor Lauf 1 fünfmal überschlagen hatte. Die Gebrüder Remo und André Lips traten mit dem zweiten Volvo S60 an. Anstelle von Stephan Herter übernahm Uwe Reich den Part als dritter Mann.
Doch schon bei den freitäglichen Testfahrten fand die Pechsträhne ihre Fortsetzung: Andree knickte auf Höhe der Kurzanbindung der GP-Strecke das linke Vorderrad ab. „Wir versuchten, während des Wiederaufbaus auch gleich die Radnaben zu erleichtern", schilderte Teamchef Danny Berk. „Eine von denen ist dann auf den ersten Runden gebrochen. Wir mussten nachts die ganze Aufhängung und den Fahrschemel erneuern. Damit waren die Mechaniker wieder bis fünf Uhr morgens beschäftigt; das Auto kam direkt von der Messbühne ins Fahrerlager."
Dort nahmen beide Volvo das Training auf. Doch während Andree sein Exemplar für die Pole Position der Klasse qualifizierte, drehte sich Neuzugang Uwe Reich zweimal und pflügte dabei auch das Kiesbett um. „Ich war überrascht davon, wie agressiv der Wagen abgestimmt war", begründete der Solinger. „Bei einem Fronttriebler hätte ich nicht mit einem so losen Heck gerechnet. Aber wahrscheinlich muss man die Wagen so abstimmen, damit man wirklich schnell damit ist."
Als Folge der beiden Dreher konnten Lips/Lips/Reich nicht starten. „Auf dem Weg in die Startaufstellung hat sich die Kupplung festgebacken", erklärte Berk. „Wir hätten den zweiten Volvo wirklich gern im Rennen gehabt – allein schon, um zu sehen, wie man mit drei Fahrern mit der Strategie spielen kann. Beide Autos hätten zweimal tanken müssen. Aber mit drei statt zwei Piloten kann man die Taktik variieren. Das wäre spannend zu analysieren gewesen. Jetzt müssen wir damit bis zum nächsten Rennen warten."
Der andere Volvo S60 konnte das Pech, welches das Team bis dato verfolgte, endlich abschütteln: Andree/Lienhard landeten einen nie gefährdeten Start/Ziel-Sieg. Lienhard fuhr den Starttörn und holte bis zum ersten Stopp schon satte fünf Minuten Vorsprung heraus.
„Nach dem Unfall beim Saisonauftakt hatte ich ein bisschen das Vertrauen verloren", gestand der Schweizer. „Aber schon nach zwei oder drei Runden war das wieder da. Ich konnte mich sukzessive steigern und kam schon bald auf schnelle Zeiten. Dabei verbrauchte ich sogar noch zehn Prozent weniger als alle anderen, die mit dem Volvo schon gefahren sind – ohne das ich besonders auf den Verbrauch geachtet hätte."
Die Sparsamkeit ist dem Schweizer aufgrund der langen Sportprototypen-Tradition seiner Familie förmlich in die Wiege gelegt worden. In der 11. Runden übergab er in Führung liegend an Andree. „Dabei hätte ich sogar noch zwei Runden weiter fahren können." Andree baute den Vorsprung in seinem Törn, der ebenso problemlos verlief wie jener von Lienhard, auf achteinhalb (!) Minuten aus, bis er zum letzten Splash & Dash vier Runden vor Schluss an die Zapfsäule musste. Unmittelbar nach diesem Kurz-Service löste sich der Frontsplitter des Volvo.
„Im Karussell hatte ich schon rundenlang gemerkt, wie die Front immer aufsetzt", erinnerte sich der Kölner. „Wir haben ihn dann beim Stopp mit Klebeband fixiert. Doch schon bei der ersten Überfahrt der Döttinger Höhe merkte ich anhand der heftigen Vibrationen, dass das nicht reichte."
Die Frontpartie wurde an der Box abgenommen, Andree fuhr weiter und verteidigte die Führung. „Aber dabei habe ich endlich mal so richtig gemerkt, warum wir einen Frontspoiler am Auto haben. Ohne den wurde der Wagen auf jeder Bodenwelle unruhig, und die Räder drehten durch, in schnellen und mittelschnellen Kurven konnte ich gar nicht mehr attackieren, weil ich ständig Untersteuern kriegte."
Dennoch verteidigte Andree die Führung souverän und holte damit den 23. Klassensieg des Volvo S60 in der DLM – passender Weise beim ersten Rennen mit dem neuen Industriepartner KS Tools, einem großen Werkzeughersteller aus Heusenstamm. „Schön, dass wir das Trauma der letzten Wochen überwunden haben", strahlte Teamchef Berk nach der Triumph-Tour. „Die letzten Wochen waren für das Team wirklich hart."
Auch Lienhard strahlte: „Ich habe den Wiederaufbau unseres Autos ja auch täglich mitverfolgt - und ich möchte dem Team für diesen Kraftakt ein Riesen-Kompliment aussprechen." Berk ergänzte: „Wir bauten das jetzige Siegerauto von der Bodengruppe her völlig neu auf.
Der Einsatz meiner Mannschaft und die Tatsache, dass sie sich auch durch neuerliche Rückschläge nie entmutigen ließ, ist mit diesem Sieg endlich belohnt worden. Jetzt müssen wir es beim nächsten Rennen nur noch packen, beide Volvo ins Rennen zu bringen – und das dann am liebsten mit einem Doppelsieg beenden."
- Volvo - auch Photo
More reports from this category all copyright automobilsport.com.