
Mit schönen Autos, herzerfrischendem Fahrstil und guten Ergebnissen zog Steam-Racing in den vergangenen Jahren die Aufmerksamkeit auf sich. Beim ersten Lauf zur Langstreckenmeisterschaft 2007 rückte aber das Ergebnis in den Hintergrund.
Weiß, flach, fast ohne Aufkleber und schon im Stand spektakulär – so konnte man bereits am Freitag den neuen Porsche von Steam-Racing in Box 4 bewundern. Teamchef und Fahrer Michael Schratz erklärte bereits am Freitag: „Wir nutzen das morgige Rennen, um Erfahrungen mit dem neuen 997 zu sammeln. Auch in Sachen Reifen müssen wir neue Erkenntnisse gewinnen, denn mit Matador haben wir die Möglichkeit, einen neuen Reifenlieferanten an Bord zu bekommen."
Die wenigen Testrunden am Freitag dienten Michael Schratz, um erste Eindrücke vom neuen Boliden zu bekommen, während sein Co-Pilot Johannes Siegler damit beschäftigt war, im Ersatzwagen die Gäste von Steam Racing über die Nordschleife zu chauffieren.
Den ersten Reifeneindruck beschrieb Michael Schratz: „Die Reifen von Matador sind sehr schnell auf Temperatur, aber im Grenzbereich unkomfortabel. Ich denke für die Nordschleife sind sie dennoch gut geeignet." Johannes Siegler indes sollte erst am folgenden Tag Matador-Erfahrungen sammeln können.
Als Fußgänger verunfallt
Johannes Siegler war es der den ersten Stint im Samstag Training fahren sollte. Während er im Porsche auf der noch feuchten und zum Teil mit Schrott und Öl übersäten Strecke seine Kreise drehte, stand Michael Schratz telefonierend hinter der Box. Was dann kam, glich eher einem schlechten Film, bestenfalls einem völlig misslungenen Aprilscherz. Michael Schratz wurde die Bekanntschaft eines BMW-Kombi aufgezwungen: Von hinten nahte eine bekannte Frau eines Fahrers aus Kottenborn im Privatauto, übersah den Teamchef von Steam-Racing und fuhr ihm rücklings ans Bein.
Michael Schratz drehte sich um: „Ich wollte schon wissen, wer mich angerempelt hatte. Statt stehen zu bleiben fuhr sie munter weiter – mir über Fuß und Sprunggelenk." Über die folgende Aussage der Fahrerin wollte sich Michael Schratz nicht weiter auslassen, der direkt nach dem Vorfall ins Adenauer Krankenhaus gebracht wurde. Per Röntgenbilder konnten die Fachleute erkennen, dass kein Bruch vorlag, eine üble Prellung mit ordentlich Farbe blieb dennoch als Andenken. Und auf der Strecke?
Johannes Siegler hatte ähnliches Pech. Noch war er keine schnelle Runde gefahren, als der Waagenbalken der Bremse brach. „Gott sei Dank," so der Unterfranke Siegler, „merkte ich frühzeitig, dass etwas mit der Bremse nicht stimmte und ich konnte sofort Gas wegnehmen, um den Wagen in die Box zu steuern." Dort angekommen, machte sich Chefmechaniker Budde sofort mit seinen Mannen an die Reparatur.
Erst jetzt erfuhr Siegler vom Drama, dass sich vor der Box abgespielt hatte und statt Schratz saß Siegler erneut im zwischenzeitlich reparierten Auto. Als Siegler erneut rausfahren wollte, um eine gescheite Zeit zu erlangen, wurde das Training abgebrochen. Erst mit Freigabe der letzten 20 Trainingsminuten gelang es Siegler, eine einigermaßen passable Zeit zu fahren und den Porsche auf Platz 45 der Startaufstellung zu stellen.
„Freilich," so Siegler nach völlig verwachstem Training, „die Trainingsleistung war nicht die beste, aber noch das Beste, was ich daraus machen konnte. Auf Rang 12 in der SP7 hatten wir eine nicht sonderlich aussichtsreiche Position." Zwischenzeitlich war auch Michael Schratz aus dem Krankenhaus zurück und konnte sich auf sein Rennen vorbereiten.
„Ausbildung macht sich bezahlt"
Johannes Siegler aus Lohr am Main übernahm den Start und gab später zu Protokoll: „Ich habe einen der schlechtesten Starts meiner Rennkarriere abgeliefert. Mindestens fünf Autos sind an mir vorbeigegangen. Dann hatte ich viel Arbeit, wieder aufzuschließen und meinen Rhythmus zu finden." Mit den Reifen hatte sich Siegler zwischenzeitlich ebenfalls angefreundet und konnte so konstant seine Runden drehen.
Er zeigte sich von den Streckenposten angenehm überrascht: „Die Jungs an der Strecke haben heute viel Lob verdient und erstklassige Arbeit abgeliefert. Die gelbe Flagge wurde vor der Unfallstelle gezeigt. Direkt an der Unfallstelle gab es doppelt gelb geschwenkt und direkt danach wieder grün." Es habe richtig Spaß gemacht zu fahren, ergänzt Siegler, denn die Willkür der Posten, die noch im vergangenen Jahr zu beobachten war, sei mit der Weiterbildung massiv eingebremst worden.
Nach 12 Runden war der Spaß für Siegler vorbei und sichtlich geschafft kletterte er aus dem Porsche mit den Worten: „Ich bin konditionell am Ende. Vielleicht hätte ich noch eine Runde geschafft, aber mehr war heute nicht drin. Ich hatte zwar mächtig Spaß, doch jetzt bin ich froh, dass es vorbei ist. An meiner Kondition werde ich hart arbeiten müssen."
Jetzt übernahm Teamchef Schratz das Volant, kehrte aber nach einer Runden erneut an die Box zurück. Dort ließ er sich neue Reifen montieren. Grund: Eine Felge war gebrochen. Anschließend ließ es der fußkranke Rheinländer richtig krachen und fuhr Platz für Platz nach vorne. Nach neun Runden war jedoch Schluss mit der Aufholjagd, Regen setzte ein.
Schratz: „Ich drosselte sofort die Geschwindigkeit und verlor dadurch sicherlich einige Plätze in der Gesamtwertung. Da wir die ersten Rennen jedoch als Test für das 24h-Rennen nutzen, sind uns die gewonnenen Erkenntnisse wesentlich wichtiger."
Immerhin schaffte es das Gespann auf Rang 22 in der Gesamtwertung und auf Rang fünf in der Klasse SP7 – bei 12 gestarteten Teilnehmern ein durchaus respektables Ergebnis. Nicht nur mit der Leistung der Matador-Reifen war Michael Schratz zufrieden, auch mit dem, was Johannes Siegler ablieferte: „Johannes hat ein intelligentes Rennen gefahren, auch wenn er konditionell noch einige Schwächen hat.
Aber er ist nie über sein Limit gegangen, so dass unser Auto ohne Blessuren den ersten Lauf überstanden hat." In den verbleibenden Rennen bis zum 24h-Rennen werden alle Informationen in die Weiterentwicklung fließen, um dann mindestens ein gleich gutes Resultat wie 2006 verbuchen zu können. „Besser wäre mir lieber," so Schratz schmunzelnd und humpelnd auf dem Weg ins Wochenende.

Zusammenarbeit mit Jörg van Ommen
Wie auch schon auf der Internetseite von Steam-Racing (www.steam-racing.com) zu lesen war, arbeitet das in Langenfeld ansässige Porsche-Rennteam unter der Leitung von Michael Schratz intensiv mit Jörg van Ommen-Motorsport zusammen. „Wir sind für die Betreuung des 997-Cup Porsche verantwortlich, der von Jörg van Ommen-Motorsport eingesetzt wird. Dabei kümmern wir uns vor, während und nach dem Rennen um das Fahrzeug, dass vom Berliner Alexander Roloff und vom Münchner Dominik Schwager pilotiert wird."
Das Cup-Fahrzeug hat auch, so Schratz weiter, bislang die wesentlichen Infos zu den Matadorreifen geliefert, auf die künftig auch Steam-Racing setzen will. Schratz und van Ommen sagen einstimmig: „Zum übernächsten Rennen liefert Matador spezielle 997-Reifen, die aufgrund der von uns gemeinsam erfahrenen technischen Informationen entwickelt wurden."
Wie gut die Reifen sind, stellte das Fahrerduo Roloff-Schwager eindeutig unter Beweis: Im Training reichte eine 9:21 für den 23. Startplatz im Gesamtklassement und nach dem Rennen stand der 997Cup auf Rang 11 der Gesamtwertung und Platz 4 in der Cup-Klasse. „Wir denken, dass uns die neuen Reifen künftig noch weiter nach vorne bringen werden. Das gilt nicht nur für das van Ommen-Auto, sondern auch für den Steam-Renner," so die beiden Profis van Ommen und Schratz.
Text: Redaktionsbüro Meuren
Fotos: Daniel Eckel / Uwe Meuren
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