Eigentlich müssten sich alle bei Schumann-Motorsport freuen. Schließlich fuhr das Team einen klassischen Start-Ziel-Sieg im ersten Rennen der BF-Goodrich Langstreckenmeisterschaft 2007 ein. Doch die nur geringe Punkteausbeute sorgt für betrübte Gesichter unter den Saarländern.
Im vergangenen Jahr eilte Schumann-Motorsport von Klassensieg zu Klassensieg. An diesem Erfolg wollte das Team aus Saarbrücken auch beim ersten Lauf anknüpfen. Zum Trainieren nutzten die sympathischen Saarländer den Freitagmorgen sehr intensiv. „Insbesondere die Umbauten an der Bremsanlage sowie das neue Armaturenbrett mit geänderter Elektronik mussten getestet werden," so Jürgen Schumann, der im Team für die Fahrzeugtechnik verantwortlich ist.
Jürgen zeigte sich mit der Funktionalität aller Bauteile und Veränderungen zufrieden. Auch sein Bruder schien glücklich: „Nach den winterlichen Änderungen ist das Auto besonders beim Bremsen wesentlich gutmütiger. Beim Fahrwerk mussten wir etwas Feinjustieren, aber wirklich nur sehr wenig. Das KW-Fahrwerk ist mit das beste, was ich seit langer Zeit in einem Rennauto gefahren habe."
Im freien Freitagstraining ab 16 Uhr drehten die Schumänner nur einige wenige Runden, um sicher zu sein, dass die neue Technik auch den harten Nordschleifen-Ansprüchen gerecht wird. Zur Schonung des Autos stellte Schumann bereits um 17 Uhr die Testfahrten ein, führte den Wagen der technischen Abnahme vor und machte pünktlich um 18 Uhr Feierabend.
Einsam in der Klasse
Die erfahrenen Rennfahrer aus Saarbrücken machten schon vorm Zeittraining alles richtig. Das Außenthermometer zeigte am Samstag um 8 Uhr nur vier Grad an, die Straßen waren nass und die Autoscheiben teilweise gefroren. „Wir rollten über den Ring, um unsere Pflichtrunden zu absolvieren und eine gewertete Zeit zu haben. Natürlich hatten wir einen Blick auf den Wettbewerb und unser Plan war, gegebenenfalls zum Ende des Trainings zu kontern.
Falls es erforderlich sein sollte." War es aber nicht. Die gefahrenen 9:59 reichten für Startplatz eins in der SP4 und Platz 56 in der Gesamtstartaufstellung. Nach dem Rennen erklären Peter und Jürgen Schumann: „Das Training war geprägt von Aus- und Unfällen, von Gelbphasen und schmutziger Strecke. Leider erwischte es auch vier Teilnehmer aus unserer Klasse. Am Start standen dann nur noch zwei Fahrzeuge der SP4."
Jürgen Schumann übernahm den Start und berichtete: „Im ersten Rennen ist bei vielen der Rennreiz größer als die Vernunft – was das Training mal wieder eindrucksvoll bewies. Ich habe mich bewusst fern von allen anderen gehalten, um unser Auto zu schonen. Dabei überholte mich auch der letzte verbliebene SP4 Teilnehmer." Ohne Druck fuhr Jürgen Schumann dem Honda hinterher und konnte ihn in Runde drei überholen.
Ab dann entwickelte sich ein spannendes, über mehrere Runden dauerndes Duell zwischen den beiden Klassenkameraden. Zwar konnte der Honda immer wieder zum Hyundai Coupé aufschließen, aber richtig in Bedrängnis brachte er den Korea-Renner nie. In Runde acht ließ der S2000 die bekannten Honda-Schwingen hängen und beendete das Rennen.
Der Hyundai musste nur noch „heim rollen", um den Pokal zu sichern, also fuhren die Saarländer nur noch gegen die Uhr und für die Fans. Zum ersten Mal verzichtete Schumann-Motorsport auf die gewohnte Bereifung und rückte auf Michelin-Pneus aus. Fahrer, Reifen, Fahrwerk und Auto verstanden sich auf Anhieb: „Die Gummis von Michelin harmonieren einmalig mit dem Fahrwerk von KW und unserem Fahrstil."
Straße nass – runter vom Gas!
In Runde sieben fuhr Jürgen Schumann mit 9:36 die schnellste Zeit im ersten Rennen. Und in Runde 12 übergab er das Coupè seinem Bruder Peter mit den Worten: „Wenn Du langsam fährst, brauchen wir nicht mehr tanken!" Zwar fuhr der für die Organisation verantwortliche Peter Schumann nicht auf letzter Rille, ließ es aber alles andere als ruhig angehen und lag mit seinen Rundenzeiten bewusst nur wenig über den seines Bruders Jürgen.
Peter Schumann: „Ich hatte keinen Druck und letztendlich sind wir um die goldene Ananas gefahren. Es hat Spaß gemacht und die von uns durchgeführten Änderungen am Auto waren erfolgreich. Auch die neuen Reifen haben super gearbeitet, vom KW-Fahrwerk sind wir nichts anderes gewohnt." Noch bevor das Rennen zu Ende ist, zeigte sich das Eifelwetter wieder launisch – es begann zu regnen.
Peter Schumann nahm sofort Gas raus, was die zum Teil hohen 11er Rundenzeiten beweisen. „Wichtig war," so beide nach dem Rennen, „dass wir den Wagen heil nach Hause brachten. Wir wollten nicht schon am Anfang der Saison Schrott fabrizieren."
Alle Mühen der Saarländer wurden letztendlich belohnt: die Arbeiten über Winter, die Zurückhaltung im Training, die Speed im Kampf mit dem Klassengegner und das Gefühl für den Wagen auf nasser Strecke – Schumann holte sich den Klassensieg.
Die betrübten Gesichter nach der Siegerehrung erklärten sich bei genauerem Hinsehen auf die Tabelle: Trotz des Klassensieg erlangten die Brüder in der Tabelle nur Platz 90. Kommentar: „Wir haben gedacht, diesmal mit fünf Autos zu starten, was uns ein deutliches Plus an Punkten beschert hätte. Aber leider waren wir nach dem Training nur zu zweit und so müssen wir mit 7,5 Punkten vorlieb nehmen. Wir hoffen jedoch zum nächsten Rennen ein volles Feld zu haben, um viele Punkte einheimsen zu können."
Redaktionsbüro Meuren Fotos: Daniel Eckel
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