
Das KYB-Racing Team rund um Teamchef und Fahrer Marco Schelp hatte schon vorm ersten Rennen zur BF-Goodrich Langstreckenmeisterschaft einiges an Pech zu verkraften. Doch sollte es für die Berliner am Samstag noch wesentlich dicker kommen.
Die dem Wetter zum Opfer gefallenen Test- und Einstellfahrten am Nürburgring Mitte März zwangen viele Teams, auf andere Rennstrecken auszuweichen. Auch das KYB-Racing Team war davon betroffen und fuhr in der Woche vorm Saisonstart der Langstreckenmeisterschaft nach Oschersleben, um aktuelle Informationen über die im Winter durchgeführten Verbesserungen zu gewinnen.
Marco Schelp selbst übernahm die Testfahrten: „Eigentlich lief während der Fahrten alles problemlos. Wir haben unser Auto um ein paar weitere Kilos erleichtert und gleichzeitig dem Motor noch ein paar PS entlockt. Leider bin ich in Oschersleben einmal zu viel und vor allem an der falschen Stelle abgebogen – mit Volldampf durchs Kiesbett und in den Reifenstapel. Die Karosse war schon arg verknittert."
Für die Mechaniker von KK-Automobile in Düderode, die den schönen und schnellen BMW pflegen und warten, bahnte sich eine lange Woche mit noch längeren Nächten an. Binnen vier Tage bügelten die Mechaniker das Kunststoff- und Blechkleid des KYB-BMW nahezu faltenlos glatt. Erst bei genauerem Hinsehen war die eine oder andere Falte zu entdecken, die aufgrund der Oscherslebener-Kaltverformung übrig geblieben ist.
Für das Training hatte sich Schelp mit seinem neuen Co-Pilot Elmar Jurek einiges vorgenommen. Beide erklären einstimmig nach dem Rennen: „Unser Ziel war, im Gesamtklassement unter die ersten 20 zu fahren. Doch dann stellten sich erste Probleme ein – die Fortsetzung der Pechsträhne, die in Oschersleben ihren Anfang gefunden hatte."
Klassisch: Ohne Sprit gestrandet
Ohne Vorankündigung entwickelte die Bordelektronik des BMW ein Eigenleben, das vorerst eine deutliche Verbesserung des Trainingser-gebnisses verhinderte. Wechsel- und phasenweise fielen DSC aus, ließ sich das Getriebe nicht mehr schalten oder das Auto ging aus. „So kann man natürlich nicht schnell sein und noch weniger seine Startposition verbessern. Im Gegenteil, wir wurden weiter nach hinten durchgereicht," so die beiden Piloten.
Mit Hilfe eines Diagnosegerätes von Dörr-Motorsport, mit dem das KYB-Racing Team materiell und personell eng zusammenarbeitet, konnte der Fehler lokalisiert werden. So blieb Marco Schelp doch noch die Möglichkeit, eine gute Runde hinzulegen, um das Ziel zu verwirklichen. Doch auch jetzt blieb das Pech dem Team treu: „Um Gewicht zu sparen, bin ich mit einem Minimum an Sprit losgefahren. Leider haben wir uns massiv verrechnet und meine zweite schnelle Runde endete bereits am Streckenabschnitt Flugplatz.
Im Tank keinen Tropfen Sprit meldete ich mich beim Team mit der Bitte um Abholung." In der Wartezeit sammelte sich jedoch wieder Kraftstoff, so dass der Motor wieder ansprang und Schelp das Auto aus eigener Kraft in die Box steuern konnte. Grund: Im Tank befinden sich Einlagen aus saugfähigem Material, die das Schlingern des Benzins verhindern sollen. Diese hatten die geringe Kraftstoffmenge einfach aufgesaugt und während der Standzeit wieder freigegeben. Das Training hakten beide Fahrer unter der Rubrik Erfahrungen ab und konzentrierten sich fortan auf das erste Rennen der Saison.
Bei bestem Rennwetter fuhr Teamchef und Fahrer Marco Schelp den weißen BMW in die Startaufstellung. Er wollte den ersten Stint fahren, um bei erneut auftretenden Problemen angemessen reagieren zu können. Was weder Schelp, noch Jurek, noch die Mechaniker bis dahin wussten: Auch im Rennen blieb das Pech ständiger Begleiter und hatte scheinbar einen Ehrenplatz auf dem nicht vorhandenen Beifahrersitz gebucht.
„Nur" materielle Schäden
Nachdem das Führungsfahrzeug die Strecke verlassen hatte, stürzten sich die Fahrzeuge der ersten Startgruppe auf die Kurve vor der Mercedes-Arena. „Bewusst habe ich mich aus dem anfänglichen Startgetümmel rausgehalten, um das Fahrzeug zu schonen. Ich wollte das erste Kräftemessen der Saison nicht schon in Kurve eins beenden," sagt Schelp nach dem Rennen.
So konnten einige Fahrzeuge am Berliner BMW vorbeiziehen, was den Fahrer jedoch nicht aus der Ruhe brachte. Im Wissen um die vier bevorstehenden Rennstunden suchte und fand Marco Schelp schnell seinen Rhythmus und Platz im Feld. „Bereits in der zweiten Runde konnte ich wieder einige Autos überholen. In Runde drei fuhr ich die schnellste Rennrunde, seit wir das neue Auto haben."
Mit respektablen 9:16 lief Schelp in Runde vier auf einen etwas langsameren Porsche auf, der ihn jedoch nicht vorbei ließ. Immer wieder zuckte das Münchener Kraftpaket hinter der Zuffenhausener Flunder hervor, konnte aber nicht vorbeigehen. „Im Nachhinein verstehe ich nicht, warum mich der Porschefahrer nicht hat vorbeifahren lassen," gibt Schelp nach dem Rennen zu Protokoll. Wippermann, Brünnchen, Pflanzgarten – in nahezu jedem Streckenabschnitt sei er schneller gewesen und zeitweise bis auf Fahrerhöhe vorgezogen, so Schelp im Nachgang.
Doch immer wieder hätte der Porsche die Tür zugemacht. „Um Schlimmeres zu vermeiden, steckte ich jedes Mal zurück. In der Anfahrt auf den Schwalbenschwanz hat er mir jedoch soviel Platz gelassen, dass ich davon ausging, er lässt mich vorbei," beschreibt Schelp die Situation unmittelbar vor dem Unfall. In Folge dessen zog er bis auf Höhe des Porsche-Vorderrades vor, doch statt auf seiner Linie zu bleiben, zog der Porsche plötzlich nach innen. Es kam, was kommen musste: Beide Rennautos krachten ineinander.
Während der Porsche unsanft in der Leitplanke landete, konnte sich Schelp mit dem humpelnden BMW langsam in die Box schleppen. Aber auch für das freundliche Berliner Team war das erste Rennen bereits nach vier Runden zu Ende. „Querlenker, Stabi und Fahrschemel wurden stark beschädigt. Leider hatten wir die Teile nicht als Ersatz dabei. Das Rennen war für uns ebenfalls vorbei," so der Chefmechaniker des KYB-Racing Teams.

„Es tut mir wahnsinnig leid, was da passiert ist, es war keine Absicht," erklärte Marco Schelp, direkt nach dem er sein Fahrzeug verlassen hatte. Gemeinsam mit einem Mechaniker seiner Truppe machte sich Marco auf den Weg in die Box der Porsche-Mannschaft, um sich nach dem Wohlbefinden des Fahrers zu erkundigen. Als man dem KYB-Teamchef mitteilte, dass dem Fahrer nichts passiert sei, platzt ihm vollends der Kragen: „Warum machte er mir keinen Platz? Warum bleibt er nicht auf seiner Linie? Er hatte mich doch die ganze Zeit hinter sich und im Spiegel – warum hat er mich nicht vorbeigelassen?"
Die Onboard-Aufzeichnung aus dem KYB-BMW zeigen, dass die Schilderung von Marco Schelp der Wahrheit entspricht, dennoch wollte und will er keine eindeutige Schuldzuweisung von sich geben. Auch wenn der Porschefahrer das im Nachhinein lauthals machte.
„Hinter uns liegt eine Woche, die es wahrlich in sich hatte. Ich hoffe, dass wir unseren gesamten Vorrat an Pech während des ersten Laufes aufgebraucht haben und von weiteren Rückschlägen verschont bleiben." Neben Ostereier suchen wird sich die Mannschaft des KYB-Racing Team vorrangig mit Reparaturen BMW befassen.
Schließlich bleiben nur 14 Tage bis zum nächsten Lauf, um den Berliner Bären auf Vordermann zu bringen.
Redaktionsbüro Meuren
Foto: Daniel Eckel
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