
Das erste Rennen der BF-Goodrich Langstreckenmeisterschaft war für Kissling-Motorsport ein voller Erfolg. Die Turbo-Variante der Astra-Geschwister sorgte Freitag wie Samstag für einige Aufregung in der Box. Das Sauger-Modell hingegen sorgte für strahlende Gesichter bei Kissling.
Bereits am Freitag - im ersten offiziellen freien Training der BF-Goodrich Langstreckenmeisterschaft 2007 - zeigten beide Astras von Kissling-Motorsport, wozu sie in der Lage sind. Mit beeindruckenden, wenn auch nicht offiziellen Zeiten, setzten die in den Klassen SP3 und SP3T startenden Astras GTC eine erste Marke. Jürgen und Otto Fritzsche drehten gemeinsam mit Marco Wolf etliche Runden auf dem Sauger-Astra.
Bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen um 15°C machte das Auto eine wirklich gute Figur, und die drei Fahrer sagten nach dem Training: „Das Auto hat reichlich Potenzial. Auch wenn wir heute nicht ans Limit gegangen sind, konnten wir für uns beeindruckende Rundenzeiten fahren. Egal wie das Wetter morgen wird, wir werden auf jeden Fall mit von der Partie sein."
Auch die Turbo-Version des Astras war schnell unterwegs, jedoch nicht so lange. Grund: Die Ölpumpe quittierte ihren Dienst, was Auto und Team einen kapitalen Motorschaden einbrachte. Während der Teamchef mit einem Mechaniker am SP3-Astra bis 24 Uhr Feinabstimmung vornahm, arbeitete der Rest der Kissling-Mannschaft bereits in der hauseigenen Werkstatt in Bad Münstereifel mit Hochdruck an der Fertigstellung des Turbo-Motors.
Um halb fünf in der Früh lief der neue Motor zum ersten Mal. Danach war für die Mechaniker-Crew inklusive Teamchef nur noch Zeit für eine Tasse Kaffee und den Sprung unter die Dusche. Dann hieß es für die Mannschaft: Auf zum Ring. „Eine tolle Leistung meiner Jungs! Einen Motor über Nacht zu tauschen ist kein Hexenwerk. Aber in vier Stunden einen Motor komplett neu zu bauen und im Auto zu montieren ist eine wirklich reife Leistung, einfach Klasse," so der Teamchef Stefan Kissling.

Trainingsbedingungen mäßig
Am Samstag morgen, zum ersten offiziellen Zeittraining der Saison 2007 zeigte sich die Strecke nass und die Temperaturen sehr tief. Stefan Kissling: „Ich musste meine Fahrer nicht auf die Gefahren der Nordschleife hinweisen. Alle sechs sind erfahren und wissen, welche Überraschungen die Nordschleife in ihrem Portfolio führt." Die Fahrer einstimmig nach dem Rennen:
„Von trocken über feucht bis nass – heute war im Training alles vorzufinden. Überdies gab es schon zu Beginn des Trainings zahlreiche Unfälle mit vielen Gelbphasen. Eine richtig freie Runde hatten wir eigentlich nie. Dennoch waren wir mit dem Ergebnis zufrieden." Auch Stefan Kissling konnte nach dem Training ungetrübt in Richtung Rennen blicken und meinte: „In beiden Klassen standen wir auf Position eins, im Gesamtklassement auf Rang 33 und 34. Eine hervorragende Ausgangssituation, die ausbaufähig sein sollte."
Jürgen Fritzsche übernahm den Start im SP3-Auto, Hannu Luostarinen im Turbo-Astra. Beide hielten sich wohlweißlich aus allen Rangeleien raus, denn ein Vier-Stunden-Rennen wird bekanntlich nicht in Kurve eins entschieden. Trotz Zurückhaltung konnten beide Autos ihren Startplatz behaupten, und der sympathische Finne fuhr bereits in Runde zwei mit 9:23 die schnellste Rennrunde mit dem Turbo.
Jürgen Fritzsche klemmte sich ans Heck des Turbos und schwamm sicher und schnell mit, bevor er in Runde neun an den Youngster Marco Wolf übergab. In Runde zehn steuerte Luostarinen die Box an, um den Turbo in die Hände von Joseph Klüber zu geben.

Sauger ohne Probleme – Turbo wird geschubst
Marco Wolf erlebte ein unspektakuläres Rennen und lieferte konstante Rundenzeiten ab. In Runde 15 hatte der 25jährige Wolf freie Fahrt und fuhr mit 9:23 die schnellste Zeit auf dem Sauger. Damit war er genauso schnell wie sein finnischer Teamkollege auf dem Turbo.
Nach insgesamt 17 Rennrunden und acht für Wolf kam der SP3-Astra erneut an die Box und Heinz-Otto Fritzsche übernahm das Auto, um das letzte Renndrittel zu bewältigen. Bei Fritzsche-Fritzsche-Wolf lief alles nach Plan: Platz eins fest im Griff, genügend Abstand zu den restlichen 17 Startern und das Auto mit guter Performance.
Anders bei der Turbo-Version. Joseph Klüber steuerte früher als geplant die Box an. Nach nur fünf gefahrenen Runden - also drei vor Plan - stand der Turbo mit Startnummer 320 vor Box 15 und wurde von Thomas Müller in Empfang genommen. Müller hingegen erlebte ein spektakuläres Rennen: Im Streckenabschnitt „Hohe Acht" erhielt er einen Schubser auf die rechte Seite und geriet in arge Probleme, den Wagen auf der Strecke zu halten.
Danach verspürte er heftige Vibrationen und steuerte zum Routine-Check die Box an. Weder Mechaniker noch Teamchef konnten eine Beschädigung feststellen. Also fuhr Müller weiter. Zu den immer stärker werdenden Vibrationen gesellten sich in der Schlussphase Getriebeprobleme – der fünfte Gang ließ sich nicht mehr einlegen. Waidwund, unter einsetzendem Regen beendete Müller das Rennen mit Rundenzeiten jenseits von Gut und Böse.
Der Regen beeinflusste auch die Fahrweise von Otto Fritzsche: Er nahm, wie die meisten verbliebenen Teams, ordentlich Gas raus, um den Wagen nicht in den letzten Runden zu zerstören und beendete das Rennen als Klassensieger der SP3.
Stimmen nach dem Rennen
Stefan Kissling, Teamchef:
„Wir hatten mit dem SP3 Auto ein völlig problemloses Rennen, konnten uns in der Klasse behaupten und die Wettbewerber hinter uns lassen. Allerdings muss ich sagen, dass auch die anderen Teams erstklassige Arbeit geleistet und richtig schnelle Autos auf die Beine gestellt haben. Das Trio Fritzsche-Fritzsche-Wolf lieferte eine lupenreine Vorstellung ab und harmonierte bereits im ersten Rennen erstklassig. Ich wünsche mir, dass es auch so bleibt.
Unser Turbo hat etwas gekränkelt. Während Hannu Luostarinen noch problemlos und schnell unterwegs war, kämpfte Joseph Klüber mit Reifenproblemen und musste deshalb die Box früher ansteuern.
Auch Thomas Müller hatte Schwierigkeiten. Nach dem Schubser kam er nicht mehr richtig in Schwung. Überdies machte das Getriebe Probleme und Thomas meldete heftige Vibrationen. Ich gehe davon aus, bis zum nächsten Rennen alle Probleme am Turbo bewältigt zu haben."

Jürgen (ca. 20 Minuten jünger) und Otto Fritzsche, SP3, Nr. 260
„Das hat richtig Spaß gemacht. Mal vom Training abgesehen, wo es viele Unfälle und Gelbphasen gab. Wir konnten uns frühzeitig vom Wettbewerb absetzen und Platz eins ungefährdet halten. Auch der einsetzende Regen am Ende konnte uns weder Laune noch Spaß verderben.
Das Auto war erstklassig, so wie die Kissling-Autos nun mal sind. Von der ersten bis zur letzten Schraube war alles am Fahrzeug harmonisch. Wir hoffen, auch in den nächsten Rennen an den Erfolg anknüpfen zu können."
Marco Wolf, SP3, Nr. 260
„Mein erster Einsatz im Kissling-Astra hat richtig viel Spaß gemacht. Ich konnte die schnellste Rennrunde fahren, worauf ich schon ein wenig stolz bin. Ansonsten lief alles planmäßig. Weder mit Auto noch Wettbewerb hatte ich Probleme. Mit den beiden Fritzsches als Co-Piloten denke ich in der Saison öfter so weit vorne zu landen."
Hannu Luostarinen, SP3T, Nr. 320
„Direkt nach dem Start hatte ich eine freie Runde und konnte die schnellste Astra-Runde an diesem Wochenende drehen. Im Training hingegen war an eine schnelle Runde nicht zu denken. Das Auto hat reichlich Potenzial, allerdings muss ich mich erst an die Leistung gewöhnen. Ich denke, schon nächstes Rennen noch weiter vor zu fahren."
Joseph Klüber, SP3T, Nr. 320
„Im Jahr eins nach meinem Unfall an der „Hohen Acht" habe ich mich noch nicht wirklich sicher gefühlt. Das Auto hat mir zwar viel Sicherheit vermittelt, doch ich habe einige Runden gebraucht, um wieder in Tritt zu kommen. Der Motor hat derart viel Leistung, dass ich ständig mit Untersteuern zu kämpfen hatte. Dadurch habe ich die Reifen arg strapaziert und konnte auch nicht wirklich schnell fahren.
Zu allem Überfluss habe ich die Reifen mit einer zu heftigen Bremsung ruiniert, so dass ich früher als geplant die Box ansteuern musste. Für die restlichen Rennen der Saison werde ich verstärkt an meiner Kondition arbeiten. Außerdem muss ich jede Trainingsmöglichkeit nutzen, um mich an das schnelle Auto zu gewöhnen. Denn wirklich alles ist hier anders: Schalt-, Brems- und Einlenkpunkte liegen weit ab von denen eines Saugers. Ich werde es aber in den Griff bekommen."
Thomas Müller, SP3T, Nr. 320
„Ich saß seit mehr als einem Jahr das erste mal wieder in einem Rennauto und habe eine komplette Distanz bewältigt. Erst im Rennen konnte ich mich an das Auto gewöhnen, denn das Training war eher bescheiden für mich. An der „Hohen Acht" erhielt ich einen Schubser, der mich aus dem Rhythmus gebracht hat. Danach hatte ich mit Vibrationen am gesamten Auto zu kämpfen und das Getriebe ließ sich nicht mehr richtig schalten.
Zeitweise hatte ich Bedenken, dass mir der Wagen um die Ohren fliegt. Der dann einsetzende Regen hat die Situation nicht verbessert. Eher schlecht als recht habe ich das Rennen beendet. Aber auch ich bin überzeugt, schon im nächsten Rennen eine bessere Leistung zeigen zu können."
Redaktionsbüro Meuren
Fotos: Daniel Kürsten
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