Völlig ungewohnt für Zaungäste und Wettbewerb rückte Dörr-Motorsport mit nur einem Fahrzeug zum ersten Lauf der BF-Goodrich Langstrecken-meisterschaft 2007 zum Nürburgring an. Und was hatte das hessische Team im Gepäck? Den 1er Diesel, den das Team als Kundenfahrzeug einsetzt.
Die Fans dürfen sich frühestens zum dritten Rennen freuen, für den Wettbewerb hört dann aber die Freude auf: Bis dahin sollen die 1er BMW’s von Dörr-Motorsport fertig sein und in der SP5 für Furore sorgen. Rainer Dörr, Teamchef und bei einigen Rennen auch Fahrer, erklärt: „Wir bringen zum genannten Termin zwei 1er im BMW-Werks-Look in die Langstrecken-meisterschaft.
Optisch sehen die Autos aus wie die BMW von Schuberth, allerdings setzen wir Benziner ein, keine Diesel." Nicht nur optisch werden die Dörr-1er dem Schubert-Modell gleichen. Auch in einigen technischen Komponenten wird es kaum merkliche Unterschiede geben. Das Fahrwerk beispielsweise stammt aus der WTCC und ist komplett auf die Leistung abgestimmt. „Was auch von Nöten ist, denn einer der beiden 1er leistet 400, der andere etwa 300 PS. Bei einer solchen Leistung muss die Abstimmung selbst in die kleinste Schraube perfekt sein."
Derzeit stehen die Fahrzeuge noch im Dörr-Hauptquartier im hessischen Butzbach. Während die Mannschaft mit Hochdruck an der Fertigstellung arbeitet, fiebern die Fahrer ihrem ersten Einsatz auf den neuen Autos entgegen. Die Pilotenpaarung steht schon fest und Rainer Dörr erklärt: „Während der VLN-Läufe wird der stärkere der beiden 1er von Gregor Vogler und Rudi Adams pilotiert werden.
Das andere Cockpit teilen sich Willi Friedrich und Leo Löwenstein." Damit hat Dörr nicht nur zwei sehr schnelle Autos am Start, sondern gleichzeitig zwei schlagkräftige Fahrerpaarungen, die laut Teamchef: „sicherlich in der SP5 weit vorne mitfahren werden. Wir können nur hoffen, dass die Technik uns nicht im Stich lässt."
Planwirtschaft – alles erfüllt
Warum wir über die Zukunft und nicht den ersten Lauf berichten? „Weil es eigentlich nichts zu berichten gibt. Adams und Vogler sind ein fehlerfreies Rennen gefahren. Wir haben Erkenntnisse im Bereich Fahrwerksabstimmung sammeln können, die wir jetzt umsetzen müssen," so der Teamchef nach dem Rennen. Vier Autos traten zum ersten Training der Saison in der Klasse SP10 an, eines davon war der 1er Diesel von Dörr-Motorsport.
Von den Querelen im Training völlig unberührt, reichte die Zeit von 10:05 für den zweiten Startplatz in der Klasse und den 68. Gesamtrang in der Startaufstellung. Dann folgte für Teamchef und Boxencrew die Zeit der Langeweile. Startfahrer Vogler spulte seinen Turn ab, ohne irgendwelche Probleme gehabt zu haben. Nach 12 gefahrenen Runden übergibt er den 1er an Rudi Adams, der seinerseits elf Runden abspult.
„Lediglich als es anfing zu regnen, habe ich gehofft," so Rainer Dörr, „dass uns das Wetter weiter nach vorne spült. Doch dafür war der Regen nicht stark genug." Statt auf Regenreifen zu wechseln, ließ der erfahrene Teamchef seinen Routinier draußen mit den Worten: „Rudi ist Reifentester bei Pirelli. Wenn er nicht weiß, wie im Regen zu fahren ist, dann weiß es wahrscheinlich keiner. Ich kann ihn ohne Sorgen fahren lassen. Wenn’s zu schlimm wird, kommt er von alleine rein."
Adams verließ die Rennstrecke erst wieder nach der Zieldurchfahrt auf dem Weg ins Parc ferme. Dörr-Motorsport hat ein völlig unspektakuläres Wochenende hinter sich gebracht, den zweiten Platz in der SP10 eingefahren und ist planmäßig unter den ersten 50 in der Gesamtwertung. „Das war alles, was möglich ist. Den Schubert Diesel abfangen ging nicht, schließlich hat das Auto fast 100 PS mehr als unser Diesel. Das Ergebnis geht so voll in Ordnung."
Auch zum nächsten Lauf rückt Dörr-Motorsport mit dem „kleinen" Diesel an, um weitere Erkenntnisse einzufahren; denn schließlich wird das Auto als Kundenfahrzeug beim 24h-Rennen und einigen VLN-Läufen zu sehen sein.
Stimmen nach dem Rennen
Rudi Adams
„Ich hatte eine sehr ruhige Fahrt und muss sagen, dass mir der Diesel richtig Spaß gemacht hat. Mit einem kleinen Auto muss man wesentlich sauberer und fehlerfreier fahren als mit einem leistungsstarken Fahrzeug. Selbst der kleinste Fehler schlägt sich bei einem kleineren Auto sofort in den Runden-zeiten nieder. Mein persönliches Ziel, eine Rundenzeit unter zehn Minuten zu fahren, habe ich leider nicht ganz geschafft.
Aber mit 10:01 bin ich durchaus zufrieden. Gerade in den langsamen Passagen – ab Hohe Acht bis Einfahrt Schwalbenschwanz – hat man mit dem kleinen Diesel echte Vorteile und kann auch die großen Jungs mächtig ärgern. Freilich, auf der Geraden verliert man wieder, aber in den Kurven..... .
Ich freue mich wie ein kleines Kind auf das SP5 Auto. Aufgrund der Motor-charakteristik wird es sicherlich schwieriger zu fahren sein als der M3 aus der 2006er Saison. Allein das Drehzahlband des 1er ist wesentlich schmaler geworden. Die maximale Leistung liefert er zwischen 5500 und 7500 Umdrehungen. Darauf muss man sich erst mal einstellen. Ich denke, mit dem 130i auf Rundenzeiten unter 8:50 zu kommen.
Gregor Vogler
„Ich liebe ihn, den kleinen Diesel. Auch wenn man stets nach Höherem strebt, ich fühle mich richtig wohl im 1er-Diesel. Der Wagen hat mal wieder richtig Spaß gemacht, vor allem in den kurvigen Bereichen und in Bergab-Passagen.
Mit dem Auto hat man überdies die Möglichkeit, die Strecke ganz neu zu erfahren. Ich spüre Bodenwellen und neue Asphaltstücke, die mit einem leistungsstärkern Auto völlig untergehen. Dörr hat mal wieder gute Arbeit über Winter geleistet. Wir sind mit dem Wagen bis zu 20 Sekunden schneller als letztes Jahr. Es ist noch nicht klar, ob ich im kommenden Rennen den Diesel oder einen der neuen SP5-Autos fahren werde. Auf die neuen Autos freue ich mich schon wahnsinnig. Wir haben lange überlegt, in welcher Klasse wir fahren sollen.
Letztendlich waren es die Kosten, die uns zum SP5-Projekt bewegt haben. Ich bin gespannt, wie sich die beiden Autos auf der Nordschleife schlagen werden."
Redaktionsbüro Meuren, auch Photos
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