Sportlicher Ausblick auf die Schneebergland-Rallye 2012
03.07.2012: Division I
Mit drei Siegen in den vier bislang gefahrenen Meisterschaftsläufen und dem dementsprechenden
Division I
Mit drei Siegen in den vier bislang gefahrenen Meisterschaftsläufen und dem dementsprechenden Selbstvertrauen im Gepäck kommt Raimund Baumschlager ins Schneebergland. Dorthin, wo er im Vorjahr wegen einem Rippenbruch nach einem unglücklichen Mountainbike-Sturz kurz vor dem Start absagen musste.
Aber auch dorthin, wo er vor zwei Jahren, bei der Premiere, gewinnen und sich so vorzeitig den Rallye-Titel 2010 sichern konnte. Dass er in der Rolle des Gejagten ist, bringt einen neunfachen Staatsmeister nicht mehr wirklich aus der Ruhe.
„Ich lass alles auf mich zukommen, meint der Skoda-Pilot und warnt sich praktisch selbst. „Die Schneebergland-Rallye ist enorm anspruchsvoll. Da kann immer was passieren.“ Leider nur zu gut kennt diesen Satz Beppo Harrach. Der regierende Champion hat 2011 den Lauf rund um Rohr im Gebirge klar dominiert, ehe er im Auslauf der vorletzten Sonderprüfung einen Baumstumpf zu spät gesehen hat und seinen Mitsubishi zum Dreiradler degradierte.
„Eigentlich hab‘ ich mit dieser Rallye noch zwei Rechnungen offen. Zumal wir auch ein Jahr zuvor das schnellste Auto im Feld waren, aber damals durch eine Zeitstrafe um den Sieg gebracht worden sind. Aber vielleicht ist uns dafür das Glück heuer hold.“
Nutznießer von Harrachs Pech im Vorjahr war Manfred Stohl. Als hartnäckigster Verfolger des Spitzenreiters konnte er gleich im ersten Rennen mit seinem Erdgas-Mitsubishi einen Sieg feiern und ist somit Titelverteidiger. Momentan liegt Stohl in der heimischen Meisterschaft auf dem zweiten Platz.
Seine unbestrittene Klasse bewies er kürzlich beim WM-Lauf in Neuseeland, wo er mit Copilotin Ilka Minor nicht nur sensationell auf Platz 10 fuhr, sondern so auch ein perfektes Schottertraining für die Schneebergland-Rallye abhalten konnte. Ein Umstand, dessentwegen ihn etwa Raimund Baumschlager auch heuer zum Sieganwärter Nummer 1 zählt. Kris Rosenberger, zuletzt Zweiter im VW Polo S2000 bei der Bosch-Rallye, feiert seine Schneebergland-Rallye-Premiere:
„Ich bin dort noch nie gefahren, freue mich aber umso mehr darauf, weil ich Schotter einfach liebe. Soviel ich gehört habe, soll ja heuer streckentechnisch sehr viel neu sein, deshalb hoffe ich, dass sich der Vorteil meiner Konkurrenten in Grenzen hält. Ziel ist es natürlich, dort fortzusetzen, wo man zuletzt aufgehört hat. Also habe ich das Podest im Visier.“
Für Mario Saibel, der ebenfalls letztes Jahr hier gefehlt hat, weil sein Mitsubishi Evo X gerade auf ein R4-Gefährt umgerüstet wurde, ist der heurige Lauf eine Geburtstags-Rallye. Der Wiener wird am 15. Juli 38 Jahre jung. Was wäre ein Geschenk für ihn? „Schwer zu sagen. Normalerweise setzt man sich immer das Podium zum Ziel. Aber so realistisch bin ich, dass ich bei dieser Rallye andere in der Favoritenrolle sehe. Ich möchte einfach eine gute Fahrt auf Schotter genießen.“
Als Schotter-Freak sieht sich auch Christian Mrlik. Der Waldviertler im Subaru bedauert, „dass es die Prüfung Haraseben nicht mehr gibt. Aber die Rallye wird auch so spektakulär genug sein. Und wer weiß, vielleicht ist ja sogar eine Überraschung meinerseits drinnen.“
Für eine Überraschung sorgte heuer im Rebenland Hermann Neubauer mit Platz drei, ehe er dann im Lavanttal ausschied und in Pinggau einen Riesen-Crash fabrizierte, der für seinen Copiloten Berhard Ettl im Spital endete.
Der Subaru-Pilot aus Salzburg gibt sich deshalb vorsichtig: „Nach so einem Erlebnis wie zuletzt muss man erst wieder Vertrauen zum Auto finden. Deshalb zählt für mich in erster Linie einmal eine Zielankunft.“
Weitere Kandidaten auf die top ten sind neben den Subaru-Routiniers Willi Stengg und Walter Mayer auch der Oberösterreicher Jörg Rigger (Mitsubishi Evo X), der Niederösterreicher Robert Zitta (Subaru) sowie der Salzburger Manfred Pfeiffenberger (Mitsubishi Evo IX).
Division II (2WD)
Spannend verläuft die Meisterschaft in der Klasse der zweirad-getriebenen Fahrzeuge. Hannes Danzinger im VW Scirocco und Max Zellhofer im Suzuki Swift 1600 teilen sich die Führung. Doch im Hintergrund lauert Michael Böhm, der mit dem Suzuki Swift 1600 aus dem Hause Zellhofer immer besser klarkommt.
Den besten Beweis lieferte er bei der letzten Rallye in Pinggau, wo Böhm den Sieg einfahren konnte. Besondere Beachtung muss man aber auch dem Kärntner Peter Ebner schenken. Der pfeilschnelle Citroen-DS3-Pilot sorgte kürzlich bei der zur Austrian Rallye Challenge zählenden Kärnten-Rallye in St. Veit an der Glan für eine kleine Sensation, als er mit seinem 2WD-Auto den zweiten Platz in der Gesamtwertung holte.
Mit dem Italiener Carlo Fornasiero (Renault Clio) steht in Rohr/Gebirge ein kontinuierlicher und fleißiger Punktesammler am Start. Er liegt nur einen Zähler hinter Böhm auf Platz vier. Wolfram Doberer ist im Normalfall im Opel-Corsa-Cup unterwegs, nutzt die Schneebergland-Rallye, um sein Auto abseits der internen Punktejagd zu testen.
Division III
Der Sieg in der Division IIII führt auch im Schneebergland über die Suzukis. Diese beherrschen momentan die Szene in dieser Klasse. In Rohr stehen dem heuer noch etwas glücklosen Titelverteidiger Damian Izdebski wieder seine druckvollen Markenkollegen Klemens Haingartner und Rene Rieder gegenüber.
Rieder hat einen überlegenen Klassensieg bei der ARC-Kärnten-Rallye in St. Veit mit im Gepäck.
Division V
Mit Gerwald Grössing (Mitsubishi Evo VII) und Friedrich Poiss (Evo VI) treffen zwei Initiatoren der Schneebergland-Rallye in der Division V aufeinander. Wobei der klare Sieganwärter Grössing unumwunden zugibt, „dass diese Klasse nur eine Randerscheinung für mich ist, die ich zwar gerne mitnehme, aber mein Ziel kann nur voller Angriff auf die Großen sein.
Ich will in der Gesamtwertung so weit vorne wie möglich mitspielen.“ Als Mitinitiator sieht Gössing die Schneebergland-Rallye mit einem lachenden und einem weinenden Auge: „Einerseits bin ich sehr stolz. Wir haben alles, was im österreichischen Rallyesport Rang und Namen hat, am Start der wohl spektakulärsten Veranstaltung im Kalender.
Andererseits bin ich ein wenig enttäuscht, dass gerade die, die nicht müde werden, immer wieder eine echte Schotter-Rallye zu fordern, jetzt offensichtlich nicht einmal über ein Auto verfügen, das eine solche dann auch bewältigen kann.“
Friedrich Poiss, der die Division V heuer im Rebenland gewinnen konnte, beschränkt sich auf das Sportliche: „Wenn ich hinter Gerwald, der für mich unerreichbar ist, und Fritz Waldherr Platz drei schaffe, dann wäre das für mich in gutes Ergebnis.“ Fritz Waldherrs Rolle als Gössings schärfster Jäger ist damit praktisch ebenfalls schon verraten. Bleiben also noch Matthias Knar, Gerhard Hajszan und Kurt Adam als Außenseiter.
Historische Staatsmeisterschaft
Topfavorit in der Historischen Staatsmeisterschaft ist im Schneebergland ganz klar Karl Wagner. Der regierende Staatsmeister aus Wien ist mit Copilotin Gerda Zauner und seinem Porsche 911 heuer noch unbesiegt.
Bei allem Respekt vor Wagners Konkurrenz, Bernhard Jensch (BMW 2002 TI) oder Oskar Hebenstreit (Ford Escort RS2000) - sollte ihm die Technik keinen Streich spielen, wird sich das auch im vierten Saisonrennen der Historischen nicht ändern.
Historischer Pokal der OSK
Der Kampf um den Historischen OSK-Pokal 2012 wird wohl auch im Schneebergland vom ewigen Duell Kurt Göttlicher (Ford Sierra Cosworth) gegen Peter Matasovic (Golf GTI) geprägt sein.
Schotter Rallye Cup
Die Schneebergland-Rallye 2012 zählt auch zum heuer neu ins Leben gerufenen Schotter Rallye Cup. Dieser umfasst neben der bereits ausgetragenen Bükfürdö-Rallye in Ungarn und dem nun folgenden Lauf in Rohr/Gebirge auch den Rallyesprint in Bruck an der Leitha am 17./18. August, die Rallye Waldviertel am 26./27. Oktober sowie die Mikulas-Rallye am 8. Dezember in Ungarn.
Der beste Österreicher des ersten Laufs, der Bükfürdö-Rallye, war Eugen Friedl. Dieser steht auch im Schneebergland am Start. Es besteht aber auch für alle anderen Teilnehmer, die über eine Lizenz der OSK oder eine andere ASN der FIA verfügen, die Möglichkeit, unmittelbar vor Ort eine eigene Nennung für den Schotter Rallye Cup abzugeben.
Österreichische Meistertitel von 1981 bis 2011
1981 Georg Fischer/Michael Weinzierl, Talbot Lotus 1982 Gerhard Kalnay, Opel Ascona 400 1983 Franz Wittmann/Dr. Kurt Nestinger, Audi Quattro 1984 Franz Wittmann/Dr. Kurt Nestinger, Audi Quattro 1985 Wilfried Wiedner/Franz Zehetner, Audi Quattro 1986 Georg Fischer/Thomas Zeltner, Audi Coupe 1987 Georg Fischer/Thomas Zeltner, Audi Coupe 1988 Franz Wittmann/ Jörg Pattermann, Lancia 1989 Franz Wittmann/ Jörg Pattermann, Lancia 1990 Ernst Harrach / Jörg Pattermann, Lancia Delta 1991 Christoph Dirtl / Jörg Pattermann, Lancia Delta 1992 Franz Wittmann / Jörg Pattermann, Toyota 1993 Raimund Baumschlager / Klaus Wicha (D), Ford Escort 1994 Kurt Göttlicher / M. Moser, Ford Escort Cosworth 1995 Willi Stengg / M. Moser Ford Escort Cosworth 1996 Raphael Sperrer / Sepp Loidl, Renault Maxi Megane 1997 Kris Rosenberger / Sigi Schwarz, Toyota Celica 1998 Rapahel Sperrer / Judith Schachinger, Renault Maxi Megane 1999 Achim Mörtl / Jörg Pattermann, Subaru Impreza WRC 2000 Raphael Sperrer / Per Carlsson (S), Seat Cordoba WRC 2001 Franz Wittmann / Heike Feichtinger Toyota Corolla WRC 2002 Raphael Sperrer / Per Carlsson (S, Peugeot WRC 2003 Raimund Baumschlager/ Klaus Wicha (D), Mitsubishi Lancer 2004 Raimund Baumschlager/ Klaus Wicha (D), Mitsubishi Lancer 2005 Raimund Baumschlager/Thomas Zeltner, Mitsubishi Lancer 2006 Raimund Baumschlager/ Bernhard Ettel, Mitsubishi Evo VIII 2007 Raimund Baumschlager/ Thomas Zeltner, Mitsubishi Evo IX 2008 Raimund Baumschlager/ Thomas Zeltner, Mitsubishi Evo IX 2009 Raimund Baumschlager/ Thomas Zeltner, Skoda Fabia S2000 2010 Raimund Baumschlager/ Thomas Zeltner, Skoda Fabia S2000 2011 Beppo Harrach/Andreas Schindlbacher, Mitsubishi Evo IX R4
Bisherige Sieger der Schneebergland Rallye
2010 Raimund Baumschlager/ Thomas Zeltner Skoda Fabia S200 2011 Manfred Stohl/ Ilka Minor Mitsubishi Evo IX Erdgas
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