Die Deutsche Rallye-Meisterschaft im Saarland
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Das ist einer der unbestrittenen Klassiker im deutschen Rallye-Kalender. Die Prüfungen der ADAC Saarland-Rallye halten selektive Herausforderungen auf den Höhen des Saargaus (WP „Steine an der Grenze") ebenso bereit wie die spektakulären Stadtrundkurse in Dillingen und Merzig. Darüber hinaus geht es diesmal aber auch aus dem „Kernland" der Saarland-Rallye heraus, um einen Abstecher in Weltmeisterschaftsterrain zu unternehmen:
Für WP 3 / 5 („St. Wendeler Land") und die WP 4 / 6 („Füsselberg Freisen") werden Strecken genutzt, auf denen auch Sébastien Loeb und Co. schon um Bestzeiten und Weltmeisterschaftspunkte fuhren. Der Flexservie auf den gleichen Flächen am Bostalsee, den auch die WM-Team nutzen, unterstreicht: Im Saarland wird Rallyesport auf internationalem Top-Niveau betrieben. Herzlich willkommen zur ADAC Sarland-Rallye, einer 530-Kilometer-Herausforderung mit 144 WP-Kilometern auf zwölf Bestzeitprüfungen!
Als souveräner Meisterschaftsleader führt Hermann Gassner (Surheim, Mitsubishi Lancer Evo 9) mit Co-Pilot Siggi Schrankl (Obing) das Feld der knapp 90 genannten Teams an. Der Bayer erkämpfte sich die Führung mit zwei Gesamtsiegen und zwei zweiten Plätzen in den vier bislang absolvierten DRM-Läufen.
Mit 106 Zählern liegt er 29 Punkte vor den schärfsten Verfolgern Sandro Wallenwein / Pauli Zeitlhofer (Stuttgart / Österreich, Subaru Impreza STI), die damit auch die einzigen verbliebenen ernsthaften Rivalen im Meisterschaftskampf sind. Alle weiteren Teams müssten schon auf einen doppelten Ausfall von „Herminator" Gaßner hoffen, um ihn noch einzuholen – bei der souveränen Coolness, mit der Gaßner seine Ergebnisse einzufahren pflegt, ein eher unwahrscheinliches Szenario.
Was sich nach einer vermeintlich langweiligen Ausgangslage anhört, birgt aber trotzdem reichlich Stoff für einen dramatischen Rallyeverlauf – denn an der Spitze des DRM-Feldes ist der Wettbewerb so eng wie seit Jahren nicht mehr. Nur mit Geduld, einer abgeklärten Strategie und einem Kämpferherz im richtigen Augenblick konnte sich Gaßner die Führung erarbeiten. Welchen Krimistoff die DRM zu liefern im Stande ist, zeigt zum Beispiel der vergangene Lauf:
Im Juli trafen sich die DRM-Teams zur ADAC Eifel-Rallye rund um Daun, der bestimmt wurde vom Fight der heckgetriebenen Porsche 911 GT3 mit den allradgetriebenen Gruppe-N-Turbos. Rekordmeister Matthias Kahle (Köln) konnte mit Co-Pilot Dr. Thomas Schünemann (Hamburg) im Porsche zunächst das Tempo vorgeben und erarbeitete sich auf den ersten Prüfungen fast 25 Sekunden Vorsprung vor seinem Markenkollegen Olaf Dobberkau (Schleusingen) und dem nachfogenden Gaßner.
Erst am Samstagnachmittag konnte der Tabellenleader zum Angriff blasen: Örtliche Regenschauer und Schotterpassagen auf den WPs egalisierten den Leistungsvorteil der Porsche, und die Fraktion der Allradfahrzeuge machte mächtig Boden gut. In einem Herzschlagfinale mit wechselnden WP-Bestzeiten hatte Kahle schließlich das Nachsehen. „Das könnte der erste Schritt zum Titel gewesen sein", freute sich Gaßner anschließend, „aber zwei große Schritte fehlen noch".
Starke Verfolger wollen dem Tabellenführer das Siegen schwer machen
Obwohl sie das Nachsehen hatten freuten sich nach der Eifel-Rallye auch die unterlegenen Porsche-Piloten: Sie hatten bewiesen, dass ihre heckgetriebenen 911er absolut konkurrenzfähig und für einen DRM-Sieg gut sind. Gleich vier der Zuffenhauser Modelle nehmen im Saarland die Verfolgung des Tabellenleaders auf. Neben Kahle und Dobberkau tritt Anton Werner (Altfraunhofen) und DRM-Altmeister Heinz-Walter Schewe (Hagen) im GT3-Boliden an.
Zu Rechnen ist aber auch mit Sandro Wallenwein. Der Stuttgarter erlebte in der Eifel ein Wochenende zum Abhaken und muss, wenn er noch in den Meisterschaftsfight eingreifen möchte, im Saarland vor Gaßner landen. Mit Co-Pilot Pauli Zeitlhofer hat der Schwabe schon häufig bewiesen, dass er die Pace des Bayern mitgehen kann. Zudem bläst eine Meute von Lancer-Piloten zum Angriff auf den DRM-Primus:
Florian Auer (Ainring), Peter Corazza (Oelsnitz) und Klaus Osterhaus (Unna) möchten es dm amtierenden DRM-Champion ebenso zeigen, wie der eigene Filius: Hermann Gaßner junior tritt nämlich mit Co-Pilotin Kathi Wüstenhagen (Am Mellesee) ebenfalls im Gaßner-Lancer Evo 9 an und hat bereits mehrfach seine fahrerische Qualität unter Beweis gestellt, als er die Zeiten seines Vaters unterbot.
Mysliwietz wieder am Start
Auch aus saarländischer Sicht hat die Rallye einige hoch interessante Starter. So greift der Piesbacher Lars Mysliwietz mit Teamchef Oliver Schumacher auf dem Beifahrersitz wieder ins Geschehen ein, der in der DRM beim vergangenen Lauf pausieren musste. Der Citroën C2 R2 MAX des Teams war bei der Rallye Lebacher Land bei einem Überschlag beschädigt worden und musste nun auf einer Rohkarosse neu aufgebaut werden.
„Damit sind die Chancen auf eine Wiederholung der DRM-Vizemeisterschaft begraben", ärgerte sich Oliver Schumacher über die ungeplante Pause. Vielleicht sollte man gerade deshalb Mysliwitz und Schumacher besonderes Augenmerk schenken: Befreit vom Druck, unbedingt Meisterschaftszähler zu sammeln können sie beim Heimspiel völlig unbeschwert auftrumpfen. Ein weiterer Pilot, den man dringend im Auge behalten sollte ist Patrick Anglage aus Losheim. Er tritt bei seinem Heimspiel gemeinsam mt Björn Röhm (Schlitz) im Opel Corsa Super 1600 an.
Der 21-jährige Zivildienstleistende hat sich nach dem Vizetitel in der saarländischen Rallye-Junior-Meisterschaft 2006 auch im Rest der Republik einen guten Namen gemacht und überzeugte unter anderem mit einem Klassensieg beim WM-Lauf im vergangenen Jahr. Nun ist auch der Deutsche Motor Sport Bund (DMSB) auf ihn aufmerksam geworden und lud ihn – gemeinsam mit vier weiteren Kandidaten – zu einem Sichtungslehrgang Ende September ein.
Dort kämpft er mit den besten Rallye-Junioren Deutschlands um den Einzug in eine internationale Sichtung, mit der der Motorsport-Weltverband FIA gemeinsam mit WM-Reifenhersteller Pirelli nach Kaderpiloten für Juniorteam in der Rallye-WM suchen. „Es ist eine große Ehrung, zu dieser Sichtung eingeladen zu werden", freut sich der Losheimer. „Es gibt sehr viele Talente in Deutschland und es ist toll, zu denen zu gehören, die dabei sein dürfen."
- Markus Schramm-
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