Vom 12. bis 13. September 2008 sorgt die 38. Auflage der ADAC Saarland Rallye sicherlich wieder für große Begeisterung bei tausenden von Fans, die sich jährlich vom Rallye-Fieber anstecken lassen. Die Veranstaltung rund um Dillingen, Merzig und den Bostalsee ist in diesem Jahr der vorletzte Lauf zur Deutschen Rallye Meisterschaft. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass die Saarland Rallye schon in ihren Anfangsjahren ein unglaublicher Zuschauer-magnet war und nicht umsonst zur größten Motorsportveranstaltung im Saarland avancierte.
Vor genau 30 Jahren konnte sich ein besonders populärer Rallye-Fahrer in die Siegerliste der Saarland Rallye eintragen: Walter Röhrl entschied im Lancia Stratos den saarländischen Lauf für sich. Nach dem Gewinn der Welt-meisterschaft 1980 folgte zwei Jahre später sein zweiter WM-Titel. So kam Röhrl als aktueller Weltmeister und Sieger der Rallye Monte Carlo 1983 erneut ins Saarland, allerdings im Lancia 037.
Mit dem zweifachen Weltmeister, der sonst in Griechenland, Argentinien oder Neuseeland unterwegs war, schien der Sieger schon vor der Rallye festzustehen. Doch es sollte ganz anders kommen. Der Zweikampf zwischen dem großen Favoriten Röhrl und dem Lokalmatadoren Manfred Hero sorgte für einen der spannendsten Läufe in der Geschichte der Saarland Rallye.
Schon zu Beginn der Rallye verlor Walter Röhrl zehn Minuten und fiel auf Platz 21 zurück, nachdem er auf einer Wasserlache abflog, dieeinen Streckenabschnitt überschwemmte. Schließlich kam der Weltmeister aus Bayern auf Rang zwei hinter einem gewissen Manfred Hero ins Ziel.
Ohnehin waren die circa 100.000 Zuschauer durch das Duell der beiden Rallye-Asse hin und her gerissen. Einerseits hoffte man auf den Sieg des prominenten Weltmeisters, andererseits drückte man Manfred Hero bei seinem Heimspiel die Daumen.
Manfred Hero prägte unter anderem im Porsche 911 die Saarland Rallye noch über viele Jahre und wurde vier Mal Gesamtsieger. Eine herausragende Leistung, wenn man bedenkt, dass Hero als Privatfahrer gegen die Werkteams von Opel, Audi oder Lancia antrat.
Auch heute gibt es noch einige Porsche-Fahrer, die auf einen vorderen Platz bei der Saarland Rallye hoffen. So treten in diesem Jahr neben dem 6-fachen Deutschen Rallye-Meister Matthias Kahle auch Anton Werner, Olaf Dobberkau und Hans Walter Schewe (deutscher Rallyemeister von 1976) im Porsche 911 GT3 an.
Einen wesentlichen Unterschied zur „Saarland 2008" bildet hingegen die Jahreszeit, in der die Veranstaltung ausgetragen wurde. Während sie heute im September startet, fuhr man früher im April. Die Wetterverhältnisse forderten nicht nur die Fahrer, die auf Schotter und Asphalt gleichermaßen auskommen mussten, sondern auch die zahlreichen Zuschauer, die sich nicht von Regen oder sogar Schnee abhalten ließen.
Stattdessen sorgten sie auf dem Peterberg bei geschlossener Schneedecke mit Lagerfeuern für echte Monte-Carlo-Stimmung. Regen, Schlamm, Schnee, Glatteis, Nebel sowie das Befahren einiger Prüfungen in der Nacht stellten damals besondere Herausforderungen an die Piloten.
Zu dieser Zeit herrschte eine unvorstellbare Medienpräsenz und ein weltweites Interesse an der Saarland Rallye, die als Lauf zur Rallye-Europameisterschaft und Deutschen Meisterschaft einen hohen Stellenwert genoss. Wer nicht die Prüfungen besuchen konnte, der hatte die Möglichkeit, live über das Radio die Rallye zu verfolgen. Etwa 200 Journalisten aus Schweden, Dänemark, Luxemburg, Belgien und Frankreich ließen sich 1983 akkreditieren.
Auch bei der diesjährigen Auflage müssen die Fans auf nichts verzichten. Wertungsprüfungen, wie beispielsweise die "Wahlener Platte", wurden schon vor mehreren Jahrzehnten befahren und gehören noch immer zur Rallye-Route.
Auch spektakuläre Rundkurse in St. Wendel und Merzig, die damals 20.000 Rallye-Begeisterte anzogen, durften nicht im Programm fehlen. Heute bieten die beiden Stadtrundkurse in Merzig und Dillingen eine große Attraktion, die Zuschauerherzen höher schlagen lassen. Beste Voraussetzungen also für die 38. ADAC Saarland Rallye, die damals wie heute einen absoluten Höhepunkt im Motorsportkalender darstellt.
- Markus Schramm-
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