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18.06.2007

Erstes Rennen in Brno

27 Autos, davon 9 GT-Fahrzeuge, fanden ihren Weg zum ersten Rennen der Sports Car Challenge im Rahmen der FIA-Tourenwagen-WM am Brno Circuit. Größte Überraschung im Feld: Der Ferrari 333SP von Dr. Thomas Gruber.

Er fährt heuer in der Le Mans Serie beim Team Felbermayr-Proton einen Porsche 996, voriges Jahr war er mit Jetalliance Racing in der FIA-GT-Meisterschaft; der edle Zwölfzylinder-Renner stammt aus seinem Privatbesitz.

 Das Auto ist aus dem Jahr 2000, trägt die Chassisnummer 27 und ist bisher noch nie ein Rennen gefahren. Ebenfalls ein Gaststarter von hohem Kaliber in der großen Prototypen-Klasse ist das Team Renauer Motorsport mit dem bekannten Tampolli-Alfa V6 - nur halb so viele Zylinder, aber des wegen nicht halb so schnell.

Sie bekamen es mit den arrivierten SCC-Startern zu tun, allen voran Emanuel Pedrazza im PRC-Cosworth. Kaufmann vor Gruber und Pedrazza lautete die Reihenfolge im freien Training; in beiden Qualifying-Sessions hatte Gruber dann die Nase des Ferrari vorne, der einzige unter der 2-Minuten-Marke.

Pedrazza positionierte sich neben ihm in Reihe 1 für das Samstag-Rennen, Kaufmann sicherte sich diesen Platz für den Sonntag-Event. Dahinter gab es ein eindeutiges Bild: Für beide Rennen waren Titelverteidiger Wolfgang Payr und RWT-Chefpilot Gerd Beisel (beide PRC-BMW) in Reihe 2, dahinter der schnellste der Division 1, Karl Heinz Matzinger (PRC-Honda).

Porsche-Fahrer Martin Brückl hatte gut besetzten GT-Division ebenfalls alles im Griff, bei den „Produktionswagen" wilderte aber erstmals ein Lamborghini im Porsche-Revier. S-Berg Racing setzte einen Gallardo GT3 für Werner Gröbl und Hans Knaus in den SCC-Sprints und dem AvD-100-Meilen-Rennen ein. In der FIA-GT3-Europameisterschaft zählt dieses Team zu den allerschnellsten.

 

Lauf 1:

Thomas Gruber im Ferrari 333SP war bei bewölktem Wetter – es blieb aber trocken - der ungefährdete Dominator des Rennens. Von der Pole Position holte er sich und seinem Auto den Start-Ziel-Sieg. Emanuel Pedrazza im PRC-Cosworth hielt den italienischen Zwölfzylinder aber die gesamten 20 Minuten über in Sichtweite, der Abstand im Ziel betrug 5 Sekunden.

Wolfgang Kaufmann fiel von Platz 3 am Grid stetig zurück, er klagte über hartnäckiges Untersteuern. Gerd Beisel im PRC flitzte in Runde 6 an seinem Markenkollegen Payr vorbei und setzte sich an die dritte Stelle, während Kaufmann den Lauf vorzeitig beenden musste.

In der Division 1 rauften Karl Heinz Matzinger im PRC-Honda und Yvan Haberkorn im Norma um den Sieg, anfangs mischte noch Mirco Schultis mit; auch er hatte an diesem Wochenende aber etwas mit seinem Auto zu kämpfen. „Klassenübergreifend" war auch Peter Kormann im Division-2-PRC in diese Auseinandersetzung verwickelt.

Die letzten Runden waren ein hartes Duell Matzinger-Haberkorn; jeder der beiden hatte auf anderen Streckenpunkten seine Vorteile. In der letzten Runde wurde Matzinger außerdem von einem langsameren Auto aufgehalten, Haberkorn nützte seine Chance kaltblütig aus. Matzinger hatte den Pokal quasi bereits in der Hand, aber ganze 0,06 Sekunden entschieden zugunsten des Franzosen…

Bei den GT startete Werner Gröbl im Lambo mangels Quali-Zeit dem Feld hinterher, in der zweiten Rennhälfte setzte er den Leader Martin Brückl unter Druck. Auch hier gab es ein überaus knappes Finish: 0,3 Sekunden rettete der junge Tiroler als Vorsprung ins Ziel!

 

Lauf 2:

Am Sonntag war das Wetter endgültig strahlend, die Zuschauerkulisse am WTCC-Renntag überaus erfreulich. Die SCC startete unmittelbar vor dem ersten WTCC-Lauf und hatte die volle Aufmerksamkeit des Publikums. Thomas Gruber war nicht mehr dabei, die Pole Position blieb leer. Damit war Wolfgang Kaufmann beim Start an der Spitze, Emanuel Pedrazza stach ihn aber in der ersten Runde aus.

Später wurde gegen Kaufmann eine Drive-through-Strafe verhängt; war er den Kommissären am Start zu schnell? Auf der Strecke hatte er sich vorderhand mit dem nachdrängenden Wolfgang Payr auseinanderzusetzen. In der GT-Klasse ging Gröbl an Brückl vorbei und fuhr auf Gesamtrang 11. Die beiden GT-Spitzenreiter schenkten sich nichts und hatten nach dem Rennen einige Kleinigkeiten zu besprechen. Man ging dann aber wieder im Guten auseinander.

Um die Division-1-Führung ging es zwischen Matzinger und Haberkorn wieder zur Sache, dazwischen wieder Peter Kormann, man war in Rennlaune. Haberkorn verlor eine Position gegen Kormann am Start. Und dann gab es einen Moment der Besinnung: Das Safety-Car kam auf die Strecke. Der Grund waren zwei Ausrutscher.

Thomas Wolfert und Mirco Schultis gerieten neben die Strecke. In Runde 4 der Restart, Payr setzte sich an die 2. Position, Kaufmann geriet unter Druck von Gerd Beisel. Es wurde quer durchs Feld gekämpft: Pedrazza gegen Payr um Platz 1, Beisel gegen Kaufmann um Platz 3, Matzinger gegen Haberkorn um die Division-1-Führung, Gröbl gegen Brückl bei den GT - ein alles in allem sehr unterhaltsames Rennen vor den gut gefüllten Naturtribünen des Brno Circuit. In Runde 6 war zumindest eines dieser Duelle entschieden.

Emanuel Pedrazza brachte den mechanisch unsauber klingenden PRC-Cosworth an die Box: Der dritte Gang war gebrochen, zur Schadensbegrenzung beendete der Österreicher den Lauf. Damit war Payr in sicherer Führung. Runde 7 sah die Verhängung der Strafe gegen Kaufmann, zwei Runden später kam er an die Box – aber mit einem mechanischen Defekt. Zumindest war Petr Valeks 3. Platz bei den GT Porsche 996 mit dem für Sepp Renauers Team ein kleines Trostpflaster.

Die Abstände an der Spitze waren klar, Matzinger wurde durch diesen Ausfall auf Gesamtrang 3 befördert. Ihm war aber immer noch sein spezieller Freund Haberkorn auf den Fersen. Die beiden zeigten wie schon am Tag zuvor tollen Rennsport, die Teams Hoffmann Racing bzw. RWT zitterten an der Boxenmauer mit. Diesmal reichte es für Matzinger, drei Hunderstel betrug der Vorsprung. Werner Gröbl wurde von Martin Brückl bis ins Ziel beschattet und holte den ersten Lamborghini-Sieg in der Sports Car Challenge. 

Die Sports Car Challenge ist eine Meisterschaft für offene Sportprototypen und GT-Fahrzeuge. Gegründet im Jahr 1996 von Walter Pedrazza, fährt die SCC ihre Rennen an acht Wochenenden auf Strecken in Deutschland, Italien, Frankreich und der Tschechischen Republik.

Fünf Meetings zählen auch, mit eigener Wertung, zur Internationalen Österreichischen Meisterschaft für Sportprototypen. Verwendet werden Fahrzeuge ähnlich denen in Le Mans, mit einer Leistung von bis zu 600 PS. Damit ist die IÖM die schnellste österreichische Meisterschaft. 

 

- Johannes Gauglica -
photos Meike Keskin





Author: maggy (admin2)
Last modified: Monday, 18.06.2007 - 05:01
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