Dr. Klaus Nesbach und Pertti Kuismanen siegen am Nürburgring

Fällt schon beim vorletzten Rennwochenende der STT auf dem Nürburgring eine Meisterschaftsvorentscheidung oder kommt es zum großen Show Down zwei Wochen später am selben Ort ? Die Antwort! Es bleibt weiter spannend im Titelkampf. Selbst Alfred Hitchcock hätte für die Finalentscheidung kein besseres Drehbuch schreiben können.
Die drei Meisterschaftsfavoriten Jürgen Hohenester, Pertti Kuismanen und Robert Egner gaben sich beim RGB Saisonfinale keine Blöße und gewannen ihre Klassen gleich doppelt. Für das im STT Kalender schon fast traditionellen Rennen bei der Renngemeinschaft Bergisch-Gladbach hatte sich auch ein interessanter STT Rückkehrer angekündigt.
Rüdiger Julius-Bernhart, unterstützt durch den Schweizer Bergpiloten Bruno Winkler, brachten den ehemaligen DTM Astra von Joachim Winkelhock an den Nürburgring. Nach ersten guten Trainingseindrücken war aber schon nach wenigen Runden in der zweiten Trainingssitzung der Ofen aus; die Kardanwelle hatte das Zeitliche gesegnet.
Schon zuvor hatte Ulrich Becker, der auf dem Nürburgring endlich wieder mit seinem BMW M3 E30 angreifen wollte, Kilometer gesammelt. Doch für den Vorjahresdritten kam es wieder einmal anders als geplant, als erneut der Motor den Dienst quittierte. Daraufhin düste Becker nach Marl zurück und bekam vom nur wenige Meter entfernt wohnenden Tischner Team den Langstrecken BMW M3 E46 geliehen.
Doch nicht nur Ulrich Becker erwischte es mit Motorproblemen. Während Christian Nowak deswegen erst gar nicht mit der Cobra zum Nürburgring anreiste, ereilte Johannes Graversen im zweiten Zeittraining ein Motorschaden. Damit war aber der Ausfälle erst einmal genug. Das in zwei Sektionen unterteilte Zeittraining der STT dominierten die GT Boliden von Dr. Klaus Nesbach und Pertti Kuismanen.
In der ersten Sektionen markierte der Stealth Pilot mit einer Zeit von 1.59,195 klar die Bestzeit vor Pertti Kuismanen. Die dritte Startposition ging beim aller ersten Einsatz auf dem Astra V8 an Rüdiger Julius. Damit stand der STT Meister des Jahres 1994 neben STT Rekordmeister Rolf Rummel im Porsche 911 GT2 in der zweiten Startreihe.
Die zweite Sektion ging an den Finnen Pertti Kuismanen, dem aber zu gute kam, dass Dr. Klaus Nesbach wegen Bremsproblemen nur zwei Runden drehen konnte. Serienpromoter Rolf Krepschik, der für Willi Herold am Volant des Audi S2 drehte, gesellte sich zu Kuismanen in Reihe eins. Dahinter platzierten sich Rolf Rummel und der starke Gaststarter Mario Münch im Porsche 996 GT3 Cup.

Rennen 1
Pertti Kuismanen entschied das Startduell für sich, während Nesbach, Rummel, Krepschik und Münch sich dahinter einreihten. Hinter dem Cup Porsche von Mario Münch folgte das Audi Quartett mit Reinhard Sadlowski (Audi 80), Robert Egner (Audi A4), Jürgen Hohenester und Rüdiger Noll (Audi S4). Da Dr. Nesbach erst seine Reifen auf Temperatur bringen musste, legte Kuismanen einige Meter zwischen sich und den Stealth Piloten.
Nach sechs Runden war Nesbach jedoch wieder an der Viper dran, eher er in sieben vorbeizog. Von da an kontrollierte der englische Supersportwagen das Rennen klar. Im Ziel hatte Nesbach schließlich über sieben Sekunden Vorsprung auf Pertti Kuismanen. Da Rolf Krepschik frühzeitig in die Box musste um seine ölverschmierten Scheiben reinigen zu lassen, gab es für Rolf Rummel wenig zu tun. Mit einem Rückstand von 1.42 Minuten gelang dem Heiligenhausener der Sprung aufs Treppchen.
Eine gute Vorstellung gab Mario Münch mit dem vierten Gesamtplatz und dem Sieg in der GT Klasse bis 4250 ccm bei seinem ersten STT Rennen. Enger ging es da schon in der Vierergruppe mit Jürgen Hohenester, Reinhard Sadlowski, Robert Egner und Ulrich Becker zu. Nachdem Reinhard Sadlowski nach einem Radbruch in der Coca Cola Kurve ins Kiesbett gesegelt war, vervollständigte Michael Irmgartz (Porsche 964 RSR) wieder das Quartett.
Am schnellen Audi TT von Jürgen Hohenester gab es aber kein Vorbeikommen. Der Meisterschaftsführende hatte beim Fallen der schwarz-weiß karierten Flagge über sechs Sekunden Vorsprung auf Irmgartz, der sich noch an Egner und Becker vorbeigekämpft hatte. In den Top 10 landeten die zwei Porsche 996 GT3 Cup Piloten Frank Schreiner und Rüdiger Klos, der den Porsche von Robert Römer übernommen hatte.
Sven Fisch schnappte sich den Klassensieg bei den Tourenwagen über 3250 ccm buchstäblich in letzter Sekunde. In der Coca Cola Kurve konnte der STT Meister von 2001 den zu diesem Zeitpunkt noch Klassenführenden Rüdiger Noll überholen und so den Klassensieg um 0,369 Sekunden dem Mudersbacher abjagen. Für den Klassensieger der Tourenwagen bis 2500 ccm, Christoph Schlemm im ex-Roland Asch DTM Mercedes, endete das Rennen auf dem dreizehnten Gesamtplatz. Der Klassensieg bei den 1,6 Litern ging an den schnellen Passauer Golf Piloten Helmut Maier.

Rennen 2
Das zweite Rennen versprach einiges an Spannung, da Dr. Klaus Nesbach das Rennen vom Ende des Feldes aufnehmen musste. Würde der Krefelder die amerikanische Giftschlange von Pertti Kuismanen noch abfangen können, lautete die Frage im Vorfeld des Rennens. Der Start wurde aber wie zu erwarten eine sichere Schlangenbeute. Hinter Kuismanen folgten Rolf Rummel, Rolf Krepschik und der bestens gestartete Rüdiger Noll.
Im Verlauf der ersten Runde konnte sich aber Mario Münch wieder am bärenstarken Audi von Noll vorbeikämpfen. Ganz schnell unterwegs war aber Dr. Klaus Nesbach. Nach nur vier Runden lag er schon hinter Pertti Kuismanen auf dem zweiten Gesamtrang und blies zur großen Aufholjagd. Doch ein Dreher in der Mercedes Arena und ein gebrochenes Differential wenig später, sorgten für das Aus in Runde 11.
Damit war für Pertti Kuismanen der Drops gelutscht und der Gesamtsieg vor Rolf Rummel nach 14 Runden sicher. Doch für Rolf Rummel sollte es nach dem Rennen noch eine Zeitstrafe wegen Überholens unter Gelb geben, so dass dadurch Mario Münch auf den zweiten Platz vorrutschte. Da wäre wohl auch Herold Vertreter Rolf Krepschik gelandet. Doch genau wie der Fahrer selbst litt der Audi S2 unter erhöhter Temperatur, was eine bessere Platzierung im Rennen verhinderte.

So klar die ersten drei Position verteilt waren, so eng und abwechslungsreich gestalteten sich die Positionskämpfe dahinter. Lange lag Reinhard Sadlowski dicht hinter Jürgen Hohenester, doch ein Verbremser bei der Einfahrt in die Mercedes Arena warf den Berliner zurück. Davon profitierte in erster Linie Robert Egner, der somit den erneuten Klassensieg einfahren konnte und damit wichtige Meisterschaftspunkte sammelte.
Da aber auch Pertti Kuismanen und Jürgen Hohenester ihre Klassen gewinnen konnten, bleibt die Meisterschaftsentscheidung weiterhin völlig offen. Vorjahresmeister Michael Irmgartz, der im ersten Rennabschnitt noch hinter den drei starken Audi gelegen hatte, schaffte es bis zum Rennende noch die Audimeute hinter sich zu lassen. Auf dem zehnten Gesamtrang konnte Jörg Lorenz sein bis dato bestes STT Rennergebnis im nun turbobefeuerten Porsche dp 935 feiern. Mit Pokalen für ihre Klassensiege wurden auch Rüdiger Noll, Helmut Maier und Dr. Klaus Nesbach belohnt.
Erst in zwei Wochen wird die Entscheidung im Rahmen der Westfalen Trophy am Nürburgring fallen, wer denn nun den STT Meistertitel mit nach Hause nehmen kann.
- Patrick Holzer , auch Photos -
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