Jürgen Hohenester neuer STTH&R Cup Champion 2007

Interessanter hätte die Konstellation vor dem entscheidenden Meisterschaftslauf der Spezial-Tourenwagen-Trophy nicht sein können. Jürgen Hohenester, Pertti Kuismanen und Robert Egner hatten vor dem großen Finale noch Chancen den Meistertitel zu erringen.
Im Zeittraining gaben sich die drei Meisterschaftsaspiranten keine Blöße und waren in ihren Klassen nicht zu schlagen. Pertti Kuismanen war in beiden Sektionen mit Zeiten von 2.02,374 und 2.00,942 nicht von der Poleposition zu verdrängen. Weder Rolf Rummel im Porsche 911 GT2, noch René Snel, der wieder seinen bärenstarken Porsche 996 GT2 einsetzte, konnten den Finnen gefährden.
Hinter den PS Riesen der großen GT Klasse platzierte sich Ulrich Becker mit seinem BMW M3 E30 als bester Tourenwagen jeweils auf dem vierten Startplatz. Nach seinem Motorschaden beim letzten Lauf meldete sich Johannes Graversen im Fiat X1/9 Turbo mit Platz fünf und sechs erfolgreich zurück. Auch das Trainingsduell Christoph Schlemm und Markus Wüstefeld, die beide zwei ehemalige DTM 190er Mercedes einsetzten, versprach jede Menge Spannung für das Rennen.
Nachdem das Wetter am Samstag zwar eisig kalt gewesen war, zogen über Nacht dicke Regenwolken über der Eifel auf. Unter Nieselregen startete die Spezial-Tourenwagen-Trophy in ihr vorletztes Rennen 2007. Pertti Kuismanen brachte die Pferdestärken seiner Chrysler Viper GTS-R am besten auf den nassen Asphalt und übernahm die Führung.
Dahinter folgten die zwei Turbo Porsche von Rolf Rummel und René Snel. Doch schon wenige Meter später drehte sich Rummel bei der Einfahrt der Mercedesarena. Der nachfolgende Michael Irmgartz (Porsche 964 RSR) suchte sich die falsche Seite aus und krachte Rolf Rummel ins Heck. Dabei erwischte Michael Irmgartz ausgerechnet die falsche Seite seines Porsche.
Durch den Unfall wurde die Ölleitung beschädigt, so dass sich der Motor kurz vor Schluss in den Feierabend verabschiedete. Den ganzen Trubel nutzte Jürgen Hohenester aus um an René Snel vorbeizurutschen und lag nun hinter Meisterschaftskonkurrent Pertti Kuismanen. Petrus sei dank, kam es zum nie für möglich gehaltenen Duell der beiden Titelaspiranten. Zweiliter Auto gegen GT Hubraumriese, Allrad gegen PS Gewalt.
Während Kuismanen auf den langen Nürburgring Geraden immer das Weite suchte, kam Jürgen Hohenester in den langsameren Streckenabschnitten immer wieder ran. Bei der Ausfahrt der Mercedesarena attackierte der dreimalige STT Champ immer wieder und kam auch einmal an Kuismanen vorbei. Jetzt ein Kontakt zwischen den beiden, und Robert Egner wäre auf einmal in der Meisterschaft in Front. Letztendlich behielt Pertti Kuismanen in dem fairen Duell aber die Oberhand und siegte mit knapp über zwei Sekunden Vorsprung vor Jürgen Hohenester.

Johannes Graversen kam mit den nassen Verhältnisse ebenfalls bestens zurecht und schwamm auf den dritten Gesamtplatz, womit der Däne erstmals auf dem Siegerpodest stehen durfte. Auch um die Plätze dahinter wurde eifrig gekämpft, trotz Regen und mittlerweile ölverschmierter Strecke. Damir Kelic fand sich dabei gut zurecht und freute sich nach dem Rennen über den vierten Platz im Gesamt und dem Klassensieg bei den GT Fahrzeugen bis 4250 ccm.
Nach einem Dreher war für René Snel nicht mehr als Platz fünf möglich, den er vor Rüdiger Klos (Porsche 996 GT3 Cup) nach Hause fuhr. In den Top 10 kamen außerdem Robert Egner (1. TW bis 3250 ccm), Ulrich Becker (1. TW bis 2500 ccm), Michael Irmgartz (1. GT luftgekühlt bis 4000 ccm) und Joachim Bunkus im von den Fans geliebten Triumph Dolomite ins Ziel. Die 1600er-Klasse gewann Helmut Maier (VW Spiess Golf) vor Lothar Moll im Fiat Uno.
Besseres Wetter hätte sich auch Franz-Josef Fischer gewünscht. Der langjährige STT-Pilot gab nach 30 Jahren Motorsport seine Abschiedsvorstellung auf dem Nürburgring. Dennoch wird der Opel Astra der STT erhalten bleiben, da im nächsten Jahr der langjährige Teamkollege Jochen Thissen das Steuer des Astra übernehmen wird.
Der Nebel legte sich zwischen den zwei Rennen immer dichter um die Strecke, so dass die Sicht stark eingeschränkt war. Aus Sicherheitsgründen verzichtete unter anderem René Snel auf einen Start seines Porsche 996 GT2. Nur schwer konnte man ausmachen, was sich dann beim Start auf der langen Geraden tat. Pertti Kuismanen stach als erster durch die Nebelschwaden hervor, dahinter folgten Ulrich Becker, Johannes Graversen, Jürgen Hohenester und Rüdiger Klos.
Bei diesen widrigen Wetterverhältnissen wollte Jürgen Hohenester nichts mehr riskieren. Während Pertti Kuismanen vorneweg fuhr, begnügte sich Hohenester zuerst mit dem dritten Platz hinter Johannes Graversen. Als der Däne aber langsamer wurde, ging Hohenester vorbei und landete erneut auf dem zweiten Gesamtrang. Damit war die Meisterschaft nach zwölf spannenden und actiongeladenen Rennen entschieden. Zum vierten Mal kann Jürgen Hohenester in der STT einen Meistertitel feiern. Im Gegensatz zu seinen vorherigen Meisterschaften kann er nun auch erstmals den Titel des Gesamtmeisters mit nach Gaimerheims nehmen.
Durch die erschwerten Bedingungen wurden Leistungsunterschiede wettgemacht und das Klassement gehörig durcheinander gewürfelt. Zuerst lag Rüdiger Klos hinter Kuismanen, Graversen und Hohenester auf dem vierten vierten Gesamtplatz. Robert Egner, Ulrich Becker, Damir Kelic und Helmut Maier lagen in Tuchfühlung. Vor allem der Passauer war es, der sich wieder einmal als Regenspezialist erwies und teilweise sogar auf dem vierten Gesamtplatz lag.
Nach einem ersten Dreher kämpfte sich Maier wieder an die deutlich PS stärkeren Fahrzeuge heran, musste aber beim Versuch sich an Robert Egner vorbeizubremsen einen erneuten Dreher in Kauf nehmen. Dennoch gab Helmut Maier nicht auf und schnappte sich den neuen Meisterschaftsdritten der STT, Robert Egner, kurz vor Schluss doch noch. Damit beendete der auch am Berg äußerst erfolgreiche Helmut Maier das Rennen auf einem starken sechsten Gesamtplatz.
Den Podestplatz sicherte sich nach Graversens Ausfall Damir Kelic bei seinem ersten STT Einsatz im Porsche 997 GT3 Cup. Dahinter sahen Ulrich Becker und Rüdiger Klos die schwarz-weiß karierte Flagge. Auf einem starken achten Gesamtplatz beendete Joachim Bunkus als Zweiter der Zweiliterklasse sein Rennen.

Hinter René Ruch (Maserati Trofeo) und Markus Wüstefeld (Mercedes 190E Evo II) feierte Jochen Thissen als Gesamtelfter einen tollen STT Einstand. Nachdem Michael Irmgartz wegen den Schäden aus dem ersten Rennen nicht starten konnte, gewann der Holländer Marc Engelhard die Klasse der luftgekühlten GTs.
Eigentlich konnte sich aber jeder Fahrer, der bei diesen Bedingungen an den Start gegangen war, als Gewinner fühlen. Indem die Fahrer auch bei solchen widrigen Bedingungen klasse Motorsport boten, haben alle Starter der STT ein würdiges Finalrennen beschert.
- Patrick und Jürgen Holzer - auch Photos -
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