Siege für Nesbach und Kuismanen auf dem Ring Djursland

Als die STT 1998 zum letzten Mal in Dänemark antrat, hieß der Sieger Henrik Larsen. 2007 kehrte die STT nach Dänemark zurück und Lars Schönemann im Porsche 993 GT2 wollte es seinem bekannten Landsmann sicherlich gerne gleichtun.
Keine leichte Aufgabe, wenn Schönemann auch von seiner Streckenkenntnis auf dem Ring Djursland profitieren konnte. Denn mit Pertti Kuismanen (Chrylser Viper GTS-R) und Dr. Klaus Nesbach (Stealth B6) waren zwei starke Gegner nach Dänemark gekommen. Als Gesamtführender reiste auch Jürgen Hohenester im Audi TT zum Ring Djursland.
Qualifying
Schon im freien Training mussten die STT Piloten erkennen, dass es sich bei dem nur 1,75 km kurzen Kurs um eine anspruchsvolle Rennstrecke handelt. Die meisten Fahrer fanden so rasch Gefallen an der dänischen Berg- und Talbahn. Glück hatte Pertti Kuismanen, dem im Training der Gaszug hängen blieb und heftig in die Leitplanke krachte. Zum Glück hielt sich aber der Schaden an der Viper in Grenzen und so war der 800 PS starke Rennbolide bis zum Qualifying wieder einsatzbereit.
Für die ersten 15 Minuten reichte es dann aber nur für eine Runde, so dass Kuismanen vom letzten Platz aus ins Rennen gehen musste. Schnellster der ersten Sektion war Dr. Klaus Nesbach, der mit einer Zeit von 48,941 den Streckenrekord um 1,4 Sekunden unterboten hatte.
Startplatz zwei ging an Lars Schönemann vor dessen Landsmann Hans Henrik Pedersen im skurrilen Marcos LM 600. In der zweiten Sektion war Kuismanen knapp schneller als Nesbach, der aber nur eine Runde absolvieren konnte.
Grund war eine gebrochene Radaufhängung, die noch für eine lange Nacht sorgen sollte. Um das Ersatzteil zu besorgen, fuhr Nesbach bis nach Hamburg, wo er das fehlende Teil in Empfang nehmen wollte. Hinter Nesbach bildeten die zwei Dänen Schönemann und Pedersen die zweite Startreihe.

Rennen 1
Die wichtigste Frage vor dem Rennen lautete: Slicks oder Regenreifen? Den Start entschied Nesbach für sich. Dahinter folgten Schönemann, Pedersen und Robert Römer im Porsche 996 GT3 Cup. Pedersen setzte den Marcos aber bereits in der ersten Runde in das "Kiesbett", worauf das Saftey Car auf die Strecke geschickt werden musste um den Marcos bergen zu können.
Nach dem Restart setzte sich Nesbach immer weiter vom Feld ab und siegte schließlich souverän mit über 43 Sekunden Vorsprung. Die weite Fahrt in der Nacht hatte sich also für den Stealth Piloten ausgezahlt. Für Lars Schönemann war die Gangart des britischen Sportwagen zu schnell, doch auch von hinten geriet der Lokalmatador unter Druck.
Pertti Kuismanen rollte das Feld von hinten auf und kam immer näher an Schönemann ran. Buchstäblich in letzter Sekunde nutze der Finne einen Fehler Schönemanns aus und zog wenige Meter vor der Ziellinie vorbei. "Ich habe mich leicht verbremst, wodurch Kuismanen vor mir auf die Gerade kam." so Lars Schönemann. Nur hauchdünne 0,323 Sekunden trennten die Zwei beim Fallen der schwarz-weiß karierten Flagge.

Stark unterwegs war auch Robert Egner im Audi A4 Turbo, der lange Zeit hinter Robert Römer (Porsche 996 GT3 Cup) gelegen hatte. Sven Fisch, nach erneuten Problemen am C-Kadett wieder im Audi RS4 unterwegs, versuchte zuerst an Egner dran zu bleiben, fiel aber nach und nach zurück. Da die Strecke nur sehr langsam abtrocknete waren die Fahrer mit Regenreifen im Vorteil.
"Die Strecke war die ganze Zeit nass, sie lässt sich nicht trocken fahren, da sie sehr viel Grip hat," erklärte einer, der mit Regenreifen die richtige Reifenwahl getroffen hatte. Rüdiger Klos konnte mit Gesamtrang sieben und dem Klassensieg bei den Tourenwagen bis 2500 ccm hoch zufrieden sein.
Auch Helmut Maier hatte Gefallen an der Strecke gefunden und mischte sich mitten unter die PS stärkeren Fahrzeuge. Ein starker achter Gesamtrang und der Klassensieg bei den 1600ern waren der verdiente Lohn für die gute Leistung. Christoph Schlemm (Mercedes 190E Evo II), der zwischenzeitlich auf den zwölften Platz zurückgefallen war, kämpfte sich noch auf Rang neun nach vorne.
Eigentlich hätten Michael Irmgartz (Porsche 964 RSR) die Wetterverhältnisse bestens liegen müssen, doch spielte der amtierende STT Meister beim Poker die falschen Karten aus. Knapp vor Gerhard Zimpel konnte sich Irmgartz noch in die Top 10 retten. Gerhard Zimpel im VW Golf lag zeitweise sogar auf dem neunten Gesamtrang, wurde dann aber von Schlemm und Irmgartz noch abgefangen. Trösten konnte sich der Golfpilot aber mit dem ersten Klassensieg in dieser Saison bei den Zweiliterfahrzeugen, denn auch Jürgen Hohenester hatte bei der Reifenwahl auf die falschen Pneus gesetzt.
Hinter Hohenester kam Lothar Moll im Fiat Uno ins Ziel, der in dieser Saison erstmals in der STT am Start war. Gegen den starken Klassenkonkurrenten Robert Egner war Wolfgang Fischer (BMW M3 E36) zwar machtlos, aber bei seinem ersten Regenrennen schlug sich der Bayer bestens. Dazu lieferte er sich mit Namensvetter Franz-Josef Fischer im Opel Astra einen spannenden Zweikampf, den er aber am Ende mit über drei Sekunden Vorsprung für sich entscheiden konnte.

Rennen 2
Auch vor dem zweiten Rennen war das selbe Spielchen angesagt. Immer wieder tröpfelte es, Petrus wollte es den STT Fahrern nicht gerade leicht machen. Beim Start katapultierte Nesbach seinen Stealth an der Viper von Kuismanen vorbei und machte gleich ordentlich Boden gut. Lars Schönemann, Hans Henrik Pedersen und Michael Irmgart reihten sich hinter der Viper ein.
Michael Irmgartz setzte Pedersen von Beginn an unter Druck, ließ dem fast doppelt so starken Marcos keine Verschnaufpause. Sensationell auf Rang sechs lag Joachim Bunkus (Triumph Dolomite), der noch das erste Rennen wegen Probleme am neuen Motor hatte auslassen müssen.
Leider brannte der STT Meister von 2005 nur ein kurzes Feuerwerk ab, denn bei der Kardanwelle war das Mittelgelenk gebrochen. "Der Motor ist gut gelaufen, das macht uns Hoffnung," war Joachim Bunkus dennoch mit dem Rennen sehr zufrieden. Schlecht gelaunte Gesichter sucht man bei der sympathischen Truppe aus Norddeutschland eh vergebens.
Keinen guten Tag hatte Michi Besler (BMW M3 V8) erwischt. Aus Sicherheitsgründen, der M3 stand bei der Berg- und Talbahn stellenweise mit allen vier Rädern in der Luft, hatte der Hamburger noch auf einen Start beim ersten Rennen verzichtet. Bei abgetrockneter Strecke wollte er den M3 noch einmal die Sporen geben.

Als die Überrundung durch Nesbach anstand, wollte Besler dem schwarzen Geschoss Platz machen, doch der Stealth ging nicht vorbei. Besler wollte wieder aufs Gas steigen, auf dem Nassen verlor er aber die Kontrolle über den M3 und krachte vehement in die Begrenzung. Zum Glück hielt sich der Schaden in Grenzen, wobei in Assen eh wieder der Apollo zum Einsatz kommen soll.
An der Spitze wurde die Luft für Nesbach immer dünner, denn Kuismanen kam immer näher. Der Finne attackierte beim Herausbeschleunigen auf die Zielgerade, kam aber vorerst nicht vorbei. Nesbach musste mit zunehmend abbauenden Regenreifen die Viper von Kuismanen jedoch ziehen lassen. Dabei wollte Nesbach eigentlich gar nicht mit Regenreifen auf die Piste. Da aber kurz vor dem Rennen die Batterie streikte, blieb keine Zeit mehr auf Slicks zu wechseln. Somit holte sich Kuismanen mit einer Runde Vorsprung auf Nesbach seinen dritten Saisonsieg.
Lars Schönemann rettete sich auf dem dritten Platz ins Ziel, nachdem schon wieder Getriebeprobleme aufgetreten waren. Von hinten nahte bereits gefährlich Michael Irmgartz, der Platz vier im Gesamtklassement belegte. Turbulent ging es hinter dem fünftplatzierten Robert Römer zu. Jürgen Hohenester, der aus der Box nachgestartet war, hatte sich durch das Feld gekämpft und lief auf die beiden Mercedes 190E von Schlemm und Klos auf. Rundenlang lagen die drei dicht beieinander.
Hohenester packte beide, aber auch Rüdiger Klos ging an seinem Markengefährten vorbei. Dadurch glich Klos im Kampf der Mercedes aus. 3:3 steht es beim Duell um den Klassensieg der Tourenwagen bis 2,5 Liter. Jürgen Hohenster auf Gesamtrang sechs sammelte mit seinem Sieg bei den Zweilitern wichtige Meisterschaftspunkte.
Wolfgang Fischer komplettierte die Top 10. Auch Helmut Maier war aus der Box gestartet, sicherte sich aber dennoch den Klassensieg vor Lothar Moll (Fiat Uno) und Peter Blickensdörfer (VW Scirocco) bei den 1600ern. Der Bayer hatte zwar die weiteste Anreise, doch die Strecke entschädigte den Meister der STT Light Division von 2000. "Die Strecke finde ich super und im Regen fahre ich gerne," war der Passauer zufrieden.
Auch die einzige Dame im Feld durfte mit ihrer Leistung bei ihrem zweiten Autorennen zufrieden sein. Hinter den Herren Franz-Josef Fischer, Peter Blickensdörfer und Jörg Lorenz (Porsche dp 935) beendete Petra Kolic das Rennen auf Platz sechszehn. So gab es als Geburtstagsgeschenk sogar noch einen Pokal für den Klassensieg bei den Tourenwagen über 3250 ccm.
Nach drei Rennen in nur sechs Wochen bleibt jetzt erst einmal Zeit die Autos gründlich durchzuchecken und die müden Knochen auszuruhen. Erst im Juli heißt es für die STT Piloten wieder Motoren starten, wenn vom 21.-22. Juli in Assen Lauf Nummer vier ansteht. Doch nicht für alle STTler gilt das, steht doch schon in zwei Wochen das 24h Rennen vor der Tür.

Zusammen mit der ADAC Procar startet die STT, wenn auch ohne Meisterschaftsstatus, in der Grünen Hölle. Für das vier Runden Rennen, dazu kommen zwei Zeittraining von jeweils 90 Minuten, sind noch Gaststarterplätze frei.
Interessenten sollten sich schnell melden um bei dem Topereignis dabei zu sein, denn eine bessere Werbung für die Sponsoren gibt es kaum als vor einem solch großen Publikum fahren zu können.
Informationen dazu erhalten alle interessierten Fahrer und Teams auf der STT Seite oder bei Promoter Rolf Krepschik.
- Patrick Holzer , auch Photos -
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