
Schmierige und schwierige Streckenverhältnisse bremsten den Tatendrang von Rolf Derscheid und Michael Flehmer kurzzeitig ein. Platz sieben im Training und das Aus im Rennen lauteten am Ende die relevanten Ergebnisse. Dazwischen lagen aber einige Momente unbeschreiblicher Glücksgefühle.
Nach dem 24h-Rennen kehrte bei den Teams der BF-Goodrich Langstreckenmeisterschaft wieder die Routine ein - auch bei Team Derscheid rund um Andrea und Rolf Derscheid. So wurde die Fahrerbesatzung wieder „abgespeckt", die Zahl der Mechaniker reduziert und die Arbeit der Touristenfahrten im freien Freitagstraining wieder aufgenommen. Professionell und routiniert spulte das Team auch die Trainingsrunden der beiden Fahrer im offiziellen Zeittraining am Samstagmorgen ab, das bei nassen Bedingungen begann.
Im Laufe des Trainings lies der Regen nach und es stellten sich Mischverhältnisse ein: Die Temperaturen stiegen, so dass die Strecke weder richtig nass noch vollends trocken, sondern einfach nur rutschig, schmierig und schwierig war. Entsprechend ruhig gingen die beiden zu Werke, wohlwissend, dass ein Langstreckenrennen weder im Training noch durch einen guten Startplatz entschieden wird.
Zahlreiche Ausrutscher und Unfälle waren eine Bestätigung für die schwierige Strecke und das beulenfreie Auto ein Beleg für die richtige Strategie des Team Derscheid. Am Ende der 1,5 Stunden dauernden Trainingssitzung stand der V2 BMW des Teams auf der siebten Startposition, womit alle zufrieden waren. Lediglich ein Problem mit dem Gaspedal mussten die Mechaniker in der Pause zwischen Rennen und Training beheben, was aber eher unter der Kategorie „Routinearbeit" zu verbuchen war.
Harter Kampf endet auf drei Rädern
Wie immer fuhr auch im Rennen am vergangenen Wochenende Michael Flehmer den Start. Aus allen Rangeleien raushaltend begann er nach vorne zu fahren und lief alsbald auf eine Kampfgruppe auf, die Platz eins bis drei belegte. Flehmer, nunmehr Vierter der Klasse und Letzter in der besagten Gruppe, erfuhr ein weiteres Mal, wie hart in der Serienwagenklasse gefahren wird.
Da Berührungen im Rennsport nicht selten im Desaster enden, entschied sich der zwischenzeitlich Ditte Flehmer dazu, lieber hinterher als vornweg zu fahren. Eine kluge Entscheidung, wie sich beim Boxenstopp rausstellen sollte. Die drei Erstplatzierten absolvierten ihren Stopp in der gleichen Runde, was weiteres Salz in der ohnehin scharfen V2-Suppe bedeutete. Das eingespielte Mechaniker-Team von Derscheid lieferte die beste Arbeit ab und legte einen perfekten Stopp hin.
Rolf Derscheid, der die zweite Rennhälfte anging, konnte die Wettbewerber in der Box überholen und ging als Führender der Klasse auf die Piste. Eine perfekte Strategie, denn schon nach seiner ersten Runde führte Derscheid die Klasse V2 mit fast fünf Sekunden Vorsprung an.
Gut eine Stunde vor Rennende passiert es dann: Im Bereich Brünnchen brach die hintere linke Radnabe am Derscheid BMW, so dass das Rad abriss, kurz unter den Wagen kam, wodurch der 318is gefährlich aufsteigt. Derscheid rutschte bis ins Kiesbett am Ausgang des Brünnchens.
Die Streckensicherung schleppte das Fahrzeug aus dem Kiesbett an eine vermeintlich sichere Stelle, obwohl der Teamchef bat, den Boliden per Hubwagen Huckepack zu transportieren, um die Schäden nicht zu vergrößern. Der Bitte kam man nicht nach und so wurde der BMW des Team Derscheid auf drei Rädern gezogen. Trotz guter Teamleistung mussten alle Mitglieder mit anschauen, wie die hart erkämpfte Führung ohne Gegenwehr in die Hand des Wettbewerbs fiel.
Stimme nach dem Rennen
Rolf Derscheid
„Zuerst tut es mir leid, dass wir die tolle Leistung unserer Crew nicht mit dem ersten Platz belohnen konnten, obwohl er in greifbarer Nähe war. Mir ist noch nicht klar, warum die Radnabe so urplötzlich gebrochen ist.
Hier wird uns sicherlich erst eine genaue Diagnose in den kommenden Tagen die Ursache zeigen. Kurz vor dem Unfall habe ich in der Kurvenkombination im Abschnitt Eschbach in Rechtskurven ein seltsames Fahrverhalten gespürt, das sich dann im urplötzlichen Ausbrechen Ausgangs Brünnchen niedergeschlagen hat.
Wir hoffen nicht, dass der Schaden durch die Abschleppaktion deutlich größer geworden ist. Mein Dank gilt besonders dem Posten 164, der eine super Arbeit geleistet hat. Die Jungs haben nicht nur erstklassig und professionell reagiert und gearbeitet, sondern mich auch bestens versorgt. Dafür meinen herzlichsten Dank!"
Redaktionsbüro Meuren / BRfoto