Derscheid Motorsport, BF-Goodrich Langstreckenmeisterschaft, Lauf 5

Voller Optimismus ging Team Derscheid ins fünfte Rennen der BF-Goodrich Langstreckenmeisterschaft. Nach der Hälfte des vier Stunden Laufs lag das Team in Führung, doch wieder war es die Technik, die dem Team einen Erfolg nicht gönnte.
Den Mechanikern des Teams Derscheid blieb nach dem letzten Rennen zur BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft nur wenig Zeit zum Durchschnaufen: Das durch eine gebrochene Radnabe abgerissene Rad hatte einen deutlich größeren Schaden hinterlassen als auf den ersten Blick erkennbar. Binnen vier Tagen erneuerte das Team vom Karosseriefachbetrieb Frins den kompletten „Hintern" des BMW 318is. Mit neuen Karosserie- und Fahrwerkskomponenten gingen beiden Fahrer Michael Flehmer und Rolf Derscheid am Samstagmorgen auf die Jagd nach einer guten Runde.
Der frisch reparierte Wagen zeigte sich von seiner besten Seite. Obwohl Michael Flehmer keine einzige „echte" freie Runde hatte, markierte er mit 10:20 doch die schnellste Zeit im Team. Das bedeutete Platz zwei in einer extrem stark besetzten Klasse V2. Mit der schnellen Zeit von Michael im Rücken fuhr Rolf Derscheid, Teamchef und Fahrer in Personalunion, nur noch die neuen Reifen an, um das Material zu schonen.
Zuffenhausener Kontaktaufnahme
Es war, wie gewohnt, Michael Flehmer, der die ersten beiden Stunden des 5. Laufs zur BF-Goodrich Langstreckenmeisterschaft unter die Räder nahm. Flehmer fackelte nicht lange und presste sich – hart aber fair – schon in der Anfangsphase des Rennens am Führenden der Klasse vorbei. Im Streckenabschnitt „Pflanzgarten" blieb dem schnellen Derscheid-Fahrer kurz die Luft weg:
Im Sprung wurde er von einem Porsche überholt, der offensichtlich seinen eigenen Speed unterschätzt hatte. Im Rettungsversuch um sein eigenes Auto lenkte der Fahrer mit dem Zuffenhausener Sportgerät kurzerhand nach links, wo aber zwischenzeitlich Flehmer mit dem BMW angekommen war. Es gab eine kurze, aber heftige Berührung, in Folge derer das Fahrzeug einige Meter komische Geräusche von sich gab. Flehmer drosselte kurz die Geschwindigkeit, um in einer „Fahrprüfung" die Funktion zu kontrollieren.
Dabei gingen die Erst und Zweitplatzierten der Klasse an Flehmer vorbei. Da der Wagen lief und die Geräusche aufhörten, nahm Flehmer Fahrt auf und stellte den Kontakt zur Spitze wieder her. Er nutzte im Verlauf seines Stints die Uneinigkeit beider Führender, überrumpelte sie und fuhr den Rest der ersten Rennhälfte auf Rang eins liegend zu Ende. Nach Runde 13 hatte Flehmer Feierabend und er übergab den BMW auf Platz eins liegend an seinen Teamchef.
Auf Platz 1 liegend lässt der Druck nach
Mit dem Zweitplatzierten im Nacken verließ Derscheid die Boxengasse. Beide Autos lieferten sich ein sehenswertes Rennen, dass sich über vier Runden hinzog. Beide V2-Autos gaben, zur Freude vieler Zuschauer, tatsächlich alles und überholten dabei auch deutlich stärkere Fahrzeuge. Im Zuge der harten Fahrt spürte Rolf Derscheid, wie der Bremsdruck am 318is immer weniger wurde und in der Anfahrt zum Karussell erstmalig ganz ausblieb.
Statt auf der Ideallinie die Steilwand zu durchqueren, fliegt Derscheid nach oben raus und kann nur aufgrund seiner Erfahrung einen Einschlag verhindern. Sofort verlor der Teamchef das Vertrauen in die Bremse und den Anschluss an den zwischenzeitlich vorbeigegangenen Konkurrenten. Der Bremsdruck ließ sich nicht mehr herstellen und Derscheid nutzte nun auch die Handbremse zur Verzögerung.
Die Probleme bekam auch der bisweilen Drittplatzierte mit, der sich nicht lange bitten ließ und Derscheid in einer Bremszone überholte. In der letzten Runde hatte der BMW gar keinen Bremsdruck mehr und so blieb dem erfahrenen Teamchef nur die Handarbeit. In der letzten Runde, quasi im letzten Eck, rutsche der BMW noch einmal über die Streckenbegrenzung hinaus und blieb nur mit extrem viel Glück etwa 20cm vor der Leitplanke stehen. Glück im Unglück:
Derscheid und Flehmer hatten bis dahin soviel Vorsprung rausgefahren, dass trotz aller Probleme der dritte Platz der Klasse V2 über die Ziellinie gerettet wurde. Zum Saisonhöhepunkt, dem 6h-Rennen in gut 14 Tagen, werden die Mechaniker die BMW-Technik komplett kontrollieren und sich dabei intensiv der Bremsanlage widmen.
Stimme nach dem Rennen
Rolf Derscheid, Fahrer und Teamchef „Der Aufbau nach dem Unfall beim letzten Rennen war eine erstklassige Leistung meiner Mechanikerm die nicht hoch genug zu würdigen ist. Am Sonntag nach dem Ausfall war der Wagen bereits zur besten Frühschoppenzeit komplett gestrippt. Tolles Engagement der Jungs – riesiges Lob!
Zum aktuellen Rennen kann ich nur sagen, dass es uns in diesem Jahr offensichtlich nicht vergönnt ist zu siegen. Die Bremszangen waren generalüberholt und gingen in ihr fünftes Rennen. Dennoch wurde eine Dichtung undicht, die Bremsflüssigkeit ist bei jedem Betätigen der Bremse dort ausgelaufen. Der Druck wurde immer geringer, der Flüssigkeitsstand auch.
Irgendwann war keine Bremsflüssigkeit mehr vorhanden und ohne Flüssigkeit bremst es eben gar nicht! Ich kann von Glück reden, nicht ausgerutscht und eingeschlagen zu sein. Wir werden die Bremsanlage komplett revidieren und auch den Rest der Technik eingehend untersuchen.
Zum 6h-Rennen wollen wir topfit an den Start gehen. Im Übrigen wird wohl unser „Testfahrer" Werner Schlehecker zu unserer und zur Freude vieler Fans beim 6h-Rennen mit an Bord sein."
Redaktionsbüro Meuren / BRfoto
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